"Open Data" ("Offene Daten") soll einen besseren und allgemeinen Zugang zu öffentlichen Daten ermöglichen, die dem Interesse der Allgemeinheit nützlich sind. Bezogen auf eine Stadt wie Wien fallen darunter zum Beispiel Datensätze zur Bevölkerung, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft. Die Daten können aus den Bereichen der Statistik, der Geodaten, des Verkehrs oder der Ökonomie stammen - ausdrücklich davon ausgenommen sind personenbezogene Daten.
"Offene und frei zugängliche Daten ermöglichen einen breiten und demokratischen Wissensaustausch und begünstigen den Dialog zwischen Verwaltung und BürgerInnen der Stadt. Offene Daten bringen auch mehr Partizipation, bessere Kommunikation und begünstigen Innovation und Entwicklung", so die für die IKT-Agenden der Stadt zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger bei der Präsentation des ersten Open-Data-Katalogs der Stadt Wien im Mai diesen Jahres.
Ungehobene Schätze
Die Grundlage von Open Data im Government-Bereich (Open Government Data OGD) bilden häufig mit Steuergeld finanzierte Informationen und Datensätze. Diese sind - sofern sie überhaupt digital verfügbar sind - meist nicht frei zugängig. Die Daten sind außerdem oft nicht automatisiert auswertbar und isoliert in Datenbanken abgelegt.
Die Idee dahinter setzt darauf, dass solche Daten, stehen sie der Öffentlichkeit zur Verfügung, einer Gesellschaft auf vielfältiger Weise Nutzen bringen können. Ihre Transparenz fördert den Dialog zwischen Regierung, Verwaltung und Bürger und sie ermöglicht maßgeblichen Stellen eine bessere Entscheidungsfindung. Die Daten können für die Projektierung und Umsetzung neuer Dienstleistungen herangezogen werden, die ihrerseits wieder der Gemeinschaft zu Gute kommen. Neue Dienstleistungen fördern zudem die Kreativität und regen den Innovationsmotor der Wirtschaft an.
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Form der Bereitstellung, die in maschinenlesbarer Form auf die weitere Nutzung durch die Bevölkerung und die Wirtschaft abstellt. Zudem entwickelt man seitens der Stadt Wien auf der Basis von Open Government Daten eigene Anwendungen, bei denen moderne Apps-basierte Darstellungsformen und Visualisierungen genützt werden.
Der Weg zu Open Data
Die Stadt Wien hat schon eine lange Tradition im E-Government und in der Bereitstellung relevanter Daten für die Öffentlichkeit. Bereits 1995 ging das Webportal wien.gv.at der Stadt Wien online, zum 15. Geburtstag im Jahre 2010 wurde die Seite einem umfassenden Relaunch unterzogen.
Eine wichtige Säule des Webauftritts bildet seit vielen Jahren der Digitale Stadtplan, der auf dem umfangreichen Datenmaterial des ViennaGIS, des Geografischen Informationssystems der Stadt Wien, beruht. Der dahinterliegende Geodatenverbund macht es möglich, dass die Wiener Bevölkerung schon lange nicht nur nach Adressen oder Infrastruktureinrichtungen suchen kann, sondern auch Informationen zum städtischen Verkehr, zum Flächenwidmungs- und Bebauungsplan, zu Kulturgütern oder zu Umweltthemen abfragen kann. Auch diese Anwendungen kann man im Sinne obiger Definition bereits als "Open Data" bezeichnen.
Mit dem Regierungsübereinkommen der Wiener SPÖ und der Wiener Grünen vom November 2010 wurden die Themenbereiche "Open Data" und "Open Government" definiert und vorangetrieben. Neben der Entwicklung weiterer E-Government-Angebote arbeitete die Stadt jetzt verstärkt an einer Strategie zur weiteren Öffnung von Verwaltungsdaten für die Bevölkerung und die Wirtschaft. Im Mai 2011 hat die Stadt Wien als erste österreichische Stadt ihren Open Data-Katalog der Öffentlichkeit präsentiert.
Einfacher Zugang, mehr Transparenz
Das Projekt wurde unter der Federführung des Chief Information Officer (CIO) der Stadt Wien, DI Johann Mittheisz, umgesetzt. Dabei wurden internationale Best-practice-Beispiele für die Umsetzung von Open-Data-Angeboten, die von der Community formulierten Wünsche und die Überlegungen des Magistrats berücksichtigt.
Dabei konnten die Chancen für die Verwaltung durch die Umsetzung einer Open Government-Strategie klar identifiziert werden:
- Der stark vereinfachte Zugang zu Daten und Diensten belebt die Wertschöpfungskette.
- Die Transparenz der Verwaltung wird erhöht.
- Der Verwaltungsaufwand für individuelle Anfragen wird reduziert.
- Die Verwaltungsprozesse werden vereinfacht.
"Das Open-Government-Angebot wird ständig erweitert und auf der Internetplattform wien.gv.at zur Verfügung gestellt. Dabei werden auch internationale und nationale Erfahrungen berücksichtigt", so der Open Government-Beauftragte Johann Mittheisz.
Mit der "Open Government Data Konferenz" (www.ogd2011.at), die im Juni 2011 in Wien über die Bühne ging, wurde das Thema weiter vertieft und im Rahmen der Bereiche: "Rechtsrahmen", "Praxisbeispiele", "Technik", "gesellschaftspolitisches Umfeld" beleuchtet.
Diese Daten sollen der Bevölkerung in maschinen-lesbarer Form zur Verfügung gestellt werden, so dass die Daten auch automatisiert verarbeitet werden können. Offene Standards bei den Schnittstellen und der Software ermöglichen mehr Transparenz, Partizipation und Kollaboration. Neben den technischen Schnittstellen muss seitens der Verwaltung ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden.
Beispiele für diese öffentlichen Daten sind etwa Geo-Daten, Verkehrsdaten, Umweltdaten, Budgetdaten oder statistische Daten. Personenbezogene Daten werden dabei keine veröffentlicht.
Open Data bietet Nutzungsmöglichkeiten auf verschiedensten Ebenen. Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger können mit den angebotenen Daten selbst neue Anwendungen und Dienste erstellen. Auch die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an politischen Entscheidungsprozessen wird durch Open Data gefördert. Wissenschaft und Forschung profitieren ebenfalls vom vereinfachten Datenaustausch.
Leitsätze von Open Government Data
Öffentliche Daten und Dienste der Stadtverwaltung, die nicht dem Datenschutz unterliegen, sollen bereitgestellt werden.
Öffentlich zugänglich bedeutet, dass
- Daten und Dienste online abgerufen werden können,
- die Nutzungsbedingungen eindeutig geregelt sind,
- die Nutzungsmöglichkeit maximiert wird,
- die Nutzung im Idealfall kostenlos erfolgt.
Die Daten und Dienste sind über Standard-Schnittstellen anzubieten, die eine bestmögliche Nutzung begünstigen.




1/2012
8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 