MONITOR: Wie sehen Sie nach knapp zwei Jahren Arbeit, auch rückblickend, den Status bei ELGA?
Herbek: Bekanntlich sind in der geltenden Art.15a-Vereinbarung für das Gesundheitswesen für die erste Umsetzungsphase 30 Mio. Euro vorgesehen. Weiters warten wir derzeit auf die Einführung des ELGA-Gesetzes. Das Gesetz ist im Februar zur Begutachtung gegangen, es gab dazu auch sehr kritische Meinungen, nachzulesen etwa auf der Parlaments-Website. Ich hoffe sehr, dass das ELGA-Gesetz bis Jahresende verabschiedet wird. Erst dann können wir das Berechtigungssystem beauftragen. Betreff der Kosten der ELGA GmbH kann ich Ihnen einen Rahmen geben: Die ELGA GmbH beschäftigt derzeit 20 Mitarbeiter, wir sind zentrale Koordinationsstelle, kümmern uns um die ELGA- Architektur, um die Errichtung von Standards und das Programm-Management.
MONITOR: Wo sind die Daten künftig dann gespeichert?
Herbek: Die Daten der Patienten bleiben beim Ersteller, das heißt, die Dokumente können bei einer oder mehreren Gesundheitseinrichtungen und Gesundheitsdiensteanbietern (GDA) gespeichert sein, prinzipiell dort, wo sie anfallen. Eine Patienten-Summary ist gegenwärtig nicht vorgesehen, sondern eine Vernetzung bzw. ein System, das nachschaut, wo bei allen angeschlossenen GDAs Daten zu einer bestimmten Person vorhanden sind. Das funktioniert wie eine große gezielte Suchmaschine. Der Suchende erhält Links zu den einzelnen Dokumenten. Alle teilnehmenden GDAs werden ein ELGA-Modul verwenden, für Patienten erfolgt der Einstieg über ein Patientenportal. Wenn das Gesetz jetzt im Herbst kommt, halte ich 2013 als Fertigstellungstermin für den Patientenzugang zur Bekanntgabe von Willenskundgebungen für realistisch.
MONITOR: Die Ärztekammer hat gegen das Pilotprojekt E-Medikation Beschwerde eingelegt, das Projekt wurde somit im Sommer praktisch gestoppt. Warum?
Herbek: Die Vorbehalte der Ärztekammer waren vor allem rechtlicher Natur. Auch betreff der Implementierung der Software gab es Unstimmigkeiten. Ich bin aber hoffnungsfroh, dass das Projekt jetzt wieder in Gang kommt (vgl. Kasten). Vor dem Stopp hatten wir 6.500 Patienten dabei.
MONITOR: Insgesamt hat man den Eindruck, ELGA schreitet nur sehr zäh voran.
Herbek: ELGA ist ein sehr komplexes Projekt, auch ein politisch viel diskutiertes Thema. Das geht nicht mit einem „Big ang“. Hier gilt es, komplexe Software- Pilotprojekte zu entwickeln. Alle Bundesländer mit allen Krankenhäusern müssen berücksichtigt werden, die Krankenanstalten haben auch ihre eigenen Rechenzentren. Und jetzt warten wir wie gesagt auf das ELGA-Gesetz, auch hinsichtlich des Spannungsfelds Datenschutz. Dann können wir noch zügiger weiterarbeiten.
MONITOR: Welche Wünsche haben Sie für die nächste Zukunft?
Herbek: Ich wünsche mir durchaus eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, das tut der Sache insgesamt gut. Die Angst vor Kontrolle bei den Ärzten ist jedenfalls unbegründet. ELGA ist ein Unterstützungsinstrumentarium, es geht insgesamt um das Patientenwohl. Und der Patient ist mündig und kann selbst entscheiden: Wer ELGA nicht will, kann das künftig im Berechtigungssystem selbst für sich festlegen.




1/2012
8/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 