Adobe PageMaker 6.5 Plus ist ein ausgereiftes Seitengestaltungsprogramm, mit dem Unternehmen Broschüren, Rundschreiben und andere Geschäftsdokumente in professioneller Qualität benötigen. Anhand Hunderter professionell vorgestalteter und flexibler Vorlagen, unzähliger Illustrationen sowie Fotos und Schriften kann man mit PageMaker 6.5 Plus komfortabel und schnell zu besten Ergebnissen gelangen, ohne die kreativen Aspekte zu vernachlässigen.
Jede Menge Kreativität inklusive
Mehr als 300 Mustervorlagen sorgen dafür, daß die Produktivität steigt, wenn nicht genügend Zeit oder Kapazität für exzessiv kreative Phasen vorhanden ist. Diese Mustervorlagen wurden in den PageMaker derart integriert, daß sie direkt nach dem Programmstart auftauchen, eingeteilt in 20 Kategorien. Viele dieser Dateien enthalten detaillierte Instruktionen und weiterführende Hinweise, die sich auf einer eigenen Ebene befinden. Zu Beginn der Arbeit mit PageMaker sind diese sehr nützlich, beim Drucken wird die entsprechende Ebene einfach ausgeblendet. Natürlich werden alle Schriften, die in den Gestaltungsvorschlägen Verwendung finden, auf CD-ROM mitgeliefert.
Die Mustervorlagen selbst tragen keine sprechenden Namen, sind jedoch durch das Vorschaubild ungefähr abschätzbar. Mustervorlagen, die mit 1 beginnen, wurden für Layout-Newcomer und für die Ausgabe auf Desktop-Tintenstrahl- oder -Laserdruckern entwickelt. Die 2 am Beginn steht für die Ausgabe auf Farb- oder Laserdruckern oder in Schnelldruckereien, und die Vorlagen, die mit 3 beginnen, sind für Fortgeschrittene und den Weg in den professionellen Druck geplant.
Eine Palette voller Bilder
Ebenfalls neu am PageMaker 6.5 Plus ist die Bilderpalette, die die 5.000 auf der CD-ROM mitgelieferten Grafiken und Fotos beim Layouten zur Verfügung stellen. Unterteilt in 14 Kategorien können auch noch pixel- von vektororientierten Dateien getrennt werden. Nichtsdestotrotz können neue Bilder hinzugefügt, Kategorien verändert und die Größe der Vorschaubilder gewählt werden. Jedes Bild kann individuell beschlagwortet werden, in einem großen Bildarchiv kann es durchaus vorkommen, daß alle vier Kriterien bei einer ausgiebigen Suche genutzt werden.
Die vektororientierten Grafiken liegen in Adobes Illustrator-Format vor und sind somit für den professionellen Einsatz ideal geeignet. Beim Ziehen ins Dokument - sprich Importieren - hat der Anwender die Wahl, im Grafikprogramm definierte Farben in Prozeßfarben zu konvertieren oder als Volltonfarben der Farbpalette hinzuzufügen. Da man in Layoutdateien selten Grafiken oder Bilder speichert, sondern meist die externen Bezüge behält, ist es anzuraten, die ClipArts von der CD-ROM in das Dokumentenverzeichnis zu bringen. Dies gelingt ganz einfach mit Hilfe der "Speichern unter"-Funktion mit angekreuzter Schaltfläche "alle verknüpften Dateien". Ideal, bevor man ein Dokument weiter oder in die Druckerei gibt.
Fast wie Word
Lange hat es gedauert, aber mit dem Plus ist es soweit: Auch der PageMaker kann mit einer Symbolleiste aufwarten. Während sie normalerweise am oberen Rand des Bildschirms klebt, kann sie jedoch auch an die Seiten, nach unten oder in kompakt rechteckiger Form irgendwohin am Bildschirm gezogen werden. Neben den üblichen Knöpfen für Neu, Datei öffnen, Speichern oder Drucken erinnern Schriftgrad vergößern bzw. verkleinern sehr an eine Textverarbeitung. Auch der Feldstecher, der Suchen stilisiert oder Einrücken und Ausrücken sind typische Textfunktionen.
Bei Linie und Füllung merkt man aber doch eindeutig, daß man sich (immer noch) in einem Seitengestaltungsprogramm befindet. Rahmen einstellen, Verknüpfungen aktualisieren oder Positionieren sprechen eine deutliche Sprache. Zwei wichtige Knöpfe sorgen für den Weg in die Druckerei bzw. in die weite Welt. Der Export ins PDF-Format geschieht über das - automatisierte - Drucken in eine PostScript-Datei, die von Adobes Acrobat Distiller analysiert und umgewandelt wird. Dieses Verfahren ist wesentlich besser als der direkte Weg durch Drucken mittels PDF-Writer. Einerseits werden auch im Dokument enthaltene EPS-Dateien korrekt behandelt, andererseits sind die fertigen PDFs wesentlich kleiner. Der andere Exporter mit dem Symbol der Weltkugel erstellt eine HTML-Datei. Nicht besonders clever und mit wesentlichen Einschränkungen, aber immerhin.
Bekannte Highlights
Nachdem Adobe dem PageMaker lange nach der Fusion mit Aldus die vielbemängelte Rahmenlosigkeit beendet hat, ist der PageMaker 6.5 Plus nun ein Zwitter, der jedes Element sowohl direkt auf die Seite kleben als auch in einem Rahmen unterbringen kann. Rahmen gewinnen immer mehr an Gleichberechtigung und werden spätestens in der Version 9 als alleinige Sieger übrigbleiben. Bis dahin will man bestehende Kunden mit ihren bestehenden Arbeitstechniken natürlich nicht verärgern.
Bekannte Features wie die maximal 256 Standardseiten, beliebig viele Ebenen oder die Arbeit mit Formaten und Hilfslinien sind glücklicherweise nicht verschwunden. Sie zeichnen den PageMaker als engen Verwandten der Grafikprogramme aus. Die über die offene Schnittstelle angedockten Fremdprogramme heißen jetzt PlugIns und haben ihre anfängliche Holprigkeit verloren. Mit ihrer Hilfe wird z.B. Venturas "Vertikaler Keil" als Spaltenausgleich nachgebildet. Für wiederkehrende Layout-Knochenarbeit können eigene Scripts geschrieben und aus der Skript-Palette direkt ausgeführt werden. In Gruppen gegliedert, finden sich dort jede Menge kleine, aber praktische Hilfsmittel wie "Gruppe skalieren", die direkt oder als Vorlage für eigene Ideen nützlich sind.
Zugabe
Wenn man den Lieferumfang des neuen PageMaker 6.5 Plus betrachtet, könnte man den Eindruck gewinnen, Adobe würde sich neuerdings an Corel orientieren. Neben hochwertigen PostScript-Schriften und -ClipArts findet sich auch eine Light-Version von Adobes Aushängeschild in der Bildbearbeitung: PhotoShop 5.0. Damit steht nicht nur ein ausgereiftes Werkzeug zur Arbeit mit Bildern zur Verfügung, Adobe zeigt dem Anwender auch, wie leicht es ist, mit jedem anderen Adobe-Programm zu arbeiten, hat man erst einmal eines verstanden.
Zum optimalen Einsatz der Schriften darf natürlich Adobes TypeManager nicht verfehlen. Er liegt in der Standardversion für Windows 9x und in der Light-Version für Windows NT bei. Da am Weg in die Druckerei immer öfter das PDF-Format zum Einsatz kommt, ist auch der Acrobat Distiller in der neuen Version 4.0 im Lieferumfang. Gratisprodukte wie Drucker- und ODBC-Treiber, QuickTime oder Acrobat Reader runden das Paket ab.
Ebenfalls von Adobe, aber nicht als eigenständige Produkte erhältlich, sind Hilfsmittel für Umsteiger. Konvertierungsprogramme sowohl für Microsofts Publisher als auch für Quark XPress sollen den Umstieg möglichst schmerzfrei gestalten. Auf Grund der unterschiedlichen Techniken der Fremdprogramme muß aber jedem Anwender bewußt sein, daß nur selten eine 1:1-Umsetzung möglich ist. Ein gut aufbereitetes PDF-Dokument erklärt dem PageMaker-Frischling geduldig die Unterschiede zu XPress. Während der XPress-Konverter bereits in der Version 3.0 vorliegt und mit den meisten Dokumenten der XPress-Version 3.x Erfolg hat, ist der Microsoft Publisher erst durch den Schwenk Adobes in die Bürorichtung ins Schußfeld geraten. Er kann mit den Versionen 95 und 97 umgehen, was das aber in der Praxis heißt, muß sich noch zeigen. Ich konnte dahingehende Fähigkeiten leider nicht testen, da ich noch nie ernsthaft mit Publisher gearbeitet habe.
Fazit
Ein paar ClipArts und Dokumentvorlagen macht noch kein anderes Programm. Der erste Schritt des PageMaker aus der Grafikecke in die Marketingabteilungen ist zaghaft ausgefallen. Das Adobe-Programm ist bei weitem nicht so einfach zu bedienen wie Microsofts Publisher, der offensichtlich das neue Feindbild darstellt. Andererseits lassen sich mit PageMaker professionelle, reproduzierbare Ergebnisse erhalten. Seien wir also gespannt, ob die Version 7 Assistenten und andere Mechanismen bereithält, die vieles vereinfachen, ohne die guten Grundkonzepte zu untergraben.



1/2012
8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 