27-1-2015 Gedruckt am 1-09-2016 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/16250

Stell dir vor es ist Datenschutztag...

...und keiner macht mit

Anlässlich des 9. Europäischen Datenschutztags (28. Jänner 2015) erneuerte Softwarehersteller Fabasoft seine Forderung nach einem europäischen Cloud-Gütesiegel. Nur so könne man die derzeitige Vertrauenskrise überwinden und die digitale Gesellschaft bzw. die europäische Wirtschaft vom Potenzial von Cloud-Dienstleistungen überzeugen.

Der Weg führt in die Wolke - oder etwa doch nicht? Zu groß sind nach wie vor die Vorbehalte in Cloud-Dienstleistungen. Foto: Oliver Mohr/Pixelio.de

NSA und Snowden waren erst der Anfang. Europa steht im Bereich des einheitlichen Datenschutzes vor stürmischen Zeiten: Ende Dezember 2014 wurde aus Datenschutzsicht ein beunruhigender Verhandlungsstand zur Datenschutzreform im Europäischen Rat an die Öffentlichkeit gebracht, und auch die jüngsten verheerenden Terroranschläge in Paris haben den Ruf nach strengerer Überwachung und der lückenlosen Speicherung von Bürgerdaten wieder laut werden lassen. Die EU-Mitgliedsstaaten sind sich in der Frage eines einheitlichen Datenschutzes allerdings weiter uneinig, nationaler Egoismus steht an der Tagesordnung.
 
 „Die nationalen ökonomischen Interessen überwiegen bei weitem das Interesse an einem verbesserten und vereinheitlichten Datenschutz und das Recht der Bürger auf den Schutz der Privatheit. Die ökonomischen Vorteile auf Basis eines einheitlichen europäischen Datenschutzes wird es auch 2015 nicht geben. Obwohl Europa sie so dringend brauchen würde“, meint etwa Helmut Fallmann, Mitglied des Vorstandes der Fabasoft AG und Mitglied der Cloud Select Industry Group, die einen „Code of Conduct“ für europäische Cloud-Anbieter erarbeitet. Fehlt es an Vertrauen, dann will's auch mit den Anwendungen nicht ganz so klappen. Aktuell nimmt nämlich nur jedes fünfte Unternehmen der „EU 28“ Cloud-Dienste in Anspruch, da viele noch immer Bedenken wegen der Sicherheitsrisiken haben. Zu diesem Ergebnis kam die Studie „Cloud computing – Statistics on the use by enterprises“ von Eurostat.
 
Daher schlägt Fabasoft auch vor, ein Gütesiegel für eine Europäische Cloud zu entwickeln, mit dem Cloud-Anbieter die Erfüllung definierter Qualitätskriterien nachweisen können. Bei einer europäischen Cloud müssen die Dienstleistungen überwiegend europäischen Ursprungs sein und in hohem Maße zu europäischer Wertschöpfung, auch durch Steuern und Abgaben, beitragen. Die Daten müssen in europäischen Rechenzentren lagern, und für die einheitlichen Nutzungsverträge sollen europäisches Recht und europäische Datenschutzbestimmungen gelten. Zertifizierungen und regelmäßige Audits sowie höchste Sicherheitsstandards sollten eine europäische Cloud ebenfalls auszeichnen. „Cloud Computing ist der zentrale Motor für den Aufbruch in eine digitale europäische Wirtschaft und Gesellschaft. Daher muss es gelingen, das Prädikat ‚Made in Europe‘ durch ein Gütesiegel für eine europäische Cloud zu kennzeichnen. Mit der Etablierung europäischer Cloud-Standards werden die gesamte IKT-Industrie in Europa nachhaltig angekurbelt und bis zum Jahr 2020 rund 2,5 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen“, ist Fallmann überzeugt.
 

Fallmann: "Ein europäisches Cloud-Service muss so sicher sein wie ein Safe, in dem wir normalerweise Schmuck, Wertpapiere und weitere höchst kostbare Güter aufbewahren." Foto: Fabasoft