25-6-2015 Gedruckt am 25-06-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16448

Studien von Deutsche Bank & Cisco

Digitale Transformation vernichtet Arbeitsplätze & Unternehmen

Soziale Technologie-Kritik von unerwarteter Seite: Eine Studie der Deutschen Bank rechnet mit gravierenden sozialen Folgen durch die Digitale Transformation. Keinen Deut besser wird es auch vielen (strategielosen) Unternehmen ergehen, zeigt gleichzeitig eine Cisco-Studie.

Düstere Aussichten der Deutschen Bank: Droht die Wirtschaft in das frühe Industriezeitalter zurück zu fallen? Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Ein solches Ergebnis hat man vermutlich nicht erwartet, als man Aleksandar Kosic, Managing Director Research der Deutschen Bank in New York, mit einer Analyse zu den Folgen der Digitalen Transformation beauftragte. "Zum ersten Mal seit der industriellen Revolution zerstört neue Technologie mehr Arbeitsplätze, als sie mobilisieren kann", schreibt er nämlich in seiner noch nicht veröffentlichten Analyse, die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) bereits vorliegt.
 
Es zeichne sich bereits ab, so die FAZ weiter, dass die digitale Revolution und das Internet zahlreiche, bislang von Menschen ausgeübte Tätigkeiten, überflüssig machen werde. Dem noch nicht genug, käme es dadurch auch zu einer negativen Rückkopplung auf die Löhne der verbliebenen Arbeiter. Menschen würden von Krediten abhängig und in "Zwangsarbeit" gedrängt, heißt es. Laut Kosic wirke es dann so, als ob die Wirtschaft in das frühe Industriezeitalter zurückfalle - mit einer "trostlosen Zukunft" für die Arbeiter, die ihre Arbeitskraft künftig mit "minimaler Verhandlungsmacht" versteigern müssten.

Digitale Transformation kann auch etablierte Unternehmen zerstören 

Recht durchwachsen ist auch jenes Bild, das eine Studie des Global Center for Digital Business Transformation (DBT Center) zeichnet. Die Studie mit dem Titel "The Digital Vortex: How Digital Disruption is Redefining Industries" ist die erste, die das DBT Center (eine gemeinsamen Initiative von Cisco und dem International Institute of Management Development) veröffentlicht hat. Die Autoren der Studie befragten 941 Entscheider aus 12 Branchen und 13 Ländern.
 
Die Ergebnisse zeigen: Aufgrund der digitalen Transformation werden sich schätzungsweise 40 Prozent der Unternehmen in einem völlig veränderten Wettbewerbsumfeld wiederfinden, und zwar innerhalb der kommenden fünf Jahre. Trotz der erheblichen Auswirkungen der digitalen Transformation glauben 45 Prozent der Entscheider jedoch nicht, dass sie ein Thema für den Vorstand sei.
 
"Jeder Markt und jede Industrie bewegt sich vom Informationszeitalter in das digitale Zeitalter. Städte, Länder und Unternehmen werden zwangsläufig Technologieorganisationen", sagt Michael Ganser, Senior Vice President Cisco Zentral- und Osteuropa. "Neue, schnelle Marktteilnehmer und innovative Traditionsfirmen erzeugen enormen Druck auf alle anderen Unternehmen. Eine erfolgreiche Vergangenheit ist keine Erfolgsgarantie, und Abwarten ist keine Option. Unternehmen brauchen jetzt eine digitale Strategie, um die digitale Transformation mitzugestalten und anzuführen."
 
In diesem Sinne sehr bedenklich: 43 Prozent erkennen die Risiken der Digitalisierung entweder nicht an oder setzen sich damit nicht auseinander. Nur ein Viertel der Befragten geht das Thema Digitalisierung aktiv an. Fast ein Drittel will einfach die Entwicklungen abwarten, um erfolgreiche Konzepte des Wettbewerbs nachzuahmen.