Weltblick
Gartner Symposium Orlando
Mut zu kreativer Zerstörung
Alexandra Riegler
Peter Sondergaard, Forschungschef bei Gartner, schreitet die Bühne entlang, bereit ein neues Zeitalter einzuläuten. „Der Kunde ist überall“, ruft er ins Publikum, und das klingt eher drohend als nach einer Chance. Ursache dafür seien Massenkollaborationen und die sogenannte Consumerization der IT, die vermeintlich moderne Unternehmen in die Postmoderne zwingen: eine Geschäftswelt, die ein bisschen aussieht wie Facebook und in der Konsumenten gleichzeitig auch Produzenten sind.
Der Rat, den Gartner Unternehmen mit auf den Weg gibt, scheint seit zehn Jahren derselbe zu sein. „Um Erfolg zu haben, müssen Sie Ihre Rolle neu erfinden“, beschwört Sondergaard die CEOs und IT-Manager, die zur größten Veranstaltung des Beratungsunternehmens, dem Symposium/ITxpo, nach Florida gekommen sind.
Doch der Hintergrund ist 2011 ein neuer. Vor zehn Jahren stellte E-Business die Branche auf den Kopf. Heute sind es die Cloud, soziale Netzwerke, Mobilität und die Informations- und Datenflut. Jeder dieser vier Trends habe für sich genommen bereits disruptive Auswirkungen auf den Markt, so Sondergaard. Gemeinsam würden sie das nächste Computing-Zeitalter einleiten, und dieses sei von Einfachheit, möglichst unsichtbarer Technologie und dem Mut zu kreativer Zerstörung geprägt.
Megatrend Tablets
Was mit dem iPad begann, soll auch in Zukunft weite Kreise ziehen. Der Bedeutungsverlust des PCs schreitet voran, bis 2016 werden laut Gartner 918 Mio. Tablets verkauft. In zwei Jahren haben Unternehmen vier Mal so viele mobile Apps in Entwicklung wie Software für nicht-mobile Betriebssysteme. Bis 2015 betreiben zwei Drittel aller IT-Unternehmen einen eigenen App-Store, was die Rolle der IT von einer zentralen Planungsstelle zu einer Art Marketingabteilung verändert.
Weil in vier Jahren jeder achte Erdbewohner ein Tablet besitzt, sind Unternehmen gut beraten, so schnell wie möglich zwei mobile Strategien auszuarbeiten: eine, die die Wünsche und Anforderungen der Kunden zum Inhalt hat, eine andere, die den Umgang mit jenen mobilen Endgeräten regelt, die immer mehr Mitarbeiter von daheim ins Büro mitbringen.
Die neue Einfachheit
Weil sich Benutzer an die einfachen und gesten-gesteuerten Programme gewöhnen, muss auch „herkömmliche“ Software eingängiger und modularer werden. Ein Weg führt über die Verbreitung von Web Apps. Gartner rät Unternehmen ein moderneres Interface-Design an sowie die Entwicklung von Software über mehrere Plattformen hinweg im Auge zu behalten.
An Bedeutung gewinnt 2012 auch die Kontextsensitivität von Software. Solche Systeme „erahnen“ bestimmte Bedürfnisse ihrer Benutzer und schlagen proaktiv Dienste oder Produkte vor. Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel soziale oder ortsbezogene Komponenten einer Software, wie Augmented Reality, mit Payment- und E-Commerce-Angeboten verbinden. Unternehmen, deren Systemen soziale Elemente fehlen, sollen dies möglichst rasch ändern.
Datenfluten im Griff
„Informationen sind das Erdöl des 21. Jahrhunderts und analytische Informationssysteme ihr Verbrennungsmotor“, formuliert Sondergaard. Der Datenflut Herr zu werden, das schaffen Unternehmen künftig nicht mehr auf eigene Faust. Gartner-Analysten wünschen sich daher logische Datenlager: offene Pools, die Daten aus unterschiedlichen Quellen vereinen und von mehreren Parteien gemeinsam benutzt werden. Dieser Ansatz der „Co-Creation“ setzt zwar einiges an Vertrauen zwischen den Benutzern und in die Sicherheit solcher Systeme voraus, würde aber helfen, Geld zu sparen und aus bisher noch brach liegenden Datenbergen mittels neuer Algorithmen nützliche Informationen zu extrahieren.
Umzug in die Cloud
Cloud Computing ist seit drei Jahren in aller Munde, dennoch stehen Enterprise-Kunden erst am Anfang. Nur rund drei Prozent ihrer IT-Budgets gaben Unternehmen zuletzt für Cloud-Dienste aus. Doch das soll sich ändern. Bis 2015 soll der Bereich jedes Jahr um fast ein Fünftel zulegen und fünf Mal schneller wachsen als andere IT-Ausgaben. Mehr Sicherheit erwarten sich Experten durch neue Zertifizierungsprogramme, darunter das in den USA initiierte FedRAMP. Ob sich Unternehmen ihre Cloud selbst bauen, zukaufen oder eine Mischung aus beidem verwenden, sei einerlei. Die Richtung muss stimmen: „Die Cloud muss Ihre erste Adresse für Datenverarbeitung sein“, mahnt Sondergaard und setzt warnend nach: „Sind Sie dafür bereit?“
Technologien mit Zukunft
Mit sinkenden Speicherpreisen gewinnen 2012 In-Memory-Datenbanken an Bedeutung. Diese Systeme operieren vorrangig aus dem Arbeitsspeicher heraus und sind somit schneller als herkömmliche Software. Zusätzlich können Anwendungen von besserer Skalierbarkeit und geringerer Verzögerungszeit profitieren. In-Memory eignet sich etwa für analytische Systeme, Anwendungsserver und Messaging.
2012 soll auch das Jahr sein, in dem das Internet der Dinge seinen Durchbruch schafft. Was den Trend vorantreibt: Immer mehr Sensoren liefern Daten über mobile Endgeräte oder auch Autos. Im Bereich Bilderkennungssoftware finden bisher nur in der Industrie genutzte Lösungen den Weg zum Konsumenten. Die Verbreitung von Handys, die schnelles Bezahlen mittels Near Field Communication ermöglichen, eröffnen unter anderem für den Einzelhandel neue Geschäftsmöglichkeiten.
2012 soll auch das Jahr sein, in dem das Internet der Dinge seinen Durchbruch schafft. Was den Trend vorantreibt: Immer mehr Sensoren liefern Daten über mobile Endgeräte oder auch Autos. Im Bereich Bilderkennungssoftware finden bisher nur in der Industrie genutzte Lösungen den Weg zum Konsumenten. Die Verbreitung von Handys, die schnelles Bezahlen mittels Near Field Communication ermöglichen, eröffnen unter anderem für den Einzelhandel neue Geschäftsmöglichkeiten.
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