Die von Anecon Software Design und Beratung GmbH initiierte, und in Kooperation mit den Hochschulen Bremen und Bremerhaven, der Fachhochschule Köln, dem German Testing Board (GTB) und Swiss Testing Board (STB) durchgeführte Umfrage, gibt Aufschluss über die Praxis in der Software-Qualitätssicherung im deutschsprachigen Raum.
Mehr als ein Drittel der Befragten gibt an, Qualitätssicherungsmaßnahmen bereits in der Vorstudie einzusetzen. Agile Vorgehensweisen sind gut vertreten, SCRUM trat mit 57% am deutlichsten hervor. Die Rolle des Testers wird von Entwicklern akzeptiert, 77% geben an, dass Tests von Testexperten durchgeführt werden. Die Testautomatisierung fokussiert derzeit noch auf den Unittest und nimmt in späteren Teststufen ab. Fast die Hälfte der Unternehmen lässt ihren Testprozess auditieren.
Diese und viele weitere Erkenntnisse sind die Ergebnisse der umfangreichen Studie, die Prof. Dr. Karin Vossberg und Prof. Dr. Andreas Spillner von der Hochschulen Bremerhaven und Bremen gestern bei den Leipziger Softwareforen gemeinsam präsentierten. „Überraschend für uns war das Ergebnis, dass die primären Ziele der Qualitätssicherung in der Erhöhung der Leistungsfähigkeit gesehen werden. Erst an zweiter Stelle steht die Kostensenkung. Mit unserer Umfrage können wir viele solcher Überraschungen, aber auch viele unserer Erwartungen repräsentativ festhalten. Ich danke allen Teilnehmenden, dass wir diese aufschlussreiche Studie nun veröffentlichen können“, so Spillner.
Über 40% lassen ihren Testprozess auditieren
Über 40% der Unternehmen lassen ihren Testprozess auditieren. Dies zeigt deutlich, dass der Softwaretest und die Qualitätssicherung in der Softwareentwicklung professioneller werden. Kennzahlen wie Abdeckung der Anforderungen, Durchführungsrate oder Fehlererkennungsrate sind gängige Testendekriterien, die von den Umfrageteilnehmern genannt wurden.
Die Ergebnisse veranschaulichen, außerdem dass die Qualitätssicherungsmaßnahmen in den frühen Phasen zugenommen haben. Dennoch gibt es eine Konzentration auf die späten Phasen in der Softwareentwicklung. Mehr als ein Drittel der Befragten stimmt zu, QS-Maßnahmen bereits in der Vorstudie einzusetzen. Jedoch ist der Anteil jener, die Qualitätssicherung in dieser Phase zögerlich oder überhaupt nicht einsetzen, mit 37% etwa noch gleich groß.
Ein Viertel der Befragten arbeitet mit agilen Methoden, „Scrum“ ist hierbei mit etwa 57% am deutlichsten vertreten. Arbeitet über die Hälfte der Teilnehmer mit einem sequentiellen Phasenmodell, so überrascht doch die hohe Anzahl von 17%, die gar kein explizites Vorgehensmodell verwenden.
Testen wird wider Erwarten kaum „outgesourced“
Ein eindeutiger Trend zum Outsourcing des Tests hat sich nicht bestätigt. So setzen nur 15% der Befragten externe Dienstleister für die Testdurchführung ein. Bei der Frage, wer für die Qualitätssicherung in den Projekten verantwortlich ist, gaben nur 6% an, dies an externe Unternehmen zu übergeben. Hier wurde ein erheblich höherer Anteil erwartet und es bestehen noch Möglichkeiten für eine stärkere Aufgabenteilung zwischen IT, Fachbereich und externen Dienstleistern.
Der Nutzen der Qualitätssicherung in IT-Projekten ist anerkannt, es steht dafür ein definiertes Budget zur Verfügung. So wird im Durchschnitt 20% des Gesamtbudgets für Test und QS verwendet. Diese Budgets werden in der Regel pauschal geschätzt und auch meist eingehalten. Gleichermaßen wird rund ein Fünftel der gesamten Zeit wird für Qualitätssicherung aufgewendet.



1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 