Das wäre vor zehn Jahren undenkbar gewesen: Manager, die via Smartphone oder Tablet praktisch in Echtzeit Vertriebszahlen oder Berichte abrufen. Heute ist das nicht nur möglich, sondern der Trend zur Mobilität - überall, jederzeit Datenabruf - ist nicht mehr wegzuleugnen. Auch im sensiblen ERP-Bereich, wo doch Sicherheit und vielerlei Bedenken im Raum stehen. Der Markt ist gerade deswegen auch wieder in Bewegung geraten.
"In Österreich tut sich einiges, es kommen auch immer wieder Anbieter von Deutschland herein", bestätigte Christoph Weiss, Unternehmensberater und ADV-Vorstandsmitglied (Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung), der die ERP-Tagung nach seinem Eingangsreferat auch moderierte. Weiss bezeichnete den Markt allerdings als "Haifischbecken", als Beispiel zitierte er den Kauf von J.D Edwards durch Peoplesoft. Dieses Unternehmen wurde danach von Oracle "geschluckt".
Weiss warnte gleichzeitig vor der nach wie vor üblichen Praxis der "Golfplatz-Entscheidung", bei der SW-Auswahl. "Die einzige richtige Variante ist eine gezielte Analyse mit Formulierung von Anforderungen/Pflichtenheft, Angebot-Vergleich und schließlich Entscheidung für ein System", sagte Weiss vor rund hundert Tagungsteilnehmern. Er nannte dann fünf ERP-Trends: Mobile Anwendungen, hybride Betriebskonzepte (SAP, Cloud), Internationalisierung ("Global ERP"), Innovations durch Branchen-Fokus sowie die funktionale "Komplettierung" von ERP-Systemen. Letzter Trend zielt auf eine immer komplexere "größere" Lösung ab, damit beginnt sich der Kreis auch in Richtung Business Intelligence (BI) zu schließen. Womit klassische einfache "Nur"-ERP-Lösungen offenbar in Zukunft eher das Nachsehen haben werden.
Mobilität in Lager und Logistik

Keine Golfplatzentscheidung bei der Softwareauswahl, sondern zu einer gezielten Analyse rät Christoph Weiss, Consulter und Moderator der ADV-Tagung (Foto: Christine Wahlmüller)
Als "Nonplus-Ultra an Hardware im Bereich Lager und Logistik", bezeichnete er Intermec-Handhelds. Ob Wareneingang, Inventur oder Lagerumbuchung - alles ist mobil möglich. "Generell sollte es im mobilen Bereich möglichst wenig manuelle Eingaben geben, denn es soll ja schnell gehen", sagte Bartetzko. Andererseits müssen die Abläufe überdacht werden, denn etwa bei der Umbuchung im Lager sollte der Mitarbeiter vor dem Regal stehen, da mache eine manuelle Eingabe durchaus Sinn. Neben der Lagerumbuchung sind heute bei der Walther Flender-Gruppe auch die Versandautomation, der automatische Rechnungs- und Lieferscheindruck sowie die mobile Belegerfassung inklusive Dokumenten-Scan realisiert. Außerdem gibt es eine mobile Personal- und Zeiterfassung.
Intuitive Bedienung via Webrowser
Markus Hirth, IT- und Controlling-Leiter beim Spielzeughersteller "John Toys" präsentierte als Anwender die Lösung "Semiramis". Seit 2003 hat Hirth das System bereits im Einsatz, die Einführung erfolgte damals durch Seeburger. Heute kann man sich ganz einfach via Webbrowser überall jederzeit einloggen, wie Hirth auf der Tagung auf seinem Laptop demonstrierte. Die Bedienung der Software ist einfach, die Oberfläche ist stark an die MS-Office-Familie angelehnt. Über ein "Vertriebscockpit" kann etwa jederzeit der Auftragsstatus eingesehen werden, auch eine Auflistung aller verkaufter Artikel ist möglich. Auch alles rund um Rechnungslegung, -druck, und -versand wird via Semiramis gesteuert. Die Rechnung kann wahlweise über E-Mail, Fax oder Direktdruck ausgegeben werden und wird im Archiv abgelegt. 40 Mitarbeiter nutzen die Lösung, derzeit wird an der Einführung von "Semiramis mobil" für das iPhone gearbeitet. "Der Echtbetrieb soll noch heuer erfolgen", sagte Hirth.
Den österreichischen Markt will jetzt IFS erschließen. "Wir halten uns für einen der weltweit führenden ERP-Anbieter", meinte IFS-Referent Hans-Jürgen Schöpf selbstbewusst. Im deutschsprachigen Bereich hat IFS fünf Niederlassungen, Oracle fungiert als DB-Partner. Auch Schöpf betonte die "intuitive, webbasierte Benutzeroberfläche". Die Lösung ist vor allem für die Branchen Industrie- und Anlagenbau sowie Luftfahrt und Verteidigung konzipiert. Kunden sind etwa die deutsche Sportartikelhersteller Völkl, der deutsche Motorexperte FEV, AOA Apparatebau, Bachmann Electronic sowie seit Juni das Wiener Mess- und Regeltechnikunternehmen Sauter.
Einblick in die Ausbildungsseite gab WU-Prof. Alexander Prosser. SAP ist seit 1994 fixer Bestandteil der BWL Ausbildung an der Wiener Wirtschaftsuni, seit dem Jahr 2000 ist zudem englisch Unterrichtssprache. Auch Trendthemen wie Cloud Computing und Mobility werden den Studenten vermittelt. "BWL-Studenten müssen immer mehr lernen, Prozesse via IT-System optimal ablaufen zu lassen", so Prosser.




1/2012
8/2011
7/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 