So sollen heuer rund 23 Prozent mehr Malware als im vergangenen Jahr das Licht das Welt erblicken. Darüber hinaus würden soziale Netzwerke, das Android-Betriebssystem und technische Neuerungen, darunter Windows 8 und HTML5, ins Visier der Cybergangster geraten. Die Experten von Bitdefender schätzen, dass 2012 vermutlich etwa 90 Mio. Malware-Typen im weltweiten Netz kursieren werden. Der Pool digitaler Schädlinge setze sich dabei wahrscheinlich aus zwei Arten zusammen. Einerseits aus überarbeiteten E-Threats, die Technologien ihrer Vorgänger nutzen, aber in neuer „Verpackung“ auftreten, um nicht erkannt zu werden. Andererseits werde neue Malware auftreten, die speziell Zero-Day-Schwachstellen in Betriebssystemen und Software ausnutzen werde.
Zudem sollen sich Internetkriminelle weiterhin auf soziale Netzwerke, insbesondere Facebook, konzentrieren. Mit etwa 800 Mio. Mitgliedern ist die Plattform aktuell die größte Nutzer-Community im Web, dadurch biete sie eine große Angriffsfläche für Spammails, infizierte Links und ähnliches. Zwar habe Facebook seine Sicherheitsmaßnahmen intensiviert und reagiere mittlerweile innerhalb kurzer Zeit auf bekanntgewordene Gefahren. Dennoch seien mehr als 400 Mio. User anfällig für kurzzeitige Bedrohungen. Ein weiteres Ziel für Attacken im Social-Media-Bereich sei der Microblogging-Dienst Twitter. Bitdefender rechnet für beide Netzwerke mit mindestens einer neuen Malware-Familie, die die Pinnwände und Timelines der User mit verseuchten Weblinks fluten werde.
Zudem stünden mobile Betriebssysteme weiter unter Beschuss. So habe etwa Android seit Einführung im Jahr 2008 hat Android seinen Marktanteil massiv ausgebaut. Seitdem würden aber auch die Attacken auf das Google-OS zunehmen. Auf Grund dessen prognostiziert Bitdefender, dass Angriffe auf entsprechende Geräte weiter zunehmen werden. Ein aktuelles Beispiel sei CarrierIQ, eine umstrittene Tracking Software, die vom gleichnamigen Unternehmen programmiert wurde. Diese sammle Informationen über Nutzungsverhalten, Aufenthaltsorte sowie Tastatureingaben des Smartphone-Besitzers.
Auch neue Technologien würden zu Zielen cyberkrimineller Aktivitäten avancieren. Insbesondere die Einführung von HTML5 und IPv6 sowie der Launch von Microsofts Windows 8 könnten Internetgangstern als Startschuss dienen, neue Schadcodes und Trickbetrugsstrategien zu entwickeln. Bezüglich HTML5 sei etwa zu befürchten, dass Malware-Autoren die neuen Features ausnutzen würden, um zum Beispiel Nutzer mittels Geopositionsdaten zu tracken.
Bei der Realisierung von IPv6 schlummere wiederum die Gefahr unter anderem in IPSec. Dieser Mechanismus lasse Traffic zwischen Quelle und Ziel verschlüsselt fließen. Damit soll grundsätzlich Traffic Sniffing verhindert werden. Cybergangster könnten dies jedoch dazu missbrauchen, Botnetz-Datenverkehr von und zu der Kommandozentrale zu tarnen.



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Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 