Die QlikTech-Manager können sich freuen: Ihr Unternehmen floriert. 2009 lag der weltweite Umsatz bei 157,4 Mio. US-Dollar, ein sattes Plus von 33 % gegenüber dem Vorjahr. 2010 konnte der Umsatz auf 226,5 Mio. US-Dollar gesteigert werden. Auch die Mitarbeiterzahl stieg rasant. Im Vorjahr waren es weltweit rund 650 Mitarbeiter, derzeit werden vom Unternehmen 967 angegeben. In der DACH-Region selbst sollen es im Moment rund 100 sein.
Österreich wurde bis dato über die DACH-Zentrale mit Sitz in Düsseldorf und eine kleine Niederlassung in Wels/OÖ. betreut. Das soll sich noch heuer ändern. QlikTech will in Wien eröffnen, um damit den heimischen Markt zu erobern. Mit Jürgen Mörth, zuvor Vertriebsleiter bei S & T, wurde im Mai ein neuer Country-Manager für Österreich bestellt.
In der derzeitigen Lösung QlikView 10 stecken laut Aussage des Unternehmens "15 Jahre In-Memory-Technologie". Dabei werden die Daten im Arbeitsspeicher direkt verknüpft und dort auch gleich analysiert. QlikView 11 soll auf der Kundenkonferenz im Herbst erstmals präsentiert werden. Nach Angaben von GLG Research hatte QlikTech im Jahr 2009 etwa 13.000 Kunden, laut QlikTech sollen es jetzt schon 21.000 sein.
Wie schätzen Sie den BI-Markt in der DACH-Region ein?
Die Nachfrage nach Business Intelligence Anwendungen ist sowohl in der DACH-Region als auch weltweit sehr hoch. IDC prognostiziert für die DACH-Region ein durchschnittliches Wachstum von mindestens 5 % bis 2014.
Was ist an Österreich besonders?
Österreich ist geprägt von mittelständischen Unternehmen. Traditionell haben die IT-Abteilungen in oft langwierigen Prozessen die benötigten Analysen geliefert. Mit "Business Discovery" können dies nun die Anwender in den jeweiligen Fachabteilungen mit wenigen Klicks selbst übernehmen und so schneller auf Marktveränderungen reagieren.
Welche Vorzüge bietet QlikView?
QlikView setzt wie gesagt auf "Business Discovery". Die Anwender haben damit den kompletten Überblick über die Daten sowie die Erstellung eigener Applikationen. Ein großer Vorteil ist die speicherbasierte In-Memory-Technologie: Per Mausklick können die Daten schnell und einfach analysiert werden. Die Bedienung ist durch die farbcodierte Oberfläche grün-weiß-grau sowie die Steuerung per Mausklick wirklich intuitiv. QlikView lässt sich in alle Systeme integrieren, egal ob Anwendungen wie Oracle, SAP und Salesforce.com, Datenbanken wie SQL Server, MySQL und Oracle, Data Warehouses oder kundenspezifische Anwendungen, die auf diese Systeme aufsetzen. Auch auf mobilen Endgeräten ist der Zugriff heute möglich.
Sie haben ja im Mai auch eine Präsentation in Wien gemacht, wie war das Echo?
Unsere Business-Discovery-Roadshow war überall, auch in Wien, sehr gut besucht: Wichtig war uns, allen Teilnehmern die Möglichkeit zu bieten, die Software live zu testen. Außerdem lieferten einige Kunden Einblicke in ihre Projekte, etwa Dallmayr Kaffee, Vaicon Vaillant Consulting, Karstadt Warenhaus oder Siempelkamp Maschinen- und Anlagenbau. Birgit Kühn, IT-Projekt-Managerin bei Pierre Lang, zeigte einen Projektverlauf, bei dem sich QlikTech durch schnelle erste sichtbare Ergebnisse und guten Projektfortschritt abhob. Gut für uns: Auf der Roadshow haben sich gleich einige interessante neue Kundenprojekte ergeben.
Können Sie ein paar österreichische Kunden-Projekte kurz beschreiben?
Bei Pierre Lang Europe arbeiten insgesamt 70 Mitarbeiter mit QlikView. Sie erstellen Umsatzreports und Wirtschaftlichkeitsanalysen und analysieren beispielsweise Produktgruppen und Regionen. Ausgewertet werden rund 160 Mio. Datensätze aus dem Vertrieb sowie weitere 100 Mio. aus dem Finanzwesen. Das Projekt wurde vom QlikView Elite Solution Provider 4relation realisiert.
Ein typisch mittelständischer Kunde ist die Obermurtaler Brauerei, wo 35 Mitarbeiter QlikView für Umsatzreports, Wirtschaftlichkeitsanalysen, Analysen von Kundensegmenten, Produktgruppen oder Regionen, nutzen. Dabei werden rund 7,2 Millionen Datensätze analysiert. Umgesetzt wurde das Gesamtprojekt über unseren Partner Terna.
Rund drei Mio. Datensätze stehen im Mittelpunkt bei ruwido. Der Anbieter für Fernbedienungen und Keyboards verarbeitet und analysiert mit QlikView Daten für die übersichtliche Darstellung aller relevanten Lagerkennzahlen. Gleichzeitig zeichnet sich durch die hohe Datentransparenz eine effizientere Lagerhaltung ab. Hier übernahm unser Partner Lerox die Implementierung und das Aufsetzen erster Anwendungen. Auch im Lebensmittelbereich wird unsere Analyse- und Reporting Software genutzt: Der Sekt- und Spirituosenhersteller Schlumberger setzt QlikView im Controlling ein.
Welche Zielgruppe wollen Sie besonders ansprechen und wie? Sind KMUs bereits "BI-reif" oder gibt es hier noch viel nachzuholen?
Für uns ist der Mittelstand neben dem Großkundengeschäft ein sehr wichtiges Marktsegment, denn gerade KMU benötigen definitiv BI-Lösungen. Der Mittelstand steht heute ebenso wie Großunternehmen unter einem enormen Druck, seine Zahlen genauer, besser und schneller analysieren zu müssen. In vielen mittelständischen Firmen wird leider immer noch Excel für die Datenanalyse verwendet. Spätestens wenn die Datenmengen im Laufe der Zeit sehr groß werden, sind umfangreiche Analysen da nur noch schwer möglich. Zudem entstehen durch die Weitergabe und Konsolidierung von Daten aus unterschiedlichen Abteilungen oft Brüche, die das Prinzip der "single source of truth" ad absurdum führen.
Wie sehen Ihre Ziele und Strategien für 2012 in der DACH-Region aus?
Natürlich wollen wir auch 2012 weiter wachsen. Die Chancen dafür sind denke ich sehr gut, so wird unserem Business-Discovery-Ansatz von Gartner unter dem Begriff "Data Discovery" großes Wachstumspotential vorausgesagt. Wir planen nächstes Jahr, unseren Partnerkanal mit dem Fokus auf Solution Provider und Systemintegratoren weiter auszubauen, um noch mehr Wachstumspotential zu erschließen. Mit unserer "Land and expand"-Strategie wollen wir die Präsenz bei existierenden Großkunden ausbauen und das Neukundengeschäft weiter vorantreiben. Mit Jürgen Mörth haben wir jetzt einen sehr erfahrenden Sales Director eingestellt, der unsere Geschäftsaktivitäten in Österreich verantwortet.
Können Sie mir auch schon verraten, wann und wo das Büro in Wien eröffnet werden soll?
Wir schauen uns aktuell nach verschiedenen Objekten um und befinden uns im Auswahlprozess.




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 