Ein Viertel der Unternehmen erhebt keinerlei Risiken, nur ein Drittel hat Krisenpläne entwickelt. Langfristig drohen enorme wirtschaftliche Schäden – dennoch: nur die Hälfte der heimischen Entscheidungsträger will sich in Zukunft mehr mit Risikomanagement befassen.
CSC hat über 500 Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Verwaltung befragt (durchgeführt vom Institut meinungsraum.at, August 2011), was sie vom Krisenmanagement in Österreich halten und den Status quo von Risikomanagement in österreichischen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen erhoben.
Die Hälfte der befragten Entscheidungsträger findet, dass Regierung und öffentliche Einrichtungen schlecht auf die Wirtschaftskrise vorbereitet waren. Weitere 28% meinen, dass von der öffentlichen Hand mehr getan hätte werden können, sie sind jedoch mit jenen Maßnahmen, die gesetzt wurden, zufrieden. Nur 17% der Entscheidungsträger sind der Meinung, dass die Regierung alle Möglichkeiten zur Krisenbewältigung bestmöglich ausgeschöpft hat.
Über ein Drittel (36%) der befragten Entscheidungsträger ist der Meinung, dass die heimische Wirtschaft die negativen Auswirkungen der Krise hätte selbst verringern können, man sich jedoch zu wenig mit Risikomanagement und Krisenprävention auseinandergesetzt hat. 45% sind davon überzeugt, dass die internationale Wirtschaftskrise viele hausgemachte Probleme erst zutage brachte.
Wo liegen die Herausforderungen?
Als größte Fehler und Problembereiche der heimischen Wirtschaft nennen 59% der Befragten "zu starre Strukturen", weiters "zu viel Fremdkapital" (47%), "zu optimistische Geschäftsannahmen" (37%) und "veraltete Infrastruktur, z.B. in Produktion und IT" (21%) – Einschätzungen, die sich beinahe identisch durch alle Unternehmensgrößen und Branchen ziehen.
Trotz aller Mängel sieht sich Österreichs Wirtschaft im internationalen Vergleich bei Risikomanagement und Krisensicherheit dennoch gut aufgestellt. Gleich 65% sehen die österreichischen Unternehmen im Vergleich mit Mitbewerbern aus anderen Ländern als eher gut auf Krisen vorbereitet. Im Gegensatz zur Wirtschaft werden die heimischen Behörden im Ländervergleich deutlich kritischer beurteilt. Gleich zwei Drittel aller Befragten (67%) halten Österreichs Behörden im Vergleich mit anderen Ländern für schlechter auf Krisen vorbereitet.
Im Blickwinkel der aktuellen Situation sehen mehr als die Hälfte (57%) der von CSC befragten Manager weitere Finanzkrisen als größtes Unternehmensrisiko, gefolgt von Produktions- und Nachfrageeinbrüchen (30%) und Reputationskrisen (29%). Aber auch mögliche "politische Veränderungen" werden hierzulande von mehr als einem Viertel (27%) als Risiko für ihr Unternehmen bzw. ihre Branche bezeichnet. Fehler bei der Planung und Umsetzung von Projekten bewerten jedoch nur 21% als großes Risiko, 11% sorgen sich um die Sicherheit ihrer Unternehmensdaten und befürchten Hackerangriffe.
Welche Maßnahmen werden gesetzt?
Welche Maßnahmen setzen Österreichs Unternehmen, um mögliche Risiken zu erheben und Probleme zu verhindern? 44% der Befragten vertrauen einfachen Best-/Worst-Case-Szenarien, 34% setzen auf Brainstormings, je etwas mehr als ein Viertel verwendet klassische Checklisten und Excel-Tabellen. Lediglich 9% aller Unternehmen setzen beim Risikomanagement auf spezialisierte Software-Lösungen, die eine automatisierte Datenerhebung ermöglichen. 38% aktualisieren die erhobenen Daten überhaupt nur in unregelmäßigen Abständen.
Ein Viertel der Befragten unternimmt gar nichts in Richtung Risikomanagement. Besonders hoch ist der Anteil der Untätigen bei Einpersonenunternehmen (32%), aber auch bei großen Industrie-Unternehmen setzen immer noch 8% gar keine Maßnahmen zur Risikoerfassung und -beobachtung.


1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 