Cloud Computing ist schon seit geraumer Zeit Gesprächsthema, der Herbst 2011 hat dafür aber neuen Antrieb gebracht. Nachdem im Sommer Microsofts „Office 365“ auch in Österreich an den Start ging, folgte im Oktober Apples „iCloud“.
Doch während sich Microsoft mit seinem Angebot ganz offensichtlich business-fokussiert präsentiert, steht bei Apples Wolke der Consumer, also der Endkunde im Blickpunkt. Somit stellt sich vielen Nutzern die Frage, inwieweit iCloud für den Geschäftsalltag Sinn macht, gerade im Bereich der kleinen Unternehmen und Ein-Mann-Betriebe. Lohnt sich die Investition in Apples Wolke oder sollte die Wahl doch besser auf die business-affine Konkurrenz fallen? Wobei die Konkurrenz hier aus mehr als „nur“ Microsoft besteht – zahlreiche Unternehmen ringen im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen um die Gunst der Kunden.
Apples iCloud-Dienst besteht im Wesentlichen aus Speicherplatz, von dem Apple jedem Nutzer fünf Gigabyte gratis zur Verfügung stellt. Weiterer Speicherplatz kann auf Basis einer pro Jahr-Gebühr erworben werden. Mittels diesem Speicherplatz ist es dann möglich, Daten auf Apple-Geräten, also iPhone, iPad, iPod Touch und Ma-OS-Rechnern, sowie auf Windows-PC, synchron zu halten. Damit werden E-Mails, Kontakte, Kalendereinträge, Fotos, Dokumente sowie Musik, Apps und Bücher auf allen dem Anwender gehörenden Geräten zur Verfügung gestellt und aktuell gehalten. Natürlich nur, wenn der Nutzer dies auch wünscht.
Eingeschränkte Apple-Welt


Business, egal wo. Gerade kleine Unternehmen sowie Ein-Mann-Betriebe können von Cloud Computing enorm profitieren.
Damit bietet der Apple-Dienst durchaus eine brauchbare Grundlage für kleine Unternehmen. Die Basis-Bedürfnisse E-Mail, Kalender, Kontakte und Dokumente sind abgedeckt, der zusätzliche Speicherplatz mit der Staffelung 15 GByte um 16 Euro/Jahr, 25 GByte um 32/Jahr und 55 GByte um 80 Euro/Jahr durchaus günstig, und zudem kommt der Lifestyle-Faktor, den Apple auf seine Kunden überträgt. Doch einerseits gibt das Unternehmen damit die Kontrolle über wesentliche Daten (Kontaktdaten, E-Mails) aus der Hand. Und andererseits sind die Möglichkeiten, die iCloud bietet, zwar vielfältig, aber wie bei Apple-Lösungen üblich doch einigermaßen eingeschränkt.
Baukasten aus Microsoft-Lösungen
Office 365 wiederum setzt sich modular zusammen und bietet Microsoft Exchange Online, also ebenfalls den Zugriff auf E-Mail, Kalender und Kontakte - auch hier werden die Daten auf allen verbundenen Geräten synchron und aktuell gehalten. Jeder Nutzer erhält ein 25 GByte großes Postfach, jede versendete E-Mail-Nachricht kann bis zu 25 MByte groß sein. Zudem werden die Daten durch Microsoft Forefront Online Protection for Exchange gegen Viren und Co. geschützt.
Mittels der Office-Web-Apps kann der Nutzer Word-, Excel-, PowerPoint- und OneNote-Dokumente direkt im Browser abrufen und bearbeiten. Zudem kann mittels Office 365 unternehmensweit zusammengearbeitet werden, so kann gemeinsam auf E-Mail, Kalender, Kontakte, Dokumente und Ausgaben zugegriffen werden. Zudem bietet Lync Online die Möglichkeit, Online-Besprechungen abzuhalten und via Instant Messaging zu kommunizieren. Darüber hinaus finden sich im Office 365 Marketplace zahlreiche Lösungen von Microsoft-Partnern, welche die Cloud-Lösung ergänzen.
Google macht Druck
Ein weiterer Mitspieler im Cloud-Umfeld ist Google. Das Unternehmen hat mit Gmail bereits seit langem ein vermeintliches Cloud-Produkt im Portfolio. Doch die Wolken-Ambitionen des Such-Giganten enden nicht beim E-Mail-Service. Mit „Google Apps for Business“ (welche davor „Google Apps Premier Edition“ genannt wurden) bietet das Unternehmen ein umfangreiches Kommunikations- und Collaboration-Paket an. Zum Preis von 40 Euro pro Anwender/Jahr erhalten Nutzer eine komplette Bürosuite, die aus „Google Mail“, „Kalender“, „Text und Tabellen“, „Sites“, „Groups“ und „Video“ besteht und über die Serverinfrastruktur des Internetkonzerns bereitgestellt wird. Kunden müssen sich im Rahmen des Angebots nicht um Installation, Wartung, Schutz und Aktualisierung des Systems kümmern, dies wird von Google selbst übernommen und ist neben dem telefonischen 24x7-Support in der monatlichen Gebühr enthalten.
Neben Apple, Google und Microsoft finden sich noch zahlreiche andere Cloud-Dienstleistungen für KMU, etwa von Salesforce.com und anderen, kaum eines jedoch deckt dabei die Bandbreite an Funktionen ab, die von den drei Konzernen angeboten wird. Zumeist bestehen die Angebote aus einzelnen Funktionen, die sich aber zumeist in größere Lösungen integrieren lassen. Diesen Weg gehen vor allem die Business-IT-Anbieter, etwa SAP, SugarCRM und andere.
Kleine und mittelständische Unternehmen, die IT-Anwendungen hosted oder über die Cloud beziehen, sind wirtschaftlich besonders erfolgreich. Mehr als 40 Prozent der im Rahmen einer Studie befragten Unternehmen erzielten mittels Cloud Computing Umsatzsteigerungen von 30 Prozent oder mehr. Damit liegen KMU, die auf derartige Dienste vertrauen, deutlich über ihren Pendants, die keine solchen Services nutzen. 90 Prozent davon mussten im Vergleicheszeitraum Umsatzeinbußen hinnehmen.