SAP ist nicht länger nur auf große Unternehmen fokussiert. Der deutsche Software-Gigant hat seine Strategie längst geändert. Dies scheint auf den technischen Entwicklungen rund um das Thema Cloud Computing zu basieren. Denn „für uns bedeutet Cloud Simplicity“, wie es Vorstandssprecher Snabe in seiner Keynote ausdrückt und verkündet sogleich: „Wir haben Business Intelligence für alle released.“
Der Erfolg scheint ihm recht zu geben, denn für die neue KMU-Cloud-ERP-Lösung „Business by Design“ gibt es laut Snabe weltweit bereits rund 700 Kunden.
„Europa hat die Verpflichtung und Chance zur Innovation“, betont Snabe und stellt klar: SAP will in diesem Spiel weiterhin federführend sein.
SAP macht mobil


Executive Q&A von links: Jim Hagemann Snabe, Co-CEO of SAP AG; Martin Peuker, Deputy CIO beim Charité; Hubertus Kuelps, Head of Global Communications, SAP AG; David McCue, CIO at CSC Corporation; Raj Nathan, Corporate Officer, SAP AG.
Explosionsartig entwickelt sich der „Mobile“-Bereich. „Wir haben hier bereits mehr als 200 Partner, die mobile Apps bauen“, zeigt sich Snabe stolz. Rund 30 mobile Apps hätte zudem SAP entwickelt, allen Kunden legt Snabe daher einen Blick in den SAP-AppStore ans Herz.
Wie wichtig Mobilität als Strategie für SAP ist, sieht man an der Akquisition von Sybase, einem führenden Anbieter für Datenmanagement und Anwendungen für Mobiltelefone, im Vorjahr.
Das Berliner Charité-Hospital etwa setzt auf Mobilität - basierend auf einer Sybase-Plattform. Ärzte in der Klinik wurden mit Tablets ausgestattet, die sowohl direkt bei der Visite als auch zur Analyse von Patientendaten eingesetzt werden.
Snabe riet allen Unternehmen, nicht nur die eigenen Geschäftsprozesse und Analysen mobil zu machen, sondern auch Kunden direkt mobil zu adressieren. Als Beispiel nannte er Tesco - Nummer-Zwei- Retailer in Südkorea - der für Mobiltelefonbesitzer mittels Plakaten den direkten Einkauf in der U-Bahn ermöglicht. Milch, Butter, Brot und Wurst können so mobil etwa beim Heimweg geordert werden, die Lieferung folgt dann zum vereinbarten Zeitpunkt nach Hause.
HANA als Wunderwaffe
Da die Datenflut weiter zunehmen wird „gilt es, das Business und die Wertschöpfungskette zu optimieren“. Die neue HANA-Technologie soll dabei helfen. HANA ist SAPs neuester Angriff auf die restliche Datenbank-Hersteller-Welt. Wer künftig HANA einsetzt, kann seine traditionelle Datenbank - von welchem Hersteller auch immer - „hinauskicken“, wünscht sich Snabe. Das soll noch dazu sehr schnell gehen. Bei einem der ersten HANA-Kunden, dem österreichischen Energy-Drink-Hersteller Red Bull, war dies der Fall: „Der Wechsel von der alten Datenbank zu HANA ist in knapp zwei Wochen über die Bühne gegangen“, so Christian Stoxreiter, Head of Business Application bei Red Bull im Gespräch mit % in Madrid und meint weiter „ich habe den Eindruck, dass mit HANA wieder Herz und Engagement
„HANA ist einfach unglaublich“, schwärmt SAP-Technik-Chef Vishal Sikka während seiner Rede auf der Sapphire. Es gehe darum, „aus Innovationen eine massive Vereinfachung der IT-Landschaft zu ermöglichen“, betont er. Mit HANA, der Netweaver-Plattform 7.3, der „River“-Java-Development-Plattform und weiteren Angeboten, würde SAP gute Wege dazu bieten. Das Innovative an HANA ist die sogenannte „In-Memory-Technologie“. Mit ihr müssen zur Datenanalyse keine speziellen Würfel mehr angelegt werden. Die Analyse läuft direkt in HANA ab, was viel Zeit sparen helfen soll. Analysen und Reports sollen so blitzschnell fertiggestellt sein.
Mobility Panel


„Europa hat die Verpflichtung und Chance zur Innovation.“ Jim Hagemann-SNABE Vorstandssprecher SAP
Im hochrangig besetzten Mobility Panel meint Martin Peuker, CIO des Berliner Charité-Hospitals: „Mobilität ist ein Schlüsseltrend im Gesundheitsbereich.“ Die Fähigkeit, „Big Data“ sicher, vollständig und real-time verfügbar zu haben und damit rasch analysieren zu können, werde daher noch viel mehr an Bedeutung gewinnen. Vor allem aufgrund des explosionsartig ansteigenden Datenvolumens: So seien etwa in Zukunft bei Krebspatienten bis zu 20 Terabyte pro Patient realistisch. Die Charité will laut Peuker “Big Data” auf Basis von SAP HANA noch vor Jahresende in real-time verfügbar haben. Raj Nathan, CMO bei Sybase (jetzt ein SAP-Unternehmen), gibt zu bedenken, dass es verschiedene Usergruppen gäbe, Apps müssten daher dementsprechend an deren Bedürfnisse angepasst sein.
David McCue, CEO von CSC, berichtet vom Rollout von SAP mobile APPs für 500 Mitarbeiter im Vertrieb. Die Angestellten dürfen dabei ihre eigenen mobilen Endgeräte verwenden und haben jetzt blitzschnell Zugang zu Daten, Ergebnissen und Analysen. Die Kehrseite der Medaille: Sie wollen Zugang zu noch mehr Daten.
Abgesehen davon ist „Bring your own device“ für die IT auch eine Herausforderung, hat man es doch so mit mehr Betriebssystemen und damit mit mehr Aufwand für Sicherheit und Überwachung zu tun.
Dass auch der Collaboration-Gedanke bei SAP ein wichtiger Faktor ist, hat das Unternehmen Anfang November mit der Übernahme des bisherigen Münchner SAP-Partners Crossgate bewiesen. Crossgate kann als B2B-Network-Provider bezeichnet werden und ermöglicht einen vollkommen automatisierten Daten-Austausch zwischen beteiligten Unternehmen.o