28-1-2015 Gedruckt am 28-02-2017 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16253

USA entmachtet: China setzt sich auf den Spam-Thron

FBI-Investigationen, Bargeld-Transfers & Chinesen-Viagra

Na wenn das für den Verlierer kein Grund zum Jubeln ist: das erste Mal seit der Spam-Erfassung von Sophos (und die läuft immerhin schon seit 2007) hat China die USA als Spitzenreiter beim weltweiten Versenden von Spam abgelöst. Österreich ist in dieser Disziplin - glücklicherweise - recht mittelmäßig und erobert den 52. Platz.

Vorbei ist es mit der Vormacht der US-Amerikaner: China krönte sich im 4. Quartal zum neuen Spam-Spitzenreiter. Foto: Sophos

Die so genannte Spampionship-Liste speist sich aus den Spamfallen der Sophos Labs. Dabei kann jeder Spam-Versender Punkte für das jeweilige Länder-Konto erobern. Je mehr Spam versendet wird, desto höher ist dann auch die Position auf der Liste der Spam-Versender. Große Länder profitieren hier von ihrer guten IT-Infrastruktur, kleinere Länder finden sich eher auf den unteren Rängen wieder, unabhängig davon, wie gut oder schlecht ihre Bewohner mit IT-Sicherheit und der Bekämpfung von Botnets umgehen.
 
Jeder sechste Spam kommt aus China
 
Jahrelang führten die USA diese Liste an. Grund für den Siegeszug waren zweifellos die schnelle Internetverbindung, ein einfacher Zugang und die Tatsache, dass eine riesige Bevölkerung über viele Computer verfügt. China liebäugelte bereits im vergangenen Quartal mit dem ersten Platz, konnte ihn aber erst jetzt für sich verbuchen. Ziemlich genau jeder sechste Spam kommt derzeit aus dem Reich der Mitte. Und was auch immer Chinas so genannte „Great Firewall“ so alles blockt – Spam ist es garantiert nicht. Auch die Netzwerkverbindungen, über die Cyberkriminelle ihre Botnets steuern, bleiben unberührt.
 
Das „Dreckige Dutzend“ der Spamversender (Q4/2014)
1. China (16,7 %)           
2. USA (11,2 %)
3. Südkorea (8,8 %)
4. Russland (7,3 %)
5. Japan (5,7 %)
6. Vietnam (5,2 %)
7. Ukraine (4,6 %)
8. Brasilien (2,6 %)
9. Deutschland (2,6 %)
10. Indien (2,1 %)
11. Argentinien (2,0 %)
12. Taiwan (1,8 %)
 
Spam pro Kopf: Drei europäische Länder im "dreckigen Dutzend"
 
Das Spam-Aufkommen pro Kopf gibt Auskunft darüber, wie die Länder mit dem Thema IT-Sicherheit umgehen. Denn noch immer wird die Mehrheit des Spams über infizierte PCs versendet, häufig unbemerkt vom Besitzer. Die Übernahme eines PCs durch einen Botnet ist also ein Indiz für mangelnde Sicherheit. Ausschlaggebend in der „Spam by Population“-Liste ist das Verhältnis des versendeten Spams zur Bevölkerungsdichte. Auch für kleinere Länder schlägt hier die Stunde der Wahrheit. Macao beispielsweise belegte während der letzten Untersuchung den 94sten Platz bei den Spam-Versendern, erschien in der Pro-Kopf-Liste jedoch auf einem für dieses kleine Land sensationellen Rang 12. Aktuell ist Macao auf Platz 24 abgerutscht, dafür findet sich Hong Kong auf dem zweiten Platz. Deutschland belegt hier Platz 34, Österreich Platz 54. Neben Hong Kong erscheinen fünf weitere Länder erstmalig seit einem Jahr wieder in der „Spam Per Person“-Liste: Ukraine, Kasachstan, Singapur, die Vereinigten Arabischen Emirate und Vietnam.
 
Das „Dreckige Dutzend“ der Spamversender/Kopf (Q4/2014)
1. Südkorea
2. Hong Kong
3. Bulgarien
4. Ukraine
5. Israel
6. Taiwan
7. Uruguay
8. Kasachstan
9. Singapur
10. Vereinigte Arabische Emirate
11. Vietnam
12. Schweiz
 

Im Pro Kopf-Vergleich setzt sich Südkorea an die Spitze. Der unrühmliche 12. Platz geht an unsere eidgenössischen Nachbarn. Foto: Sophos