25-6-2015 Gedruckt am 27-06-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16447

Rund 100 Teilnehmer bei Wiener IoT Konferenz von IDC

"Österreich muss Internet of Things aktiv mitgestalten"

Intelligente Autos, vernetzte Kaffeemaschinen, Rasierer oder Seifenspender - das Internet of Things (IoT) ist da. Wie komplex und vielfältig die Thematik für Wirtschaft und Gesellschaft tatsächlich ist, wurde auf der IoT-Konferenz von IDC in Wien am Dienstag gezeigt und diskutiert.

IoT (Internet of Things) hat viele Facetten und ist ein komplexes Thema - wie auf der Wiener IDC IoT Konferenz einmal mehr zu hören war. Foto: Wahlmüller

"Das IoT ist eine stille Revolution, die Sie nicht verpassen dürfen", appellierte John Gole, Forschungsdirektor für Telekom & Networking in der Region CEMA, an die rund 100 Teilnehmer der Wiener IoT-Konferenz, sich mit der Thematik dringend auseinanderzusetzen.

Das Interesse an IoT und Industrie 4.0, der Vernetzung und Digitalisierung in der Produktion, steigt derzeit eklatant, so hat die IoT Group Vienna bereits 2.000 Mitglieder, darunter auch zahlreiche Unternehmen. "Wir wollen heuer noch mehr die Zusammenarbeit über Abteilungen, Unternehmen und Landesgrenzen fördern, denn die gesellschaftliche Vernetzung ist die Basis dafür, dass IoT und Digitalisierung erfolgreich umgesetzt werden können", sagte Stefan Hupe von der IoT Group Vienna zum Monitor.

In seinem Vortrag brachte er viele Anwendungsbeispiele, machte aber auch auf einige kritische Punkte aufmerksam. "Wir befinden uns derzeit schon in einer Art Datenrausch - viele und noch viel mehr Daten werden in Zukunft über Leitungen und unsere Netze wandern", damit seien auch die Telcos gefordert, so Hupe. Smart Home, Automatisierung und Industrie 4.0 würden zudem eine gewisse Abhängigkeit erzeugen. Außerdem "braucht alles Strom, wir werden daher künftig Ultra-Ultra-Low-Energy-Geräte und Technologien benötigen und uns Alternativen zur Stromerzeugung überlegen müssen", gab Hupe zu bedenken.

Exportland Österreich und Industrie 4.0

Die Bedeutung von Österreich als Industrie- und Exportland untertstrich Wolfang Reismann von IBM. "Wir hatten 2013 eine Exportquote von rund 60 Prozent mit einem Volumen von 123 Mrd. Euro - Österreich muss daher die vierte industrielle Revolution aktiv mitgestalten". Reismann nannte vier Herausforderungen für die Industrie beim Thema Industrie 4.0: 1. Kosten reduzieren, 2. Wachstum beschleunigen, 3. Geschwindigkeit erhöhen und 4. Innovation fördern. Als große europäische Stärke bezeichnete er die "Soft Skills bzw. die Techniker - sie können Europa vorwärts bringen". Dagegen habe China mit einem giganitschen Invest-Volumen für Forschung und Entwicklung in der Höhe von 1.200 Mrd. Euro eindeutig die Nase vorn. Zum Vergleich: Europas Forschungs-Investvolumen beträgt insgesamt 80 Mrd. Euro bis 2020, während die USA etwa 2015 nur 2,2 Mrd. Euro investieren.

Als Beispiel für "Losgröße eins" - d.h. die Fertiung eines individuellen Produkt trotz/bei Massenfertigung - nannte Reismann die Autombilbranche, wo der Wunsch nach einem total individuellen Gefährt einfach da ist, worauf die Hersteller schon in hohem Ausmaß reagiert haben: So gibt es vom Ford Fiesta bereits 376 und vom Ford Astra sogar 415 verschiedene Modelle. Ein Trend, der noch rasch weiter zunehmen wird und in vielen Branchen seine Ausprägungen finden wird, glaubt man allen Experten. Basis für die umfassende Vernetzung ist das IPv6-Protokoll, denn nur dann besteht die Möglichkeit, künftig jedes Objekt mit einer eigenen IP-Adresse auszustatten. "Allerdings sind die jetzigen Netze viel zu teuer, es wird neue Funknetze geben", sagte Reismann.

Cloud und künstliche Intelligenz

Ebenso als Referenten/Diskutanten bei der IoT-Konferenz mit dabei: Jürgen Mayrbäurl, Business Manager bei Microsoft und Phillip Werr, Marketing-Manager von Copa-Data, die sich mit der Veränderung in Richtung Cloud Computing auseinandersetzten, Florian Dohmann, Data Scientist bei The unbelievable Machine Company (*um), der zum Thema künstliche Intelligenz sprach sowie Rupert Lemmel-Seedorf von der Österreichischen Computergesellschaft (OCG). In der abschließenden Podiums- und Publikumsdiskussion wurde vor allem auch das Thema Jugend und Ausbildung diskutiert. Da gibt es in punkto IT generell und IoT im Speziellen noch gehörige Defizite wurde festgestellt. "Auch die Fronten zwischen Digitalisierung/IoT und Automatisierung gehören abgeschafft - und genau da werden wir eine gut ausgebildete, junge Generation brauchen" meinte etwa Microsoft Manager Mayrbäurl (cws).