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Netz & Telekom

Googles zweites Plus

Wer macht das Rennen gegen Facebook?

In Berlin ist die von Googles Ex-CEO Eric Schmidt im Frühjahr angekündigte Forschungseinrichtung offiziell ins Leben gerufen worden. Damit sagt der Global Player nach dem Launch seiner sozialen Netzwerkumgebung Google+ dem Rivalen Facebook auch mit den modernen Bordmitteln der Wissenschaft den Kampf an.

Das akademische Gründungsteam (v.l.n.r): Prof. Thomas Schildhauer (UdK), Dr. Jeanette Hofmann (WZB), Dr. Wolfgang Schulz vom Hamburger Hans-Bredow-Institut für Medienforschung (HBI), Prof. Ingolf Pernice (HU) (Foto: Danish Puthan Valiyandi - www.danishpv.com)

Als Gesellschafter vertreten beim Mitte Juli gegründeten Institut für Internet und Gesellschaft sind die Humboldt-Universität zu Berlin, die Universität der Künste, das Wissenschaftszentrum Berlin sowie das Hamburger Hans-Bredow-Institut. Das Finanzpolster für die ersten drei Jahre beträgt 4,5 Mio. Euro.

Im Frühjahr bereits hatte Eric Schmidt die Forschungseinrichtung in Berlin annonciert. Damit reagiert der Suchmaschinenkonzern indirekt auch auf den Siegeszug der sozialen Netzwerke, die mit Facebook einen starken Rivalen in der Netzwelt hervor gebracht haben. Bekanntlich räumte Schmidt kurze Zeit später seinen Chefsessel und ist jetzt bei Google als Chairman of the Board tätig.

Bemerkenswert daran war, dass Schmidt nach seinem Rückzug eingestand, er ganz persönlich habe es versäumt, das Unternehmen fit für die Herausforderungen im sozialen Netzwerkzeitalter zu machen. Inzwischen hat man reagiert. Heute spekulieren Branchenkenner über die denkbare Verschmelzung von führenden sozialen Netzwerkplattformen wie Facebook, Twitter und Google+.

Mehr noch: Spätestens seit dem jüngsten Hype um das selbst gestrickte Social Network Google+ stellt es für Marktanalysten ein offenes Geheimnis dar. Der Suchmaschinenmonopolist beansprucht im Social Media Zeitalter seinen Platz in der ersten Reihe.

Dort aber tummelt sich bekanntlich bereits Facebook mit über 750 Mio. registrierten Nutzern weltweit. Und genau in dieses globale Szenario an der hart umkämpften sozialen Netzwerkfront passt das frisch gegründete Institut für Internet und Gesellschaft i.G. in Berlin.

Die Stiftungsmacher betonen einmütig: Das Institut operiere völlig unabhängig von Google. "Aus eigenen Mitteln können wir diese Forschung nicht vorantreiben", sagte Prof. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. Das Unternehmen Google gebe im Übrigen keinerlei Forschungsthemen, Ziele oder Ergebnisse vor.

Um allen Zweiflern vorzubeugen, sei die vom Unternehmen ausschließlich finanziell unterstützte Einrichtung als gemeinnützige GmbH organisiert und agiere vollkommen transparent. Das Institut basiere auf zwei Fundamenten, um maximale Unabhängigkeit zu gewährleisten. Eine Fördergesellschaft sorge zum einen für die Finanzierung des Instituts. Eine weitere, davon unabhängig operierende Forschungsgesellschaft, bestimme die Inhalte und Ziele.

Zudem werde ein wissenschaftlicher Beirat die Forschungsarbeit kritisch begleiten. Die Wahl auf Berlin sei neben seiner Geschichte und Lage auch mit Blick auf lokale Netzkulturen gefallen, lässt Dr. Max Senges durchblicken, der bei Google die virtuelle Denkfabrik Collaboratory mitgründete. "Wir hoffen, dass wir durch den kritisch-konstruktiven Dialog auch bessere Produkte herstellen können", so der Unternehmensvertreter weiter.

Das neue Institut verfolgt derweil drei thematische Schwerpunkte: Internet-basierte Innovation, Internet Policy sowie medien- und verfassungsrechtliche Fragestellungen. Wichtige Leitthemen sind dabei etwa neue Trends in der Netzgemeinschaft wie Crowdfunding und Crowdvoting.

Daneben soll die Erforschung der zunehmenden digitalen Spaltung in der Gesellschaft eine große Rolle spielen, bis hin zu Fragen des geistigen Eigentums. Und schließlich dreht sich vieles um ebenso spannende wie kontrovers diskutierte Fragestellungen, wie der Datenschutz beim Cloud Computing oder das Internet der Dinge.

Konkret geplant sei auch eine Art begleitendes "Regulierungswatch", um die Steuerungs- und Regulierungstendenzen bei der Global Internet Governance im Netz eingehend unter die Lupe zu nehmen. All dies soll auch mit Hilfe der Schwarmintelligenz von dezentral aufgestellten Netzcommunities geschehen.

Die Ergebnisse sind dementsprechend mit Hilfe von Open Access für eine breite Öffentlichkeit offen zugänglich. Ende Oktober soll ein hochkarätig besetzter Kongress zur offiziellen Einweihungsfeier in Berlin stattfinden.

Infos:

www.internetundgesellschaft.de

http://collaboratory.de/ - Collaboratory, die virtuelle Denkfabrik von Google und weiteren Organisationen.

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Dr. Manfred Wöhrl

Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. ..mehr..

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