So würden sich Geräte zunehmend dem Anwender anpassen. Noch vor gar nicht langer Zeit waren Tritsch zufolge Benutzer in einer starren Struktur gefangen, die ihnen durch das Betriebssystem und die Launen des Administrators vorgegeben war. In der modernen, flexiblen Arbeitswelt allerdings müssten sich die Geräte dem Anwender anpassen – „nicht umgekehrt“.
Dabei gehe es nicht nur darum, dass sich Nutzer den Desktop nach eigenen Wünschen gestalten können, sondern auch um den Zugriff auf die Applikationen, die für die Arbeit nötig sind. Diese müssten ohne administrativen Aufwand auch dann zur Verfügung stehen, wenn die Arbeit auf fremden Geräten, Bring-your-own-Device-Rechnern oder frisch installierten Windows-7-Systemen verrichtet werden soll. Damit sei User Virtualization eine weitere Form der Virtualisierung. Es gehe dabei vor allem um die Individualität, die jedem Anwender mit seinem Computer zugestanden werden sollte.
Ein weiterer Trend sei, dass Virtualisierung im Unternehmensalltag angekommen sei, betont Tritsch. Das Thema Virtualisierung bewege nach wie vor die IT. „Während die einen darunter alten Wein in neuen Schläuchen verstehen und die Technologie rigoros ablehnen, nutzen andere deren neue Möglichkeiten durchaus mit Erfolg.“ Zudem gebe es aber noch eine weitere Gruppe an Unternehmen, die nach ersten vielversprechenden Experimenten Teile ihrer Infrastruktur wieder in klassische Modelle überführen würden. „Damit bewahrheitet sich, was viele Experten vorhergesehen haben: Mischformen dominieren langfristig den Markt.“ Dabei würden zugleich unterschiedliche Geräte mit jeweils eigenen Betriebssystemen nicht länger als Bedrohung wahrgenommen. „Beste Zeiten also für User Virtualization – eine Technologie, die die Vorteile beider Welten vereint.“
Als dritten Trend sieht Tritsch den Bedeutungsverlust des Desktop zugunsten von Anwendungen. In der modernen Arbeitswelt zerfalle die Einheit von Gerät und Anwendung zusehends. Immer mehr Programme seien auf einer Vielzahl an Plattformen zuhause, die von den Anwendern im Wechselbetrieb genutzt würden. Damit verändere sich aber die grundlegende Arbeitsweise vieler Administratoren, die in der Vergangenheit hauptsächlich mit der Verwaltung von Geräten befasst waren. „In der App-zentrischen Welt allerdings kommt diese Methodik an ihre Grenzen. Auch hier hilft User Virtualization als eine effiziente Methode, um den spezifischen Anforderungen eines jeden Nutzers von Gerät zu Gerät entgegenzukommen.“ Die Grenzen zwischen Gerät und Anwender würden verschwinden, zeigt sich Tritsch sicher.
In Zeiten von iPhone und Android-Smartphones würden immer mehr Mitarbeiter ihr „Lieblings-Gadget“ auch im Unternehmen einsetzen wollen. Firmen, die Technik-affine Potenzialträger nicht verschrecken wollen würden, seien deshalb gut beraten, sich dieser Situation anzupassen und Sicherheitsrichtlinien um entsprechende Punkte zu erweitern. Schließlich seien nicht mehr nur die „Computerfans“ die Treiber dieser Entwicklung. „Die Erfahrung zeigt, dass zunehmend auch die Technik-routinierte Normal-Belegschaft eine entsprechend aufbereitete Arbeitsumgebung erwartet und einfordert.“
Die Zeiten, in denen die Mehrzahl von Unternehmensmitarbeitern Berührungsängste mit modernen Computerkonzepten hatte, seien längst vorbei. Stattdessen hätten viele Firmen mit Bring-your-own-device-Konzepten gute Erfahrungen gemacht und müssten im Gegenzug aber eine Vielzahl unterschiedlicher Geräte akzeptieren. „Unternehmen können sich dagegen kaum wehren. Eine allzu restriktive Policy würde ohnehin durch die Mitarbeiter ausgehebelt. Schon in klassischen Umgebungen nutzen die Anwender alle Tricks, um auf für sie wichtige Funktionen problemlos zugreifen zu können“, unterstreicht Tritsch abschließend.



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8/2011
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Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 