"Die Nutzung virtueller Server für das Hosting der eigenen Website ist unsicher und nicht performant" - derartige Vorurteile seien weit verbreitet, betont Holger Gerlach, Senior Director Product Management bei Verio. Und räumt im Zuge dessen mit fünf verbreiteten Mythen rund um Virtual Private Server auf.
Mythos Eins: Bei VPS gibt es Beeinträchtigungen bei der Verfügbarkeit. Da jeder virtuelle Server völlig eigenständig betrieben werde, wirke sich der Ausfall eines Servers auch nicht auf die anderen aus.
„Das heißt, auch ein Applikations-Absturz in einem virtuellen Server bleibt für die anderen virtuellen Maschinen ohne Folgen. Als Anwender sollte man darauf achten, dass der Provider ein mehrfach redundantes Daten-Backup im Bereich Managed VPS durchführt.“ So sollte etwa die Hauptfestplatte des Managed VPS permanent auf eine zweite Platte gespiegelt werden. Zusätzlichen Schutz biete die kontinuierliche Sicherung auf ein drittes Laufwerk im gleichen Server. Schließlich sei es unabdingbar, den gesamten Kunden-Account in regelmäßigen Abständen auch auf Band zu sichern. „Natürlich sollte man im Hinblick auf die Verfügbarkeit der eigenen Website auch darauf achten, dass beim Provider eine Serverüberwachung rund um die Uhr stattfindet und Bereiche wie verwendeter Speicherplatz, CPU, Swap, Disk I/O, Bandbreite und Netzwerk-Traffic einer permanenten Kontrolle unterliegen.“
Mythos Zwei: VPS erfordern einen hohen Implementierungs- und Administrationsaufwand. Ein zentraler Nutzen einer Managed-VPS-Lösung für den Anwender sei gerade die schnelle Implementierungszeit. „Sie lässt sich innerhalb weniger Minuten in Betrieb nehmen. Der Webhoster übernimmt die Vorkonfiguration der Hardware sowie die Installation der erforderlichen Standard-Software für das Betriebs- und Dateisystem auf dem VPS. Mit einem Managed VPS kann der Anwender dann sofort starten – ohne dass spezielle Konfigurationen für die Kernservices erforderlich wären, deren laufende Aktualisierung auch durch den Webhoster erfolgen sollte.“ Dies betreffe Updates und Patches ebenso wie Betriebssystem-Optimierungen, um die Performance auf dem VPS kontinuierlich zu verbessern. Von Vorteil sei zudem, wenn der Webhosting-Provider seinen Kunden eine Auswahl an für die VPS-Umgebung vorkonfigurierten Softwarepaketen zur Verfügung stelle. „Die Applikationen können so einfach und schnell installiert werden. Bekannte Applikationen und Programme sind zum Beispiel MySQL, PHP, ClamAV, SpamAssassin, Java, Python, WordPress oder Zope. Der eigene Konfigurationsaufwand bleibt damit vergleichsweise gering.“ Dies sei ein zentraler Vorteil eines Managed Virtual Private Server. Er biete nicht nur die Flexibilität und Performance eines VPS, sondern schließe auch ein Maximum an Sicherheit und Verfügbarkeit ein.
Mythos Drei: VPS bieten keine Vertraulichkeit, da eine Zugriffsmöglichkeit durch Fremde besteht. „Jeder VPS ist ein privater, geschützter Bereich, der als unabhängiges System gemeinsam mit anderen unabhängigen Systemen auf einem physikalischen Server betrieben wird. Dabei hat jeder VPS seine eigene Directory-Struktur und seine eigenen Applikationen wie Webserver oder Mailserver.“ Jedem Anwender seien dabei auch eigene Konfigurationsdateien und ein separater Festplattenbereich zugeteilt. Das gewährleiste zum einen umfassende Sicherheit, „denn ein Zugang zu anderen Anwenderbereichen und deren Daten ist ausgeschlossen“. Zum anderen eröffne es dem Anwender die Möglichkeit, seine Dienste so einzustellen, als würde er über einen dedizierten Server verfügen. „Nicht zuletzt muss es auf Providerseite natürlich auch klare Regelungen hinsichtlich der Beschränkung von Zugriffsmöglichkeiten auf Kundendaten durch eigene Mitarbeiter geben.“
Mythos Vier: Bei VPS gibt es Abstriche bei der Performance. Virtuelle Server würden auf Internet-Servern mit Hochleistungskapazität gehostet. Dabei würden die Ressourcen eines physikalischen Servers auf eine gewisse Anzahl von Kunden aufgeteilt. „Das betrifft auch die RAM- und CPU-Nutzung sowie den Speicherplatz. Der Anwender erhält hier klare Leistungszusagen des Providers, das heißt für jeden VPS vordefinierte Ressourcen wie eine CPU-Power-Größenordnung und genaue Angaben zu Festplattenkapazität oder Arbeitsspeicher.“ Durch den Einsatz von RAID-Systemen könne hohe Datenverfügbarkeit und hoher Datendurchsatz sichergestellt werden. „VPS-Lösungen bieten damit in aller Regel eine ausreichende Performance. Nur wenn man eine ressourcenintensive Website mit umfangreichen Datenbanken betreiben möchte, sollte man sich für eine dedizierte Hosting-Variante entscheiden.“
Mythos Fünf: VPS bieten keine Flexibilität. „Das ist zunächst einmal schon allein aus dem Grund nicht richtig, da gerade die hohe Skalierbarkeit ein zentraler Vorteil von virtuellen Servern ist. Falls das System aufgrund hoher Zugriffs- oder Nutzerzahlen einmal an seine Grenzen stößt, können innerhalb kürzester Zeit weitere VPS bereitgestellt werden.“ Darüber hinaus komme es wieder entscheidend auf die Auswahl der Webhosting-Variante an, damit der Kunde nicht an Flexibilität verliere. „Das heißt, das Angebot sollte auch verschiedene Tools für die wichtigsten Aufgaben von Systemadministratoren enthalten, zum Beispiel für die Konfiguration von E-Mail- und User-Accounts, die Erstellung von Subhosts oder die Überwachung der Speicherplatz-Nutzung.“ Dabei könne jeder Anwender seine eigenen Web-, Mail- und Datenbankserver im Hinblick auf seine individuellen Anforderungen konfigurieren. „Will man Administrationsaufgaben weitgehend selbst durchführen, sollte man darauf achten, dass man Root-Zugriffsrechte für den eigenen Virtual Server erhält. Damit kann jeder Anwender auch problemlos eigene Software installieren.“
"Das VPS-Angebot von Webhostern ist heute sehr unübersichtlich. Teilweise unterscheiden sich die Leistungen erheblich: VPS und voll gemanagte VPS lassen sich wie Äpfel und Birnen nur schlecht vergleichen. Deshalb sollte man das Angebot genau unter die Lupe nehmen und mit den eigenen Anforderungen abgleichen. Wenn man sich dann für den richtigen Provider entscheidet, sind auch die letzten Vorbehalte gegenüber einer VPS-Lösung völlig unbegründet", betont Gerlach abschließend.



1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 