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IT-Business in Österreich

Wachstumsmotor und Leitsektor der heimischen Wirtschaft

IT-Business in Österreich

Hochtechnologiebranchen sind mitentscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg eines Landes. Die IT-Branche leistet dazu in Österreich einen nicht unerheblichen Beitrag. Sie konnte 2010 nicht nur ein Umsatzplus von fast zehn Prozent verzeichnen, sondern sorgt auch für neue Arbeitsplätze und hohe Kaufkraft­effekte, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Die Informations- und Kommunikationstechnologien sind das zentrale Nervensystem unserer heutigen Wissensgesellschaft. Sie dienen nicht nur als Innovations­treiber, sondern bilden auch eine wichtige Stütze des jeweiligen Wirtschaftssystems. 

Zwar ist Österreich keine wirtschaftliche Großmacht, aber immer wieder schaffen Unternehmen den internationalen Durchbruch. Der IP-Telefonie-Provider Jajah wurde in Wien gegründet, wuchs dank Venture Capital aus den USA zum ernstzunehmenden Konkurrenten von Skype heran und gehört mittlerweile dem Telekommunikationskonzern Telefonica. 
 
Das Salzburger Unternehmen Skidata hat sich zu einem der weltweit führenden Anbieter intelligenter Zutrittsmanagementlösungen entwickelt und sorgt für den reibungslosen Zugang in Skigebieten, Einkaufszentren, Sportstadien oder Flughäfen. 
 
UC4 hat sich als der weltweit größte unabhängige Anbieter für IT-Process-Automation-Software einen Namen gemacht und das ­Modeportal Garmz, das seit diesem Sommer unter dem neuen Namen LOOKK auftritt und seinen Firmensitz nach London verlegt hat, revolutioniert mit seiner Online-Plattform den Markt für Designermode.
 
Aber nicht alle Unternehmen aus dem Bereich Software und IT treibt es ins Ausland. Die große Mehrheit bietet ihre Leistungen auf dem heimischen Markt an und hat großen Anteil an der positiven Entwicklung der österreichischen Wirtschaft. 
 
Dies belegt eine Studie, die von Gottfried Haber, Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre an der Universität Klagenfurt im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojekts der UBIT Wien und des Verbands österreichischer Softwareindustrie (VÖSI) durchgeführt wurde. Haber zeigt, dass sich die Software- und IT-Branche als wichtiger Pfeiler der österreichischen Wirtschaft etabliert hat.
 

Neue Arbeitsplätze

Tech Gate Vienna ist Wiens größter Wissenschafts- und Technologiepark. Zielsetzung von Tech Gate Vienna ist es, den hier angesiedelten Firmen durch die örtliche Konzentration von erfolgreichen und innovativen Technologieunternehmen und Forschungseinrichtungen ­Synergien zu ermöglichen und Vernetzungen zu intensivieren.

Der Sektor weist einen hohen Reifegrad auf und setzt zunehmend auf standardisierte und arbeitsteilige Prozesse, die die Produktentwicklung plan- und kalkulierbar machen. So werden mittlerweile 60 Prozent der Vorleistungen innerhalb der eigenen Branche nachgefragt. 
 
Dabei werden 85 Prozent dieser Vorleistungen im Inland und 45 Prozent im eigenen Bundesland konsumiert, was auf eine nur geringe Vernetzung mit dem Ausland hindeutet. Die Konzentration auf den heimischen Markt kann sich im Hinblick auf den Innovationsgrad der eigenen Produkte und die Erschließung internationaler Märkte negativ auswirken. Umgekehrt lassen sich globale Krisen auf diese Weise aber leichter abfedern. Der wohl größte Vorteil besteht aber darin, dass neue Arbeitsplätze im Inland entstehen und die Wertschöpfung vor Ort erfolgt.
 
Das durchschnittliche IT-Unternehmen beschäftigt 3,4 Personen (Vollzeitäquivalente), hat einen Personalaufwand von 199.000 Euro und erzielt einen Umsatz von 610.000 Euro, heißt es in der Studie. Ausgabenseitig belaufen sich die Kosten der Vorleistungen auf 340.000 Euro, die Investitionssumme beträgt knapp 30.000 Euro pro Unternehmen. Nicht ganz überraschend sehen sich die IT-Unternehmen in Wien mit höheren Personalkosten konfrontiert, weisen aber auch einen um mehr als 50 Prozent höheren Umsatz auf. Die im Vergleich zu Rest­österreich niedrigeren Investitionen können als Hinweis darauf verstanden werden, dass die Zahl der Dienstleistungsunternehmen höher ist als in den anderen Bundesländern und diese einen meist geringeren Investitionsbedarf haben.
 
Haber weist in seiner Studie nach, dass der Software- und IT-Sektor nicht nur branchenintern für neue Arbeitsplätze sorgt, sondern auch andere Bereiche davon profitieren. Seine Modellrechnungen zeigen, dass jeder neu geschaffene ­Arbeitsplatz im IT-Bereich gesamtwirtschaftlich zu 4,2 neuen Arbeitsplätzen führt. In Vollzeitäquivalenten ausgedrückt heißt das: Ein Job in der Software- und IT-Branche bringt 3,1 Vollzeitarbeitsplätze. 
 
Die Software- und IT-Industrie schafft daher mit ihren knapp 100.000 Mitarbeitern noch zusätzliche 320.000 Arbeitsplätze in ­Österreich. Im Branchenvergleich belegt der Software- und IT-Sektor damit einen Spitzenplatz und wird nur vom Finanzbereich übertroffen. Betrachtet man ausschließlich die Kaufkrafteffekte, liegt der Software- und IT-Bereich sogar an erster Stelle. Beschäftigungspolitisch gesehen lohnt es sich also, auf diese Branche zu setzen, die trotz ihrer glänzenden Perspektiven mit Personalproblemen und dem daraus resultierenden Fachkräftemangel zu kämpfen hat, einem der laut Studie kritischen Erfolgsfaktoren.
 
 

Der Fachkräfte­mangel bedroht das Wachstum der Branche

Der Lakeside Science & Technology Park liegt wenige hundert Meter vom Wörthersee entfernt in direkter Nachbarschaft zur Alpen-­Adria-Universität Klagenfurt und ­bietet 26.000 m² Mietfläche. Der Technologiepark versteht sich als ­Drehscheibe für Synergieeffekte zwischen Unternehmen, Universität, Fachhochschule und dem Kärntner Umfeld. Anliegen ist es, Unternehmen – wo immer möglich – maßgeschneiderte Lösungen ­anzubieten.

Immerhin knapp 45 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, innerhalb der nächsten zwei Jahre neues Personal zu benötigen. Die Studie errechnet für diesen Zeitraum einen Personalbedarf von österreichweit rund 3.300 Facharbeitern, ­alleine in Wien werden 1.600 neue Mitarbeiter benötigt. Hinzu komme ein demographisches Problem, da, so der Studienautor, zwei Drittel der (selbstständigen) Fachkräfte älter als 40 Jahre sind. 
 
„In etwa zehn Jahren, werden rund zehn Prozent der IT-Fachkräfte in Pension gehen. Über 65 Prozent der in IT-Projekte involvierten Personen sind über 40 Jahre, rund 17 Prozent der Beschäftigten sind über 50 Jahre alt“, schreibt er. Ihnen stünden aber nur knapp 21 Prozent Beschäftigte unter 30 Jahre gegenüber, konstatiert Gottfried Haber.
 
Es gilt also, attraktive Ausbildungsangebote zu schaffen, um dem Arbeitskräftemangel entgegenwirken zu können und etwa über Imagekampagnen auf die glänzenden Perspektiven dieser Branche aufmerksam zu machen. Damit bestätigt sich das Ergebnis der im letzten Jahr veröffentlichten Studie „IKT-Standort Wien im Vergleich“, die zeigt, dass sich die Bundeshauptstadt in den vergangenen Jahren zum drittgrößten IT-Standort nach London und München entwickelt hat und gleichzeitig auf die Notwendigkeit verweist, diesen Erfolg auch zu kommunizieren.
 
Dass aber nicht nur Wien, sondern Österreich insgesamt ein attraktiver IT-Standort ist, belegt auch eine Studie der Marktforschungsabteilung der Economist Intelligence Unit (EIU) im Auftrag der Business Software Alliance (BSA).  Darin hat Österreich im Vergleich zum Vorjahr den Sprung von Platz 22 auf Platz 17 geschafft und dabei Länder wie Südkorea oder Hongkong überholt. Bewertet wurden darin die Faktoren wirtschaftliches Umfeld, IT-Infrastruktur, IT-Arbeitsmarkt, Forschung und Entwicklung, Rechtssicherheit sowie die öffentliche Unterstützung der IT-Branche.
 

Die Software- und IT-Branche sorgt für hohe Wertschöpfungseffekte

Diese Rahmenbedingungen haben die Software- und IT-Branche in den letzten Jahren zu einem Leitsektor der gesamten österreichischen Wirtschaft gemacht, wie Gottfried Haber im zweiten Teil seiner Studie „Software- und IT-Sektor 2011“ feststellt. 
 
Nach seinen Berechnungen schafft der Bereich direkt insgesamt gut 1,9 Mrd. Euro Wertschöpfung in Wien und fast 5,4 Mrd. Euro in Österreich. Er liegt damit im Branchenvergleich nach Bau, Finanzdienstleistungen, Handel, Grundstücks- und Wohnungswesen sowie Beherbergung und Gastronomie im Spitzenfeld.
 
Berücksichtigt man darüber hinaus auch die Vorleistungen und Kaufkrafteffekte, sind die Ergebnisse noch eindrucksvoller: Ein in die Software- und IT-Branche investierter Euro generiert dank der Multiplikatoreffekte eine Wertschöpfung von insgesamt 2,29 Euro und lässt damit zum Beispiel den Finanzbereich oder den öffentlichen Sektor hinter sich. Nur die Bereiche Forschung und Entwicklung, Energie, Autoindustrie, Textilien und Maschinen erzielen noch größere Wertschöpfungseffekte.
 

Mangelndes Kapital als Wachstumsbremse 

Bedroht wird das Wachstum der Software- und IT-Branche aber nicht nur durch fehlende Fachkräfte und ein schlechtes Image, sondern auch durch die Schwierigkeiten, an Kapital zu kommen. Während die Schwierigkeiten, an Fremdkapital zu kommen, vor allem in der Wirtschafts- und ­Finanzkrise ihre Ursache haben, ist die mangelnde Verfügbarkeit von Risikokapital wohl eher das Ergebnis der schlechten Rahmenbedingungen für diese Form der Finanzierung. 
 
In Österreich fehlt nach wie vor ein international wettbewerbsfähiges Private-Equity-Gesetz, das den Rahmen dafür bildet, damit privates Kapital fließen kann. So ist es fast unmöglich, internationale Investoren für den heimischen Markt zu gewinnen und den Unternehmen die Anschubfinanzierung zu ermöglichen, die sie brauchen, um auch international erfolgreich zu sein. Unternehmen wie Jajah, Skidata, UC4 oder LOOKK haben den Erfolg unter anderem ihren internationalen Investoren zu verdanken.
 
Derzeit spielt neben der öffentlichen Hand als Hauptinvestorengruppe vor allem der Bankensektor eine wichtige Rolle bei Beteiligungsinvestitionen. Aber auch dieser konnte nicht verhindern, dass 2010 weniger frisches Kapital (268 Mio. Euro) für österreichische Startups zur Verfügung stand als 2009 (286 Mio. Euro). „Nur wenn durch internationale Best- Practice-Regelungen sowohl die EU, als auch Österreich zu attraktiven Finanz- und Wirtschaftsplätzen ausgebaut werden, ist auch in Zukunft die Eigenkapitalausstattung österreichischer KMU garantiert“, schreibt die AVCO, die Dachorganisation der österreichischen Beteiligungskapitalindustrie, in ihrer letzten Aussendung.
 
Gelingt es, geeignete Rahmenbedingungen für die Software- und IT-Branche zu schaffen, wird dieser Sektor auch zukünftig zum Wachstum der österreichischen Wirtschaft beitragen und immer mehr Unternehmen hervorbringen, die national und international erfolgreich sind. 
 

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MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

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