Der Business-Intelligence-Markt ist für SAP noch neu, vielleicht besitzt dieser und die dahinter liegende In-Memory-Datenbank HANA deshalb jene Anziehungskraft, die etwa Technik-Chef Vishal Sikka Worte wie „unglaublich“ und „faszinierend“ in den Mund nehmen lassen. Auch die auf der Sapphire anwesenden (Test-)Kunden zeigten sich durchwegs beeindruckt.
Um HANA jedoch nutzen zu können, ist das neue Release 7.3 von SAP NetWeaver Business Warehouse notwendig. Dieses ist daher rechtzeitig zur Sapphire vorgestellt worden. Kunden können damit ohne Unterbrechung ihre Datenbanken auf die Plattform von HANA migrieren.
Damit soll sich nicht nur die Geschwindigkeit von Abfragen erhöhen, sondern auch das Laden von Daten in das NetWeaver Business Warehouse schneller gehen. Durch das Vereinfachen von IT-Landschaften und Wegfallen von Datenschichten sollen sich zudem die Gesamtbetriebskosten reduzieren lassen.
Herzblut
„Für uns ist entscheidend, dass die Bedürfnisse unseres dynamischen und schnelllebigen Geschäfts erfüllt werden”, so Christian Stoxreiter, Leiter Business Applications bei Red Bull. „Wir haben Niederlassungen in über 160 Ländern. Sämtliche Daten werden nachts in den unterschiedlichen Zeitzonen geladen. Mit einem verzögerungsfreien Zugriff auf neueste Informationen können wir zukünftig fundierte Geschäftsentscheidungen treffen. Bereits jetzt konnten wir die Größe unserer Datenbank von 1,5 Terabyte auf 300 Gigabyte, also um 80 Prozent, reduzieren. Mit Optimierungsmaßnahmen sollen dann nochmals 50 Gigabyte wegfallen. Aktuell setzen wir HANA im Reporting ein. Nächstes Jahr wollen wir zusätzlich Promotion Management und Planung integrieren.“ Seit Ende Oktober läuft die In-Memory-Datenbank jetzt im Echtbetrieb. Neu ist für den langjährigen SAP-Kunden Stoxreiter, dass „wieder das Herzblut zu SAP zurückgekehrt ist. Die SAP-Leute hören jetzt wieder auf den Kunden“. Derzeit nutzen bei Red Bull 3.000 User in 39 Ländern das neue BW-System. Im Endausbau sollen es dann 5.000 Anwender sein. Insgesamt 3.500 Mobile Devices sind zudem im Einsatz. Stoxreiter zeigte sich mit den Implementierungspartnern SAP, Imtech (Datencenter) sowie Fujitsu (für die HANA-Datenbank) sehr zufrieden.
AOK sucht nach Mustern
Der weltweit bisher größte HANA-Verkauf wurde auf der Sapphire in Madrid gebührend gefeiert. Kunde ist Deutschlands größte Krankenversicherung, die AOK. Mithilfe der neuen Datenbank plant die AOK durch die Analyse der Patienten-Daten Muster in Krankheitsverläufen zu erkennen und damit ihren Versicherten zukünftig individualisierte Vorsorgeprogramme anzubieten. Beispielsweise in der Diabetes- und Herzinsuffizienzvorsorge. Zwölf eigenständige regionale AOKs mit 24 Millionen Versicherten, über 370 Millionen ambulanten Behandlungsfällen und 1,5 Milliarden dazugehörigen Diagnosen jährlich geben einen Einblick, um welch riesige Datenmengen es hier geht. Udo Patzelt von AOK Systems kennt SAP mittlerweile seit zehn Jahren: „Wir haben im Jahr 2001 eine Entwicklungspartnerschaft abgeschlossen und Stufe für Stufe bestimmte Module eingeführt.“ Seit Juni läuft mit HANA ein Evaluierungsprojekt mit konkreten Anwendungsfällen. „Die Ergebnisse lagen weit über unseren Erwartungen“, zeigte sich Patzelt auf der Sapphire überzeugt. Zusatz: „Wir waren am Anfang mehr als skeptisch, aber die Persepektiven sind wirklich absolut erfolgsversprechend.“ Statt 150 Stunden Analyse im Fall Diabetes konnten die
Daten mit HANA jetzt in nur 20 Minuten analysiert werden.
Läuft alles nach Plan, will Patzelt die neue Technologie im kommenden Jahr nicht nur im analytischen, sondern auch im operativen Bereich einsetzen. Weitere HANA-Kunden sind T-Mobile, Honeywell Aerospace sowie Provimi oder Vaillant. Vertreter all dieser Unternehmen zeigten sich beim HANA-Round-Table vor allem von der Geschwindigkeit der Daten-Analyse begeistert.