Zur leichteren Orientierung und Lesbarkeit finden Sie die Fragen nummeriert anbei. Bei den Statements werden die Fragen durch die jeweilige Nummer angegeben. Die Aussagen wurden alphabetisch nach den Nachnamen der Antwortgeber sortiert.
1. "Business Intelligence" deckt ja einen sehr komplexen Bereich ab, was verstehen Sie konkret darunter?
2. Wie hat sich der österreichische BI-Markt in den letzten Jahren entwickelt?
3. Welche Trends sehen Sie derzeit am österreichischen BI-Markt?
4. Österreich ist ja ein KMU-Land, inwiefern lohnt sich für KMUs überhaupt eine "BI-Lösung"?
5. Wo sind die größten Ansatzpunkte, in welchen Branchen beziehungsweise Unternehmen macht eine BI-Lösung Sinn, wo liegen die Hauptvorteile?
6. Welche Empfehlungen würden Sie Unternehmen (je nach Größe, Anforderungen...) geben, wie können Sie BI für sich optimal nutzen?

Dr. Carsten Bange, Geschäftsführer, Business Application Research Center - BARC GmbH, Würzburg
Dr. Carsten Bange, Geschäftsführer, Business Application Research Center - BARC GmbH, Würzburg

Dr. Carsten Bange, Geschäftsführer, Business Application Research Center - BARC GmbH, Würzburg
1. Business Intelligence umfasst alle Aufgaben und Prozesse der Sammlung, Aufbereitung und Darstellung von Information zur Planung, Steuerung und Kontrolle der Unternehmensleistung.
2. Der österreichische BI-Markt ist geprägt von den vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, die teilweise erst in den letzten Jahren die technischen Möglichkeiten zur Unterstützung der Unternehmensführung für sich entdecken.
3. Größere Autonomie für Fachanwender ist ein großes Thema. Die Technologie soll immer stärker in den Hintergrund treten und Anwender möchten häufig eine größere Flexibilität für den Umgang mit Daten. Dies umfasst nicht nur die Gestaltung von Berichten, sondern auch die Veränderung der Modelle und Strukturen, in denen ausgewertet wird sowie die Möglichkeit zur spontanen Einbeziehung lokal vorliegender Daten. Hierfür werden die Werkzeuge immer besser.
4. Gerade der Bereich der Unternehmensplanung ist häufig ein guter erster Ansatzpunkt für KMUs, in dem sich der Mehrwert einer BI-Lösung schnell zeigt. Aber auch KMUs profitieren ansonsten von der schnelleren und besseren Bereitstellung von Daten für Entscheidungen.
5. BI ist tatsächlich ein branchenübergreifend sinnvolles Thema. Es gibt keine Branche, in der Entscheidungen nicht mit Fakten unterfüttert sein sollten. Der Vorteil der schnelleren Transparenz über das Geschehen im Unternehmen aber auch außerhalb des Unternehmens im Markt oder bei den vernetzten Partnern ist für viele Unternehmen immer wichtiger. Neben der reinen Transparenz über Ist-Zustände sind auch tiefgreifende Analysemöglichkeiten sowie Vorhersage und Simulation interessante Möglichkeiten, um bei aller Ungewissheit über die Zukunft zumindest ein besseres Bild möglicher Szenarien zu bekommen.
6. Business Intelligence ist inzwischen unternehmenskritisch und sollte daher strategisch angegangen werden - egal in welcher Unternehmensgröße. Zu einer tragfähigen BI-Strategie gehört die integrierte Betrachtung fachlicher, technischer und organisatorischer Aspekte. Die Gestaltung dieser drei Facetten führt zu nützlichen Systemen. Die genaue Ausprägung variiert dann zwischen Unternehmensgrößen, Branchen und Unternehmenssituationen.

Prof. Dr. Ing. Peter Lehmann, Institut für Business Intelligence (IBI), Stuttgart
Prof. Dr.-Ing. Peter Lehmann, Institut für Business Intelligence (IBI), Stuttgart

Prof. Dr. Ing. Peter Lehmann, Institut für Business Intelligence (IBI), Stuttgart
1. Das Institut für Business Intelligence definiert Business Intelligence als einen ganzheitlichen Ansatz zur Integration von Strategien, Prozessen und Technologien, um aus verteilten und inhomogenen Unternehmens-, Markt- und Wettbewerberdaten erfolgskritisches Wissen über Status, Potentiale und Perspektiven zu erzeugen.
2. BI wird in den KMU weiter zunehmen, da die Kreditvergabe sehr stark von der unternehmerischen Transparenz von Unternehmensinformation abhängig ist (EU-Richtlinie Basel III).
3. Trends zeichnen sich ab: BI goes to KMU - Microsoft drückt massiv mit Excel 2010 und zukünftig mit SQL Server 2012 in diese Welt. Cloud Computing mit BI wird kommen. Hier zeichnen sich massive Trends in Deutschland ab. BI goes mobile - bring your own device! BI geht auf IPad und Co. Darauf fährt der C-Level ab.
4. Keine Frage, sondern ein MUSS! Früher galt: die Schnellen werden die Langsamen überholen, heute gilt: die Wissenden werden die Nicht-Wissenden überholen. BI als Nachrichtendienst des Unternehmens wird die C-Ebene mit Wissen versorgen. Wer nichts weiß, verliert. Und zwar schnell!
5. BI wird immer mehr branchen-neutral. Starter sind Banken, Versicherungen, Retailer. BI geht aber weiter vor: Qualitätssicherung, Logistik, Lean-Production, Materialwirtschaft. Vorteile: Wissen über die Dinge! Das bringt den Wettbewerbsvorteil. Wer nicht dabei ist, wer nicht (rechtzeitig) Bescheid weiß, verliert! So einfach ist das 2011.
6. BI ist doch da. Was soll die Frage? Mit Excel 2010 bringt Microsoft das Thema BI fast kostenlos auf den Desktop. Das ist bei den Unternehmen bloß noch nicht angekommen. Schauen Sie sich mal Pivoting an oder gar Powerpivot! Das ist BI pur! For free! Das weiß nur niemand! Microsoft wird 2012 noch stärker kommen, da bin ich mir sicher!

Wolfgang Mayer, Country Manager, MicroStrategy Austria
Wolfgang Mayer, Country Manager, MicroStrategy Austria

Wolfgang Mayer, Country Manager, MicroStrategy Austria
1. Kurz gesagt kümmert sich Business Intelligence um die Aufbereitung aller verfügbaren Daten in nutzbare Informationen. Business Intelligence ist dabei im eigentlichen Wortsinne als "Tieferes Wissen über das eigene Geschäft" zu verstehen.
2. Im ersten Hype Anfang des Milleniums haben viele große Unternehmen in ihre BI-Projekte investiert und stoßen heute an technologische Limitierungen. Deshalb hinterfragen derzeit viele Organisationen ihre Entscheidungen und suchen nach zukunftsfähigen Lösungen. Konsolidierung der Reporting-Landschaften ist hier ein Stichwort.
Effizientere Technologie, durchgängige logische Datensicht, und neue Ausgabemedien wie iPad/iPhone und die mobile Nutzung im Allgemeinen haben die Anforderungen an die Technik in die Höhe geschraubt. Dazu kommen veränderte Ansprüche der Fachbereiche die schnellere und einfachere Zugänge zu den vorhandenen Informationen verlangen.
3. Die globalen BI-Trends wie die mobile Nutzung von Business Intelligence, explodierende Datenmengen (Big Data), Social Media Integration und erste Überlegungen zu Cloud basierten BI-Systemen kommen Schritt für Schritt auch nach Österreich. Gefragt sind Ansätze, die rasch umzusetzen sind und im Vergleich zu bestehenden Lösungen einen nachweisbar besseren TCO haben.
Die User suchen nach mehr "Self Service"-BI. Die Interaktion zwischen IT und Fachbereich muss einfacher und schneller werden. Je mehr die Anwender ohne zentrale Abteilungen umsetzen können, desto höher die Akzeptanz.
Soziale Netzwerke sind der Top-Hype, Unternehmen bekommen neue Möglichkeiten, mit diesen Daten in die direkte B2C-Marketing und -Service Kommunikation einzusteigen. Dies öffnet neue Kanäle, für die MicroStrategy heute schon zum Beispiel in der Interaktion mit Facebook Lösungen anbieten kann. Business Intelligence verbreitet sich auch bei den KMUs.
4. Im KMU-Umfeld geht es um die rasche Integration mit den bestehenden Systemen ohne großen Know-how-Aufbau und Infrastruktur-Investitionen. Das geht nur mit flexiblen Einstiegslösungen, die wie die Reporting und Mobile Suite teilweise sogar kostenlos angeboten werden.
Cloud-Angebote sind ideal, da der Kunde nur mehr sein Business-Know-how einbringen muss und wir die BI-Umgebung von der Datenbewirtschaftung bis zum Reporting anbieten können. Die Antwort ist daher nicht, ob sich so etwas rentiert, sondern wie schnell man anfangen kann.
5. Branchenunabhängig macht eine BI-Lösung dort Sinn, wo Organisationen auf Grund von unterschiedlichsten Zahlen und Parametern Entscheidungen treffen müssen. Der Klassiker ist natürlich der Finanz- und Controlling-Bereich,
Branchen, die mit hohen Anwenderzahlen, Datenmengen oder auf einem hohen Detailgrad agieren, wie zum Beispiel im Handel, Versicherungen, Telekommunikationsanbieter oder Banken, haben natürlich das größte Potential für unternehmensweites Reporting und Steuern. Aktuell erkennen aber auch viele produzierende Unternehmen welche Potentiale noch in den Daten aus Vertrieb, Marketing und Herstellung stecken.
6. Unabhängig von der Größe des Unternehmens ist BI nur ein Werkzeug, das auf Basis der vorhandenen Daten hilft, Entscheidungen zu fundieren. Für eine optimale Nutzung ist daher eine bewusste Ausrichtung des Unternehmens an den zu definierenden Kennzahlen notwendig. Erst wenn alle in der Organisation über eine Wahrheit reden, können die Potentiale richtig genutzt werden. Inseln mit "lokalen" Wahrheiten, oder mal schnell zusammen geklickte Berichte mit spontanen Analysen bringen nicht wirklich voran. Bei der Wahl des Werkzeugs sollte man daher von Anfang an darauf achten, dass dieses auch noch "funktioniert", wenn jeder im Unternehmen darauf Zugriff haben soll, oder vielleicht sogar Kunden und Lieferanten mit eingebunden werden.
Mit der MicroStrategy Reporting Suite oder der Mobile Suite können kostenfrei erste Anwendungen für bis zu 100 Anwender auch auf SAP BW Basis erstellt werden, die jederzeit skalierbar sind und sich den Anforderungen anpassen. Gerade mit einem mobilen Reporting lassen sich viele neue Ideen im Unternehmen umsetzen.

Univ.-Prof. Dr. Friedrich Roithmayr, Institut für Wirtschaftsinformatik, Uni Linz
Univ.-Prof. Dr. Friedrich Roithmayr, Institut für Wirtschaftsinformatik, Uni Linz

Univ.-Prof. Dr. Friedrich Roithmayr, Institut für Wirtschaftsinformatik, Uni Linz
1. BI ist eine Methodik der Datenaufbereitung (Sammlung, Analyse, Diagnose u. a.) zum Zweck der verbesserten strategischen, aber auch operativen Steuerung von Organisationen. Der Datenbegriff ist hier nicht nur quantitative, sondern auch qualitativ zu sehen. Mit Hilfe analytischer Modelle (Data Mining,...) werden nicht nur Daten des eigenen Unternehmens, sondern auch jene der Mitbewerber, des Marktes, volkswirtschaftliche und politische, in der Analyse berücksichtigt - also eine ganzheitliche Sicht. Der hohe Grad der Automatisierung und der Methodikorientierung sind integrierende Merkmale.
2. Große Anbieter (SAP, Microsoft, Oracle ...) rechnen jährlich mit zweistelligen Zuwachsraten. Bei Großunternehmen wird die jährliche Zuwachsrate meines Erachtens nicht über 10% liegen - eher erheblich darunter. Bei KMUs wird eine nennenswerte Zuwachsrate erst dann zu vermelden sein, wenn es gelingt den Nutzen, wie vorhin dargelegt, nachzuweisen.
3. BI auf Reporting zu reduzieren ist zu dünn gegriffen. Forecaster, die der zweistelligen Entwicklung das Wort reden, machen dies üblicherweise. BI im hier verstandenen Sinne, wird bei Installationen wie SAP, Oracle und anderen meist integriert - wie weit eine umfassende Verwendung im Unternehmen existiert, ist zu hinterfragen. Erst wenn nachweislich Erfolge in der Verbesserung der Wertschöpfung, der verbesserten Risikoabschätzung usw. gegeben sind, ist mit einem nachhaltigen Wachstum zu rechnen.
4. Eng verbunden mit dem Begriff BI ist der Begriff "Business Performance". Erst wenn es gelingt, den KMUs nachzuweisen, dass durch Einführung von BI eine Performanceverbesserung der Geschäftsprozesse erfolgt - also die Wertschöpfung gesteigert werden kann - ist mit einem Durchbruch zu rechnen. Organisationen sollen sich zuerst ihre logischen Modelle bauen und dann erst schauen, was der Markt zur Lösung bietet - nicht den umgekehrten Wege gehen wie das häufig passiert.
5. BI wird sich primär dort durchsetzen, wo eine Vielzahl qualitativer und quantitativer Daten zu diagnostizieren sind (also ein hoher Komplexitätsgrad und Kompliziertheitsgrad existieren), das ist unter anderem der Banken- und der Versicherungssektor. Aber auch im öffentlichen Bereich bieten sich hervorragende Einsatzgebiete. BI bietet die Chance, Methoden die zur Datenanalyse in den letzten 50 Jahren entwickelt wurden - die aus welchen Gründen auch immer bislang nur in geringem Maßen eingesetzt werden - zu reaktivieren, um so die Wertschöpfung der Organisation zu steigern.
6. BI-Lösungen sollen nach einem Phasenkonzept - wie wir das am Institut für Wirtschaftsinformatik der Uni Linz einsetzen - evaluiert bzw. implementiert werden.
- Vorstudie: Hier soll bei geringem Aufwand eine Entscheidungsgrundlage für den Einsatz von BI-Systemen erarbeitet werden. Vor allem ist zu klären in welchen Geschäftsprozessen mit BI-Ansätzen eine Steigerung der Business Performance erreicht werden kann.
- Feinstudie: Führt die Phase 1 zu einem positiven Ergebnis ist ausgehend von der Ist-Situation der Sollzustand zu erarbeiten.
- Feinprojektierung und Ausschreibung.
- Implementierung.

Erkan Utku, Business Analytics Alps, IBM
Erkan Utku, Business Analytics Alps, IBM

Erkan Utku, Business Analytics Alps, IBM
1. Es gibt viele individuelle Definitionen von Business Intelligence. Im Grunde handelt es sich dabei um Software-gestützte Methoden, mit denen sich Anforderungen wie Geschäftsanalytik, Berichte, Dashboards, Scorecards, Analyse und Planung - idealerweise auf nur einer Plattform erfüllen lassen. Die eigentliche Idee und Zielsetzung der Business Intelligence ist die Schaffung einer Erkenntnis- und Wissenskultur, damit im Unternehmen und in der Organisation bessere strategische und taktische Konzepte realisiert werden können. Zugleich hilft BI Unternehmen und Organisationen, ihr Geschäft transparenter zu machen und es besser auszurichten.
2. Selbstbedienungs-BI, Social Media, kollaborative Entscheidungsplattformen, schnelle In-Memory-Technologien: Diese aktuellen Faktoren bestätigen, dass sich der Markt für Business Intelligence massiv verändert und kontinuierlich nach vorne entwickelt.
4. Auch die kleinen und mittleren Betriebe müssen sich mit den Daten auseinandersetzen. Auch diese Unternehmen brauchen Informationen für ihre Entscheidungsfindungen. Wir haben für alle Größen Lösungen im Portfolio.
5. & 6. Empfehlungen:
- Nicht Hals über Kopf in die Implementierung stürzen - Vorarbeiten durchführen (40% Konzeption, 30% Implementierung, 30% Lasten-Text im Echtbetrieb).
- Würfel-Dimensionengestaltung, etc.
- Datenqualität sicherstellen
- Zusammenspiel mit der vorhandenen IT-Umgebung
- User-Akzeptanz




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 