Das Staples-Stadium in Los Angeles, wo einst Michael Jackson sein Comeback probte, war zum Bersten voll. 15.000 Partner aus aller Welt waren gekommen, um sich in erster Hand direkt vom Microsoft-Management über neue Produkte und vor allem die Cloud-Strategie des Softwarehauses aus Redmond zu informieren. Darunter mehr als 80 Microsoft-Partner aus Österreich (von insgesamt rund 4.800 Partnern in der Alpenrepublik). Die Grazer Firma Upper Network war gar einer von 80 Partnern, die auf der WPC als "Partner of the Year" geehrt wurden. Aus rund 3.000 Einreichungen aus 100 Ländern konnten sich die Steirer mit ihrer Marketing-Software-Plattform "Marmind" (www.marmind.com) durchsetzen.
Eröffnet und moderiert wurde die Konferenz von dem für den weltweiten Partnerbereich zuständigen Jon Roskill (Corporate Vice President, Worldwide Partner Group), der die Wichtigkeit der Partner für Microsoft betonte, die ja den größten Teil zum Microsoft-Geschäft ausmachten.
Der Weg in die Wolke
Der Fokus der WPC 2011 konnte eindeutiger nicht sein: In allen Geschäftsbereichen soll Cloud-Computing künftig eine wichtige Rolle spielen. Die Voraussetzungen fürs Cloud-Computing seien gut, erklärte Roskill, da sich allein im letzten Geschäftsjahr die Zahl der Partner, die Cloud-Lösungen anbieten, auf 41.000 verdoppelte, von den weltweit 640.000 Microsoft-Partnern seien zudem bereits rund 300.000 Spezialisten für Cloud-Dienstleistungen. In Österreich sieht die Ausgangsbasis für Cloud-Comuting ebenfalls sehr gut aus, weiß Simon Hughes, Marketingleiter bei Microsoft Österreich. Demnach sehen sich laut einer IDV-Studie (Cloud Survey 2010 im Auftrag von Microsoft) 27% der hiesigen Unternehmen als sehr gut und 43% als ziemlich gut über Cloud informiert. Demgegenüber hinkt allerdings der Umsetzungsgrad von Cloud-Lösungen noch ein wenig hinterher: Erst 21,7% (davon 18% private Unternehmen, 3,7% öffentliche Hand) haben Cloud-Computing im Betrieb, so die IDC. 29,8% (14,3% private, 15,5% öffentliche) planen jedoch schon bald die Umsetzung einer Cloud-Lösung, 54,6% (24,2% private, 30,4% öffentliche) evaluieren noch und 27,9% der österreichischen Unternehmen haben sich bereits gegen eine solche Lösung entschieden.
Dass nicht jedes Unternehmen, ja auch nicht jeder Microsoft-Partner von Cloud-Computing völlig überzeugt ist, das weiß auch Microsoft-Chef Steve Ballmer, der in seiner Keynote betont, dass die Cloud keine kontinuierliche Weiterentwicklung, sondern ein Technologiesprung sei. Umso wichtiger sei es für die Partner, diese Herausforderung anzunehmen. Auch Klaus Holse Andersen, Partner Bereichsleiter für Westeuropa bei Microsoft, stößt in dieses Horn und sieht europäische Microsoft-Partner diesbezüglich bereits vor jenen der USA: "Die Prozentrate der europäischen Cloud-ready Partner ist bereits höher als in den USA." Andersen ist überzeugt davon, dass "die Cloud passiert" und auf diejenigen, die sich für die Cloud engagieren, große Geschäftschancen warten. Sein Fazit: "In zehn Jahren wird es mehr Cloud geben statt weniger."
Ohne Windows 7 geht nichts

Microsoft-CEO Steve Ballmer machte in seiner Keynote klar, dass der Weg in die Wolke nur über Windows 7 führt. (Bilder Lorbeer)
Übrigens: Über Windows 8 sollen weitere Neuigkeiten auf der neuen Build-Konferenz (eine Art Nachfolge der im letzten Jahr eingestellten WinHEC) im September in Los Angeles mitgeteilt werden. "Windows ist das Rückgrat von Microsoft," betont Steve Ballmer und fügt in seiner typisch enthusiastischen Art hinzu: "Windows PCs, Windows Phones, Windows Slates, aber Windows, Windows, Windows, Windows, Windows, Windows. Das ist unser Fundament. Windows-Technik in der Cloud, Windows-Technik im Server. Windows." Es versteht sich von selbst, dass Ballmer dabei ausschließlich an Windows 7 denkt.
5,8 Mrd. Investition in den Channel
Wie ernst es Microsoft mit ihrer Cloud-Strategie meint, beschreibt Roskill. "Insgesamt 5,8 Mrd. US-Dollar (4,14 Mrd. Euro) investiert das Softwarehaus im kommenden Geschäftsjahr in den Channel. Dies soll den Partnern vor allem den Übergang ins neue Cloud-Zeitalter erleichtern. Mit Incentives, Tools und Schulungen geben wir Partnern weitere Möglichkeiten an die Hand, mit denen sie ihr Unternehmenswachstum vorantreiben können", erklärt der Microsoft-Bereichsleiter für Partner-Agenden. Unter anderem will Microsoft mit Windows Azure Incentives neue Anreize für den Einstieg in die Public Cloud bieten.
Hochkarätige Partner mit großem Potenzial will Microsoft künftig bei der Anpassung ihres Geschäftsmodells unterstützen (sog. Business Model Transformation), sodass sie ihre eigene Technologien und Lösungen in die Cloud bringen, um noch besser cloud-basierte Lösungen für Kunden entwickeln zu können. "Use the cloud to sell the cloud" heißt das im Original bei Roskill - eine Taktik, die Microsoft auch selbst bei ihren eigenen Angeboten verfolgt.
Neue Produkte für die Cloud
Stetig baut Microsoft ihr Produktangebot aus und macht es tauglich für die Cloud. Auf der WPC vorgestellt und als Beta bereits verfügbar ist die neue Version des System-Center. Damit können Unternehmen sowohl eigene, Private Clouds realisieren sowie Anwendungen in Private und Public Clouds von einer zentralen Management-Konsole aus administrieren.
Die Besucher der WPC 2011 bekamen zudem einen ersten Einblick in die kommende Version des Windows Servers, der unter dem Codename Windows Server 8 vorgestellt wurde, und den neuen Microsoft SQL Server (bisher bekannt unter Codename Denali). Mit neuen Funktionalitäten wie Crescent, soll die visuelle Datenanalyse dann deutlich vereinfacht werden, das Entwicklertool Juneau verbindet künftig Business Intelligence mit Cloud Computing.
Weitere Neuheiten betrafen die so genannten Line-of-Business Anwendungen (LoB). Mit einem im letzten Quartal 2011 verfügbaren Update für die webbasierte CRM-Software "Microsoft Dynamics CRM Online" können Partner ihren Kunden erstmals Dynamics CRM Online und Office 365 im Paket anbieten. Damit werden neue Möglichkeiten insbesondere für den Bereich Collaboration geschaffen.
Die "Dynamics ERP RapidStart Services" sollen künftig für eine schnellere Markteinführung der ERP-Lösungen sorgen, indem die Partner laut Microsoft damit ERP-Installationen schneller aufzusetzen und konfigurieren können. Grundlage der Microsoft Dynamics ERP RapidStart Services ist Windows Azure. Die Software ist ab September für Microsoft Dynamics AX 2012 verfügbar.
Windows Intune 2.0
Im März dieses Jahres stellte Microsoft die erste Version von Windows intune vor, jetzt folgte auf der WPC die Beta von Windows intune 2. Diese soll in der Finalversion noch dieses Jahr erscheinen. Laut Alex Heaton, Group Product Manager for Windows Intune, soll künftig mindestens eine neue intune-Version pro Jahr erscheinen.
Bei Windows intune handelt es sich um einen als Abonnement erhältlichen Cloud-Dienst zur Verwaltung von PCs. Er enthält Sicherheitsfunktionen und Upgrade-Lizenzen für das Windows-Betriebssystem sowie die Version Windows 7 Enterprise. Der Service kann nicht nur vor Ort, sondern auch durch einen externen Anbieter vorgenommen werden.
Windows Intune kostet in Österreich pro PC und Monat 11 Euro, mit MDOP 12 Euro pro PC und Monat und ist damit besonders für KMU interessant.
Ein neues Feature von Windows intune 2.0 ist, dass man jetzt nicht mehr nur Applikationen und Updates von Microsoft, sondern auch Software und Patches von Drittanbietern via Intune auf den verwalteten PCs installieren kann. Konnten bisher nur Volumenlizenzen gemanaged werden, unterstützt Windows intune 2 jetzt auch die Verwaltung von Retail- und OEM-Lizenzen wie auch von Drittanbieternlizenzen.
Darüber hinaus wurde das Hardware-Reporting verbessert, das Infos über Hersteller, Gerätetyp, Festplattengröße und freier Speicherplatz, RAM und CPU liefert.
Derzeit erlaubt Windows intune ausschließlich die Verwaltung von Notebooks und Stand-PCs. Wann und ob das Management von Windows Phone inkludiert werden soll, ist laut Heaton noch nicht entschieden.
Wer die Beta ausprobieren will, kann sich unter http://technet.microsoft.com/windows/intune für die Beta registrieren. Sie ist in allen 40 Ländern, wo Intune bereits erhältlich ist, verfügbar und soll 30 Tage nach Erscheinen der finalen Version ablaufen.
Anwesende Microsoft-Angestellte: 3.600
Training-Sessions (228 Breakouts, 89 Hands-On Labs): 317
Anzahl der Länder, aus denen die Besucher stammen : 130
Anzahl der Partner im Microsoft Partner Program: 390.000
Anzahl der affiliierten Partner: über 640.000
Anzahl der Partnerunternehmen in der Welt: 1,3 Mio.
Umsatz bei Microsoft, der von Partnern stammt: 95 Prozent




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8/2011
7/2011


Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 