Dabei wurden die IT-Markterwartungen für 2011 und 2012 etwas nachjustiert. Grund waren die in letzter Zeit zunehmenden Ängste vor dem Überschwappen der Schuldenproblematik von Westeuropa auf die CEE-Länder. Analysten der Erste Group zufolge seien jedoch bislang kaum Veränderungen bei den Ausgaben im IT-Bereich zu erkennen. Dies spiegle sich auch in einer prognostizierten soliden Erhöhung der IT-Ausgaben 2012 wider.
„Grundsätzlich wird erwartet, dass die Zunahme der IT-Ausgaben in den CEE-Ländern in den kommenden Jahren ungefähr doppelt so hoch sein wird wie deren BIP-Wachstum. Durch diese Entwicklung werden sie gegenüber den vergleichbaren westlichen Ländern aufholen. Es zeigt sich, dass der Konvergenzprozess der EU in den meisten Fällen noch Jahre dauern wird, und dass sich die IT-Nachfrage in der Region in der Folge intensivieren wird. Der Kohäsionsfonds stellt der EU Mittel zur Verfügung, die sowohl für öffentliche IT-Projekte als auch für unternehmensspezifische IT-Investitionen verwendet werden“, erklärt Daniel Lion, CEE Technology Analyst bei Erste Group Research und Autor des Berichts.
Als Gegenpol zum wichtigsten Fundamentaltreiber – dem Konvergenzprozess der EU – hätten sich verschiedene Markttrends entwickelt, die das IT-Wachstum auch in einer negativen Umgebung unterstützen sollen. Dabei seien Mobilisierung und Flexibilität die Triebfedern der Trends und gingen Hand in Hand mit niedrigeren Kosten und erhöhter Flexibilität, so Lion.
„Wir müssen zwischen den Wachstumstreibern des IT-Sektors in CEE differenzieren – nämlich den fundamentalen Treibern auf der einen und den trendbezogenen Treibern auf der anderen Seite. Die Konvergenz als wichtigster Fundamentaltreiber wird dazu beitragen, dass die Unternehmen in CEE und der öffentliche Sektor ihre IT-Ausgaben schrittweise erhöhen werden. Diese Investitionen werden durch die von der EU bereitgestellten Mittel vorangetrieben werden. Zu den trendbasierten Wachstumstreibern zählen Cloud Computing und die Notwendigkeit von Effizienzsteigerungen und der Erhöhung der betrieblichen und strategischen Exzellenz. Die exponentielle Erhöhung der Datenmengen kurbelt die Nachfrage nach schnelleren mobilen Kommunikationsnetzen an. Allgemein starke Bilanzen (niedrige Schulden/überschüssige Liquidität) und die Notwendigkeit, die Marktposition in einer sich schnell verändernden, technologisch dynamischen Umgebung zu verbessern, werden die M&A-Aktivitäten vorantreiben“, erläutert der Erste Group-Spezialist.
Wachstumstreiber Nummer Eins sei Cloud Computing. Dieses Thema werde 2012 besonders für KMU und Start-Ups im CEE-Raum zunehmend wichtig. Die Vorteile von Cloud Computing seien „angesichts der Tatsache, dass die Initialkosten wegfallen, besonders für kleine und mittelständische Unternehmen sowie Start-Ups attraktiv“. Außerdem würde Pay-per-use Zugang zu Lösungen bieten, die im Rahmen eines Lizenzvertrags kaum nachgefragt würden, aber durch das neue Konzept aus Kostensicht attraktiver werden. Zudem könnten die Kosten für IT-Personal signifikant gesenkt werden. Da KMU das wirtschaftliche Rückgrat der Region Zentral- und Osteuropa bilden würden, geht der Analyst von hohen Akzeptanzraten für Cloud Services in CEE aus.
Der zweite große Wachstumstreiber sei der Umstand, dass Mobilkommunikationsnetze sich zwingend dynamisch entwickeln würden. „Die Erweiterung der Mobilkommunikationsnetze geht Hand in Hand mit dem Wachstum von Smartphones, Tablets und internetbasierten Anwendungen wie Cloud Computing, Machine-to-machine-Kommunikation, Video-Streaming oder Daten- und Sprachkommunikation“, betont Lion. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht über mobilen Datenverkehr zeige, dass die globale Mobilfunkdurchdringung bei 82 Prozent (oder 5,8 Mrd. Benutzern) liege. Dabei beginne das zu erwartende exponentielle Wachstum von mobilen Datenvolumen erst. Auch die Effizienzsteigerung und Erhöhung der betrieblichen und strategischen Exzellenz sei ein wichtiger Wachstumstreiber, ebenso wie die EU-Förderung öffentlicher IT-Projekte.



1/2012
8/2011
7/2011


Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 