Der weltgrößte Hersteller von Personal Computern zieht die Reißleine: Hewlett-Packard hat bei der Präsentation der Quartalszahlen im August verkündet, dass die Margen im privaten PC-Geschäft viel zu stark gesunken sind und die Zukunft für HP nunmehr in Soft- und Hardware für Geschäftskunden liege. Damit macht HP einen eindrucksvollen Schwenk: Einstmals ein Synonym für qualitätsvolle, schick designte PC und Notebooks für private Kunden, kapituliert das Mega-Unternehmen nun vor der Übermacht von iPads, Smartphones und Tablets, ein Bereich, den HP leichtfertigerweise nicht rechtzeitig ernst genug genommen hat und nun vor den Milliardeninvestitionen zurückschreckt, um an das Segment anzuschließen.
Die Branche hat durchaus Grund, über die vergangene Akquisitionspolitik von HP den Kopf zu schütteln. 2002 hatte der IT-Riese den Computerhersteller Compaq um fast 20 Milliarden Dollar übernommen, um, wie es damals hieß, mehr am profitablen Markt für PC und Notebooks mitzumischen. Erst 2010 erfolgte dann der für viele Marktbeobachter unverständliche Kauf des damals schon so gut wie toten Smartphone-Produzenten Palm um 1,2 Milliarden Dollar.
Beide Einkäufe sind aus heutiger Sicht keine strategische Meisterleistung gewesen. Hauptmitbewerber wie IBM haben den Schwenk zu Business-Soft- und Hardware bereits früher unternommen und mit der Abgabe des eigenen PC-Geschäfts notwendige Zeichen gesetzt. HP muss sich nun wohl die Frage von Aktionären gefallen lassen, warum die eigene Entscheidung so spät erfolgt ist. Auch die Ankündigung, man werde mit dem geplanten Kauf des britischen Business-Softwareunternehmens und Cloud Computing-Spezialisten Autonomy das Business-Segment kräftig vorantreiben, befriedigte die Anleger nicht, die die Aktie nach dem Quartalsbericht umgehend auf Talfahrt schickten.
Wie auch immer, auch wenn dieser Schritt für HP spät kommt, so ist er wohl der einzig richtige. Seit iPads und ähnliche Geräte eine neue digitale Revolution ausgelöst haben und den PC zunehmend verdrängen, bestraft der Markt jene, die daran nicht rechtzeitig geglaubt haben, wie man auch gut am Beispiel Microsoft sehen kann.




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8/2011
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Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 