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Business

Telekom-Anbieter im Kampf um den KMU-Markt

Die Schlacht um König Kunde

KMU können jetzt vom Wettbewerb und günstigen Angeboten profitieren. Denn dieser Markt gilt als DER Hoffnungsträger aller heimischen Telekom-Anbieter und ist entsprechend heiß umkämpft.Und die Bedingungen werden härter, denn echte Newcomer sind rar..

 Mobilität, komplexe All-In-Angebote der Telekom-Dienste-Anbieter, Cloud Computing und Social Media - das scheinen die Trends 2011 zu sein, die den heimischen Telekom-Markt bestimmen. Allerdings heißt es, am Boden der Realität zu bleiben. Im KMU-Land Österreich gibt es derzeit rund 440.000 KMU, das sind 99,8 Prozent aller Unternehmen. Davon hat immerhin jedes zehnte (!) nach wie vor keinen ­Internet-Zugang, heißt es im jüngsten Austrian Internet Monitor Business (AIM Business), herausgegeben von der Integral Marktforschung. 

Der Trend zur Mobilität zeigt sich  eindrucksvoll bereits bei der Hardware-Nutzung. PCs und mobile Hardware (Notebook, Tablets) liegen gleichauf mit 72 % Nutzungsanteil. (vgl. Grafik 1) Insbesondere bei den Ein-Personen-Unternehmen hat die Laptop- und Tablet-Nutzung mit 68 %  bereits deutlich den PC überholt (57 Prozent). Großer Beliebtheit erfreut sich der mobile Hardware-Begleiter auch bei den KMU. In der Kategorie 20 bis 49 Mitarbeiter haben bereits 87 % auch Laptops bzw. Tablets im Einsatz. Das bedeutet, annähernd neun von zehn Unternehmen setzen bereits auf ­Mobilität. Die mobile Kommunikation nimmt in allen abgefragten Bereichen zu: Versenden von SMS, Schicken oder Abrufen von E-Mails, Surfen im Web sowie Zugriff auf Dateien im Unternehmensnetzwerk unter Beanspruchung eines Mobilnetzes (vgl. Grafik nächste Seite).

Webauftritt wird wichtiger

„Umfragen unter KMU zeigen, dass sie sich auch sehr um die Sicherheit ihrer Daten sorgen.“ Christian Bauer A1

„Nach wie vor im Trend liegt die zunehmend bessere Ausstattung mit mobilen Internetzugängen. Zum langfristigen Trend, Notebooks mit Internetanbindung auszustatten, kommt nun die deutlich stärkere Nutzung von Smartphones und Black­Berrys“, sagt Integral-Marktforscherin ­Sandra Cerny. Sie verweist allerdings auf einen Aufholbedarf in puncto IT- und Internetsicherheit. Hier gibt es - vor allem auch durch den Einsatz mobiler Endgeräte - noch viel zu tun. Langsam an Bedeutung gewinnt der Webauftritt für die Unternehmen. Gut jede zweite Company österreichweit (55 %) betreibt eine eigene Website mit eigener Domain; das ist ein Plus von 

2 % gegenüber dem Vorjahr. Je mehr Mitarbeiter ein Unternehmen hat, desto selbstverständlicher ist auch die eigene Website. Bereits bei KMU mit bis zu 20 Mitarbeitern haben zwei Drittel eine Webpräsenz. Vor allem auch die sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter und Google+ sorgen für einen Schub bei den Webauftritten: „Social Media ist in Unternehmen ein viel diskutiertes Thema, da man vor der Entscheidung steht, ob und in welcher Form diese Dynamik genutzt werden soll. Immerhin ein Fünftel der Unternehmen mit Web-Präsenz hat auf der eigenen Website eine Verlinkung zu Facebook & Co eingerichtet“, weiß Sandra Cerny. (Siehe dazu „Durchhalten bringt Erfolg im sozialen Netz“ auf Seite 44)

Geschwindigkeit gefragt

Bei allen Telekom-Services zählt eines immer mehr: Schnelligkeit. Egal ob beim ­Mailen, Surfen, Reagieren auf Kundenanfragen, Abrufen von Dokumenten aus dem Unternehmensnetzwerk, Erstellen und Abrufen von Reports - das Business-Leben wird rasanter. Darauf reagieren auch die Anbieter. Bei den Mobilfunkern heißt das Zauberwort LTE (Long Term Evolution, s. Kasten 1 und 2). Angebote dazu gibt es derzeit von A1 und T-Mobile, während die beiden kleineren Anbieter Orange und 3 vorerst noch abwarten. Derzeit  lässt die Netzabdeckung allerdings zu wünschen übrig. Wichtig ist es daher, die Versorgungskarten der Anbieter zu beachten. 

Bitte warten: Drei-Ceo Jan Trionow will 2012 im Business-­Bereich neu durchstarten Jan Trionow Drei

Viele KMU sind von der Fülle an Angeboten und der zunehmenden Komplexität im IT-Bereich überfordert. „Telekommunikation und IT wachsen immer mehr zusammen. Gleichzeitig nimmt die Anzahl der Möglichkeiten in jedem Bereich, wie z. B. Endgeräte, Webauftritte, Apps etc. weiter zu. Insofern sehen sich Unternehmer dem Problem der schnell wachsenden Komplexität bei gleichzeitig immer geringer werdenden Budgets gegenüber“, betont auch Stefan Gubi, Geschäftsführer Vertrieb & Service bei T-Mobile. Der rosa Telekom-Anbieter hat daher Ende Mai die KMU-Lösung „Business Complete“ eingeführt. Sie umfasst Mobiltelefonie, Festnetznummer, Internet, Website plus Domain und Business-Mailboxen. Ebenfalls inkludiert sind auf Wunsch Smartphones, Tablets oder Notebooks sowie ein Tool zur Website-Erstellung. „Business Complete“ in der einfachsten Version ist ab 28 Euro monatlich zu haben. „Im Mittelstand ist unser Bestseller die Business-Sprachbox“, sagt Gubi. Damit erhält jeder Mitarbeiter des Unternehmens eine einheitlich gestaltete, der Corporate Identity angepasste Ansage auf seiner Mailbox bzw. kann sie aktuell jederzeit von einer Online-Plattform downloaden. (zwei Euro monatlich pro Anschluss). Bene, Manner und Raiffeisen St. Pölten haben das Service nach einem Test jetzt integriert, heißt es von T-Mobile.

Festnetzersatz von Orange

„Unser Differenzierungsmerkmal im KMU-Segment ist die mobile Nebenstellenanlage“, betont Andreas Lenz, Vertriebsleiter bei Orange. Heuer im Februar wurde ein Relaunch der bereits vor sechs Jahren eingeführten Lösung durchgeführt. „Der Kunde kann jetzt erstmals die Vorzüge einer klassischen Telefonanlage erweitert um den Funktionsumfang der Mobiltelefone nutzen und das bei einfachster Bedienbarkeit“, ist Lenz begeistert. So sei es tatsächlich möglich „das mobile Büro zu leben“. Ein Plus ist die einfach zu bedienende Selbstverwaltung der Nebenstellenanlage, die der Kunde nutzen kann aber nicht muss.

Die „Mobile Nebenstellenanlage“ findet quer durch alle Branchen Anklang. In der Gastronomie (Greber Gastronomie, Kolarik - Luftburg), beim Personalleasing ( z.B. Transfer Planconsult), bei Zeitungen (z. B. Kleine Zeitung, Regionalmedien), Internet-Service-Anbietern wie Willhaben oder zahlreichen kleineren und größeren Handwerksbetrieben (z. B. Floor and More, Tischlerei Krümböck). „Auch zahlreiche Gemeinden nutzen die Vorteile von Mobilität und Flexibilität“, erzählt Lenz. Neben dem Festnetzersatz sind im Business-Bereich natürlich Datenlösungen gefragt. Die Angebotspalette reicht hier von mobilem Internet über Mobile-Office- Lösungen bis hin zu M2M-Lösungen (Machine-to-Machine) der verschiedensten Art wie Flottenlösungen (Kunde: Haller Mobil), Gerätesteuerung (Kunde: Karl ­Automatenservice), Geräteauslese (Kunde: Digibon). „Auch Standortvernetzung über das 3G-Datennetz mit eigenem APN ­(Access Point Name) und einem eigenen VPN- Daten-Netzwerk nutzen unsere Kunden, etwa die Firma Wedl“, berichtet Lenz.

Als wesentliche Trends für den KMU-Bereich nennt Lenz neben dem Festnetzersatz vor allem ­Roaminglösungen sowie ganz allgemein Prozessoptimierungen durch Smartphones/Tablets. Bei Schrack etwa wurde der Bestellprozess mobil gemacht.

Wenig gibt es vom kleinsten Anbieter ‚3‘ zu berichten. „Wir stellen die Angebote zurzeit komplett um, da wir 2012 einen kompletten Business-Relaunch starten werden“, sagt Unternehmenssprecherin Marietheres Paul auf Monitor-Anfrage kurz und knapp.

Cloud Computing und ­Unified Communications

„Im Mittelstand ist unser Bestseller die Business-Sprachbox.“ Stefan Gubi T-Mobile

Umso mehr hat der größte und absolut führende Anbieter im Business-Bereich, A1, zu vermelden, der natürlich davon profitiert, Festnetz und Mobilfunk in einem Haus (und jetzt auch unter einer Marke) zu vereinen. Ähnlich wie T-Mobile wird für KMU auf ein Komplettpaket gesetzt: Die „A1 Business Kombi“ beinhaltet Breitband-Internet, Festnetz und Mobiltelefonie. Bis Ende Dezember ist zudem ein Samsung Business Laptop im Preis mit inbegriffen. 

Generell sieht Christian Bauer, Bereichsleiter Business Marketing bei A1, zwei große Trends im KMU-Bereich: einerseits selektives Outsourcing von IKT-Dienstleistungen (Cloud Computing, Software as a Service) und zweitens Unified Communications, die Bündelung von Kommunikationskanälen und ihre Verschmelzung mit prozessorientierten Anwendungen. „Diese Konvergenz aus Telekommunikation mit IT-Anwendungen wird in jüngster Zeit auch für kleinere und mittlere Unternehmen zunehmend interessanter, insbesondere durch die Möglichkeit, diese integrierte Dienstleistung exakt nach gegebenen Anforderungsprofilen skaliert als Service zu beziehen“, meint Bauer. Die Vorteile: Die gehostete Unified-Communications-Lösung erfordert nur geringe Anfangsinvestitionen, und die laufenden Kosten lassen sich sehr transparent darstellen. „Umfragen unter KMU zeigen, dass sie sich auch sehr um die Sicherheit ihrer Daten sorgen. Wir werden darauf im Herbst mit der „A1 Austria Cloud“ reagieren und garantieren, Daten nur in unseren Hochsicherheits-Rechenzentren in Österreich zu speichern“, betont Bauer. Eines der Kern-Angebote der A1 Austria Cloud wird Office 365 von Microsoft sein. Office 365 umfasst die Desktop-Applikationen von Microsoft Office 2010 sowie die ­Microsoft-Lösungen für Kommunikation und Zusammenarbeit (Exchange Online, SharePoint ­Online und Lync Online).

Alle vier Anbieter (A1, T-Mobile, Orange, 3) haben neben ihren Produkten und Services natürlich auch entsprechende Business-Hardware im Angebot. Derzeit kommen die neuesten Herbst-Angebote gerade auf den Markt bzw. werden erst präsentiert (s. Monitor-Überblick zum heimischen Smartphone- und Tablet-Angebot).

Alternative: KMU im Visier

„Unser Differenzierungs- merkmal im KMU-Segment ist die mobile Neben- stellen- anlage.“ Andreas Lenz Orange

Tele2 startet im Herbst eine große KMU-Offensive, es wird auch mehr KMU-Berater und eine eigene KMU-Hotline geben. „Der Umstieg auf IP-basierende Telefonlösungen und die Integration in bestehende IT-Netzwerke werden sowohl von kleinen als auch von mittleren Unternehmen stark nachgefragt. Flexibel skalierbare Telefonanlagen und ebensolche Tarifmodelle werden immer wichtiger“, glaubt Tele2-CEO Alfred Pufitsch.

Tele2 will die erste komplett ­gehostete Telefonanlage für den Massenmarkt präsentieren. Dabei soll netzbasierte Telefonie inklusive Telefonanlage mit einem leistungsfähigen Internetzugang kombiniert werden. Der Ankauf, die Installation und die Wartung von teuren Telefon­anlagen sollen damit für KMU entfallen. 

Außerdem setzt Tele2 auf Hosting und Vernetzung: In knapp sechs Wochen wurde etwa das gesamte österreichische Filialnetz von Repa Copy (35 Standorte) mit MPLS-Technologie inklusive UMTS-Backup vernetzt. Zusätzlich erhielt RepaCopy eine wegeredundante Glasfaseranbindung der Firmenzentrale.

UPC hat VPS

Tele2 hat das Filialnetz von Repa Copy in sechs Wochen vernetzt

Schwerpunkte bei Konkurrent UPC sind Telefonie, Internet-Anbindung und Hosted Services. Erst heuer eingeführt wurde das Angebot „Virtual Private Server“ (VPS). In den UPC-Datacentern stehen Server zur Verfügung, deren Ressourcen auf mehrere Kunden (mittels einer Virtualisierungssoftware) aufgeteilt werden. Zusätzlich wird dem Kunden auch das Betriebssystem zur Verfügung gestellt. „Der Kunde hat vollen Zugriff auf seinen VPS (wie bei einem in den eigenen Räumlichkeiten stehenden Server), kann Daten, Bilder, seine Homepage und Applikationen auf seinem persönlichen „virtuellen“ Server verwalten, und das ganz bequem über ein eigenes Power Panel“, schildert Martin Krejca, Leiter Produktmanagement bei UPC. Außerdem wird von UPC (wie von A1) auch das ­Microsoft-Cloud-Service unter dem Namen „Fiber Powered Office 365“ angeboten. Im Herbst wird es zwar keine neuen Produkte, dafür aber Angebote, „vor allem für VPS, Fiber Powered Office 365 und Fiber Power 100/10 geben“, so Krejca.

Produkte und Dienstleistungen sind das eine, der kleine Wiener ­Internet Business Provider Silver Server, seit 1994 am Markt, punktet auch mit guter Betreuung: „Auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden einzugehen ist ein USP von Silver Server und wird zukünftig noch stärker in den Produkten umgesetzt werden“, sagt Silver-Server-Chef Oskar Obereder. Angeboten werden neben Internet-Anbindung, Netzwerk-Lösungen, Hosting und Housing auch Security-Lösungen. Zu den Kunden zählen etwa der Manstein Verlag, die Österreich Werbung, die Casinos Austria, die österreichischen Ärztekammer und viele mehr. Für den Herbst sind neue Kombipakete geplant.

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MONITOR-Autoren
Alexandra Riegler

Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. ..mehr..

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