Unter 125 Ländern liegt Österreich dem Global Innovation Index 2011 zufolge auf Platz 19, was die Innovationskraft betrifft. Dieses relativ hohe Innovationspotenzial ist im Vergleich aber international schlecht kommuniziert. Zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion auf dem 10. Internationalen Forum für Wirtschaftskommunikation.
Im Rahmen der Veranstaltung rief Rudolf J. Melzer, Präsident des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK), dazu auf, nicht nur das noch schlummernde Potenzial durch geeignete bildungs- und wirtschaftspolitische Maßnahmen besser zu fördern, sondern die bereits realisierten Innovationen selbstbewusster in die Welt hinauszutragen. „Regionen wie Silicon Valley oder auch Baden-Württemberg beweisen, dass es immer auch eines gewissen Spirits bedarf, um Ideen als Innovation zum Fliegen zu bringen.“
Wilfried Sihn, Geschäftsführer Fraunhofer Austria Research und Vorstand des Instituts für Managementwissenschaften der TU Wien, zeigte sich in seiner Analyse vor dem IFWK überzeugt, dass Unternehmen einerseits methodengestützte Strukturen aufbauen müssen, um gezielt Innovationen zu generieren und andererseits ein Bewusstsein hinsichtlich zukünftiger Trends als Grundlage erfolgreicher Innovationen schaffen müssen. „Die Unternehmen, die als besonders ‚innovativ’ wahrgenommen werden, sind nicht zwangsläufig diejenigen, die das höchste F&E-Budget aufweisen. Entscheidend sind eine strategische Ausrichtung und eine Unternehmenskultur, die die Innovationskraft unterstützt, sprich Raum für Innovationen gibt“, erklärt Sihn. Der Fachmann erläuterte unter anderem am Beispiel Google, wie mit Hilfe von flexiblen Arbeitszeitmodellen, der gezielten Einführung von „Home Office“ in Entwicklungsbereichen und kreativer Arbeitsplatzgestaltung effizientere Innovationsprozesse erzielt werden können. Grundsätzlich gehe einer guten Innovationsstrategie die Abstimmung von Ressourcen, Prozessen, Kultur und Organisation voraus.
Martin Mai, seines Zeichens Österreich-Geschäftsführer beim IT-Beratungshaus Cirquent NTT Data, sieht die Lösung im gezielten Ideen-Magagement und erläuterte am Beispiel BMW den Wert einer Innovations-Community. „Von den weltweit über 80.000 BMW-Mitarbeitern sind circa 3.000 Teil solch einer Community. Diese basiert darauf, dass man als Avatar auf einer Plattform namens ‚RedSquare’ seine Ideen eingibt und diese von der Community bewerten, kommentieren und weiterentwickeln lässt. Damit wurde beispielsweise der Elektro-Miniroller höchst erfolgreich auf den Markt gebracht“, betont Mai. Differenzierung am Markt könne nur durch Innovationen erreicht werden. „Ein gezieltes Ideen-Management ist die notwendige Basis und bietet den entsprechenden Raum für Innovationen. Jeder neue BMW wird ab 2012 eine SIM-Karte integriert haben, Bezahlungsmöglichkeiten im Sinne von ‚Mobile Payment’ und ‚Mobile Wallet’ oder Car-to-Car- beziehungsweise Car-to-Infrastruktur-Kommunikation – die Kommunikation zeichnet sich generell durch eine hohe Penetration von Smartphones aus“.
„Die Nachfrage nach neuen Lösungen und die Entwicklung von neuen Lösungen, entwickeln sich nicht immer parallel beziehungsweise im gleichen Tempo. Die Kunst, Innovationen wirtschaftlich erfolgreich umzusetzen liegt in der Synchronisation dieser beiden Entwicklungsströme“, unterstreicht Sabine Fleischmann, ehemalige Sun-Chefin und ab Dezember Leiterin der Software Group bei IBM Österreich. Sie sieht das „Timing“ als einen der wichtigsten Faktoren. „Ich glaube auch, dass man unterschiedliche Talente für die Entwicklung von Innovation und für das Erkennen der zukünftigen Bedürfnisse braucht - sogenannte ‚Market Opportunities’ – für diese Innovationen“. Innovation bringe „immer“ etwas Neues, Veränderungen etwa brächten Aufwand und Kosten mit sich und würden einen gewissen Unsicherheitsfaktor inne haben. „Das sind häufig Gründe für Veränderungsresistenz und damit für eine reservierte Haltung vieler Organisationen gegenüber Innovation in der Anwendung“.
Es seien vor allem die einzelnen Menschen, die eine Innovation ausmachen, bekräftigte Melzer. Trotz Euro- beziehungsweise Finanzkrise appellierte er an das Selbstbewusstsein der „großen Töchter und Söhne Österreichs“, an die Innovationskraft der österreichischen Realwirtschaft zu glauben.



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