CA Technologies steht vor allem für große Systeme im IT-Management. Die Cloud soll nun auch finanzierbare Lösungen für KMU bereitstellen?
Richards: Wir haben in den letzten Jahren zahlreiche Produkte entwickelt, um Unternehmen beim Weg in die Cloud zu unterstützen. Die Cloud hilft Unternehmen, rascher und agiler zu werden. Prozesse werden transparenter und vieles wird ermöglicht, was bislang in kurzer Zeit nicht durchführbar war.
Wie kann nun der Mittelstand von der Cloud profitieren?
Richards: Ich sehe hier vor allem drei Bereiche. Für mittelständische Unternehmen sind zum einen besonders die Lösungen von Nimsoft interessant, die Transparenz und Kontrolle in der Cloud und auch im eigenen Datacenter bringen. Der zweite Bereich ist die Ausweitung unserer CA-Management-Tools in die Cloud. Dazu zählen beispielsweise Erweiterungen unseres Identitäts- und Accessmanagements mit dem CA CloudMinder.
Besonders spannend ist unser dritter Bereich, die neue Business-Service-Plattform. Cloud Computing bringt viele Transformationen. Das Ziel für die Kunden ist aber, einfach einen Dienst zu bekommen. Deshalb wählen sie Software-as-a-Service-Dienste (SaaS).
Wenn nun die ganze IT-Umgebung mittels Services verwaltet werden kann, also nicht in einer IT-zentrierten Sichtweise - mit all den Scripts zur Konfigurierung der Router, Netzwerke und Speicher - wie sie heute noch großteils vorherrscht, dann ändert sich im Entwicklungsablauf vieles. Der bisherige Weg bietet sicher auch sehr mächtige und effektive Lösungen. Aber es sind keine evolutionären, kleinen Schritte für rasche Anpassungen möglich.
Wie kann so ein Weg in die Welt der Services beginnen?
Richards: Wenn man in die business-zentrierte Welt geht, wo der Dienst im Vordergrund steht, dann startet man mit einem visualisierten Model eines Dienstes. Da sind alle Dinge enthalten wie Databases, Server, Storage Allocations, Networks Connections etc. Unsere Cloud-Plattform, CA AppLogic, hilft Service Providern und Unternehmen, so ein visualisiertes Modell der IT-Landschaft aufzubauen. Das umfasst sowohl die bestehende IT als auch neue Dienste. Daraufhin setzt man all die Komponenten aufgrund der Anforderungen zusammen, automatisiert die Bereitstellung der Dienste, stellt mittels Monitoring, Analysen und Leistungsoptimierung sicher, dass die Service Levels über die ganze IT-Wertschöpfungskette eingehalten werden und schützt schließlich das ganze Paket mit einer Sicherheitslösung. Das ist die Basis für unsere Business-Service-Plattform.
Was sind die Vorteile von Cloud-Services?
Richards: Das hängt vom Business Service oder der Applikation ab. Wenn man von großen Programmen spricht, dann geht es um Anschaffungskosten versus Betriebskosten. Da gibt es sehr große Unterschiede bei den anfallenden Kosten. In einigen Fällen kann die Cloud aber auch teurer sein.
Dieser neue Ansatz, mit einem Modell zu starten, beliebige Komponenten zusammenzustellen, sie als Dienste zu automatisieren und zentral zu sichern, ändert das etwas in der Softwareentwicklung?
Richards: Wir sind uns sicher, dass diese neue Kategorie von Software kommen wird. Wir realisieren sie mit unserer neuen Business-Service-Plattform. Das IT-Management bekommt dadurch neue Dimensionen. Wir glauben, dass eine Business-Service-Plattform erforderlich ist, um wirklich von der Wolke profitieren zu können.
Wird sich die Software-Welt durch solche Plattformen und den neuen Service-Gedanken komplett verändern?
Richards: Das macht sie schon. Service Provider haben in den letzten Jahren davon gesprochen, dass die Cloud kommen wird. Jetzt ist sie wirklich da. Die Frage ist nun weniger, was die Cloud ist, sondern was man damit tun kann. Das betrifft kleine wie große Unternehmen.
Wie kann ich als Unternehmen nun in der Wolke loslegen? Es geht ja auch darum, die alten Investitionen zu schützen.
Richards: Was wir bei kleineren wie auch größeren Unternehmen derzeit sehen, ist sicher kein vollständiger Austausch der Software mit SaaS-Angeboten. Vorhandene Lösungen werden weiterhin genützt, aber zugleich neue Funktionen und Features mittels SaaS hinzugefügt. Die bestehenden Investitionen werden durch Cloud-Lösungen aufgewertet. Das ist nichts Ungewöhnliches. Hybrid-Lösungen in großen Unternehmen gibt es schon länger.
Steigt durch diese Kombination alter und neuer Systeme nicht auch die Komplexität?
Richards: Genau dazu wurde der CA CloudMinder entwickelt. Es geht nicht nur darum, das Alte mit dem Neuen zu erweitern. Es geht auch darum, das Alte so einzubeziehen, dass im neuen, hybriden System auch die Sicherheit durchgehend gegeben ist. Oft wird bei solchen Projekten das Thema Sicherheit erst wirklich angegangen. Eine genaue Definition der Zugangsregeln erleichtert es, dass auch von außerhalb des Unternehmens ein sicherer Zugriff auf die benötigten Daten und Dienste gewährleistet wird.
Was kann CA Technologies für mich als Unternehmer tun?
Richards: Wir haben beispielsweise mit Cloud Commons ein Ecosystem geschaffen, das kleinere Unternehmen und Service Provider zusammenführt, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Ein Entwickler, der für sein Unternehmen beispielsweise eine webbasierende Applikation entwickelt hat, kann im Verkaufsbereich des Cloud Commons Portals die Applikation auch anderen anbieten. Und er kann sie zuvor im Test-Grid mit unserer Cloud-Computing-Plattform CA AppLogic testen. Es können also alle davon profitieren.
Ändern sich dadurch nicht auch die Beziehungen zwischen Kunden, Softwareentwicklern und Service Providern beträchtlich?
Richards: Ja. Und es gibt in Cloud Commons auch noch einen Zertifizierungsprozess für die Anwendungen. Wie beim App-Store-Konzept von Apple geht es darum, den Zugang sehr einfach zu gestalten. Analysten sagen, dass in naher Zukunft über 20 Prozent der Unternehmenssoftware über solche App-Stores vertrieben werden wird.
Wie findet man als kleines Unternehmen nun die besten Dienste fürs eigene Geschäft?
Richards: Da haben wir mit Cloud 360 ein weiteres neues Service im Angebot. Es ist eine Mischung aus Consulting und Produkt und hilft auch kleinen Unternehmen, die besten Services - genau nach ihren Bedürfnissen - in der Cloud zu finden.
Das Interview führte Alfred Bankhamer