Forschung, Innovation und Entwicklung sind das Rückgrat einer gesunden wirtschaftlichen Weiterentwicklung, aber auch wichtig für die Gesellschaft selbst. Daher ist es wichtig, auch in Zeiten der Krise in Wissenschaft und Forschung mehr denn je zu investieren. Bereits im Frühjahr hat die Bundesregierung mit der Verabschiedung der neuen Strategie für „Forschung, Technologie und Innovation“ ein klares Zeichen gesetzt.
Darin heißt es klipp und klar: Österreichs Ziel ist es, von der Gruppe der „Innovation Follower“ in die Gruppe der „Innovation Leader“ vorzustoßen und damit zu den innovativsten Ländern der Europäischen Union zu zählen.
„Österreichs Forschungssystem braucht eine Vision, und dazu die handfesten, praktischen Maßnahmen, wie man sie verwirklicht“, so Infrastrukturministerin Doris Bures. „Ganz kurz zusammengefasst: Wir können aus jedem Förder-Euro noch mehr herausholen, indem wir die Struktur, Organisation, Zusammenarbeit verbessern.“
Mit der FTI-Strategie ist diese Vision festgelegt. Bures erwartet sich jetzt einen Anstieg der Forschungsquote von derzeit 2,76 auf 3,76 % im Jahr 2020. Die Ministerin will allerdings auch mehr Investitionen von privater Seite: „Wesentlich ist eine noch stärkere Beteiligung der Wirtschaft, mit dem Zielwert von einem Drittel öffentlich und zwei Dritteln privat bei den Mitteln für Forschung und Entwicklung“. Heuer investiert das Infrastrukturministerium (BMVIT) für angewandte Forschung insgesamt 420 Mio. Euro, um 20 Mio. mehr als im Vorjahr.
Mehr Forschung in der Wirtschaft

„Österreichs Forschungssystem braucht eine Vision und dazu die handfesten, praktischen Maßnahmen, wie man sie verwirklicht.“ Doris Bures Infrastruktur- ministerin
Bures hob die überaus gute Zusammenarbeit mit der Wirtschaft hervor. Elf große Forschungsunternehmen haben die Deklaration „Innovationsland Österreich“ unterzeichnet und sind damit eine freiwillige Selbstverpflichtung eingegangen, in den nächsten vier Jahren ihre Forschungsausgaben um 20 % zu erhöhen. Weitere Unternehmen seien nun eingeladen, diesem Beispiel zu folgen, appellierte die Ministerin an die rund 600 Besucher des Forums.
Politik, Wissenschaft und Wirtschaft legten beim FFG-Forum ein klares Bekenntnis zum Forschungsstandort Österreich ab. So müssten Rahmenbedingungen weiter optimiert und effektive Anreize gesetzt werden. Das Zauberwort lautet „Hebelwirkung“: Mit gezielten Förderungen wird das Forschungsrisiko verringert, die Finanzierung von Projekten erleichtert und Innovationen können rascher in marktfähige Produkte und Dienstleistungen umgesetzt werden.
Studien zeigen, dass das eine unverzichtbare Unterstützung für innovative Unternehmen darstellt: Ein Großteil der Projekte könnte ohne Förderung nicht oder nur in einem eingeschränkten Ausmaß durchgeführt werden.
„Wir haben gezielt Förderschwerpunkte gesetzt, um größtmögliche Wirkung zu erzielen. Damit haben wir allein in den vergangenen drei Jahren rund 60.000 Arbeitsplätze geschaffen oder längerfristig gesichert. Dazu kommen noch 5.600 hochwertige Forschungsarbeitsplätze, die mithilfe der Projekte des BMVIT direkt in den Kompetenzzentren an den Universitäten oder in den Unternehmen geschaffen werden“, so Bures.
Kleine Unternehmen im Fokus
Dabei kommt gerade den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) eine besondere Bedeutung zu. Für sie wurde in den letzten Jahren eine Reihe von speziellen Unterstützungsmaßnahmen, wie etwa der Innovationsscheck, entwickelt, die sich durch ein vereinfachtes Verfahren und besonders rasche Entscheidungswege auszeichnen. „Mit unserem Innovationsscheck, den wir gerade auf 10.000 Euro aufgestockt haben, setzen wir einen starken Impuls, um noch mehr Klein- und Mittelbetriebe mit Forschung und Entwicklung in Verbindung zu bringen“, sagte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner. Mit dem KMU-Paket wurde in den letzten Monaten noch ein weiterer wichtiger Impuls gesetzt, so Infrastrukturministerin Doris Bures.
Unternehmen, die in Forschung und Entwicklung investieren, haben die Wirtschaftskrise gut bewältigt und stehen jetzt besser da als vor der Krise: Das zeigt eine aktuelle Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO). Demnach hatten forschungsintensive Unternehmen während der Krise geringere Umsatz- und Beschäftigungsverluste und, anders als die Gesamtwirtschaft, bereits 2010 mehr Mitarbeiter als vor der Krise.
Dieser Befund gilt sowohl für die Sachgütererzeugung als auch für den Dienstleistungssektor. Und: Mit den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) steigt auch die Exportquote der Unternehmen.
FIT-IT: Schwerpunkt Security

„Mit unserem Innovationsscheck setzen wir einen starken Impuls, um noch mehr KMU mit Forschung und Entwicklung in Verbindung zu bringen.“ Reinhold Mitterlehner Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend
Für die neue Ausschreibung gilt generell: Es geht um die Entwicklung und Sicherheit von komplexen IKT-gestützten Systemen. Aktuelle Ereignisse wie der Stuxnet-Virus, groß angelegter Datendiebstahl aus Online-Netzwerken oder der Einsatz von Videoüberwachung bei der Eindämmung von Massenplünderungen in Großbritannien zeigen, wie wichtig es ist, sich kontinuierlich mit dem Thema Sicherheit komplexer IKT-gestützter Systeme auseinanderzusetzen. Es liegt klar auf der Hand, dass gerade im Bereich Sicherheit der technische Fortschritt und Innovationen absolut notwendig sind und daher neue Architekturen und Basistechnologien zu entwickeln sind.
Im Zuge der neuen FTI (Forschung, Technologie und Innovation)-Initiative „Intelligente Produktion“ www.ffg.at/produktion werden zudem zentrale Fragestellungen der sachgütererzeugenden Industrie im Rahmen innovativer FTE-Projekte gefördert, mit dem Ziel konkurrenzfähige Produkte herzustellen und Produktivitätssteigerung für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erzielen. Security gilt auch hier quasi als „Querschnittsmaterie“.
Bei der ersten Ausschreibung 2011, die Anfang September zu Ende ging, wurden 115 Projekte mit 300 Partnern, davon 166 Unternehmen, eingereicht. Das Förderbudget für diese erste Ausschreibung beläuft sich auf 14 Mio. Euro. Außerdem gibt es im Bereich Security das österreichische Sicherheitsforschungsförderungsprogramm KIRAS www.kiras.at, das 2005 eingerichtet wurde und ebenfalls von der FFG abgewickelt wird.
Im Zuge des siebten Europäischen Forschungsrahmenprogramms (RP7) gibt es derzeit fünf sogenannte „Joint Technology Initiativen“ (JTI), davon fallen zwei in den technischen Bereich: ARTEMIS ist ein JTI im Bereich „Advanced Research and Technology for Embedded Intelligence and Systems“, während ENIAC ein JTI im Bereich „Nanoelectronics“ darstellt.
Bei ARTEMIS geht es um unsichtbare Computer (d. h. eingebettete Systeme), mit deren Hilfe heute Maschinen aller Art betrieben werden, von Kraftfahrzeugen, Flugzeugen und Telefonen bis hin zu Energienetzen, Fabrikanlagen, Waschmaschinen und Fernsehgeräten. ARTEMIS könnte daher für die Wirtschaft der EU in den nächsten zehn Jahren Gewinne in Höhe von über 100 Mrd. Euro bringen. Beide JTIs laufen bis 2013 und sind hochdotiert: 2,5 Mrd. Euro stehen für ARTEMIS insgesamt zur Verfügung, bei ENIAC sind es 3 Mrd. Euro. Auf Initiative des BMVIT haben sich führende österreichische Unternehmen und Forschungsinstitute im Juni 2009 zur Industrieplattform „ARTEMIS AUSTRIA“ zusammengeschlossen www.artemis-austria.net.
Österreich zählt übrigens im Bereich Embedded Systems seit Jahren zu den führenden Ländern in Europa. Sowohl ARTEMIS als auch ENIAC werden national durch die FFG abgewickelt. Ein ARTMIS Projekt ist z. B. SafeCer (Safety Certification www.safecer.eu). Dabei geht es darum, die Effizienz bei der Entwicklung von sicherheitsrelelvanten Embedded Systems zu erhöhen und somit die Entwicklungskosten drastisch zu redzuieren. Österreichischer Projektpartner ist das AIT (Austrian Institute of Technology).
FIT-IT ist eine Initiative des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) zur Förderung anspruchsvoller Forschung von Informationstechnologien (IT) in Österreich.
FIT-IT stellt jährlich mehr als 10 Mio. Euro für wesentliche IT-Innovationen zur Verfügung und wird in Kooperation mit der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) durchgeführt.
Bei FIT-IT stehen visionäre interdisziplinäre Projekte im Mittelpunkt. Die Projektdauer beträgt zwischen drei und acht Jahre, in dieser Zeit gilt es, neue Anwendungsfelder zu erschließen. Ergebnis eines derartigen Forschungsvorhabens ist der Funktionsnachweis der technologischen Lösung, zum Beispiel ein Prototyp. Bloße Produktentwicklung wird nicht gefördert.
Einreicher bei FIT-IT können Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, der Industrie, aber auch Forschungsinstitutionen, Einzelforscher und Arbeitsgemeinschaften sein. FIT-IT fordert von den EinreicherInnen von Forschungsprojekten grundsätzlich eine Kooperation von Unternehmen und Forschungsinstitutionen. Das Impulsprogramm FIT-IT ist seit dem Jahr 2006 in fünf
Programmlinien eingeteilt:
- Embedded Systems
- Semantische und intelligente Systeme und Dienste
- Systems on Chip
- Trust in IT Systems
- Visual Computing
Programmmanagement und Kontakt:
FFG - Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft
Thematische Programme, DI Georg Niklfeld,
Tel.: +43 (0) 5 7755 DW 5020
E-Mail: fit-it@ffg.at




1/2012
8/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 