Nedzad Fajic wurde im Frühjahr 2011 zum neuen Regional Vice President DACH Channels beim Businesssoftware-Anbieter Infor bestellt. In seiner neuen Position hat er die Verantwortung für das indirekte Infor-Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Infor zählt zu den größten Anbietern von Unternehmenssoftware weltweit. Erst vor wenigen Monaten wurde der stark branchenorientierte ERP-Anbieter Lawson übernommen.
Herr Fajic, herzlichen Glückwunsch, zur neuen Position als Regional Vice President DACH Channel bei Infor. Welche Pläne haben Sie für die DACH-Region?
Danke für die Glückwünsche. Infor sieht sich als Software-Unternehmen in der Verantwortung, den Markt der Geschäftslösungen beständig mit Innovationen herauszufordern. Um das zu erreichen, setzen wir ganz aktuell weitreichende Pläne in die Tat um. Avisiert ist eine Erweiterung der Partnerlandschaft durch die regionale, vertikale und funktionale Vertiefung zusammen mit den bestehenden Partnern.
Denn die Anforderungen – damit will ich gar nicht hinter dem Berg halten – werden wachsen. Dafür suchen wir weitere Partner für unsere Wachstumsthemen wie Performance Management (PM) oder Enterprise Asset Management (EAM). Wir arbeiten auch mit Experten zusammen und stellen unseren Kunden umfangreiches Erfahrungswissen in ihrer jeweiligen Branche zur Verfügung.
Welche Rolle spielen die Channel Partner – ganz besonders auch jetzt nach der Übernahme von Lawson?
Aktuell erwirtschaften Infors Channel Partner nahezu ein Viertel des Umsatzes im Lizenz-Geschäft. Unsere globale Vision ist es, den Umsatz, den die Channel Partner generieren, über die kommenden drei Jahre zu verdoppeln. Auch die Zahl der Vertriebspartner wollen wir in diesem Zeitraum verdoppeln. Aktuell haben wir weltweit etwa 700 Reseller, 250 davon in der Region EMEA, dazu kommen noch Systemintegratoren und andere IT-Dienstleister.
Auch in Österreich sehe ich ein vielversprechendes Potenzial für neue Infor-Partner. Das bestätigen auch Studien. So rechnen zum Beispiel hinsichtlich des IT-Projektgeschäfts die Analysten von PAC ab 2011 für den österreichischen Markt mit deutlichem Wachstum. Es ist also eine Zeit der Herausforderungen.
Wie unterstützt Infor die Partner?
Infor hat mit dem Infor Partner Network (IPN) ein neues, globales Vertriebsnetzwerk entwickelt, um die Channel-Partner noch tatkräftiger in ihrer Arbeit zu unterstützen. Die Partner profitieren dabei unter anderem von attraktiven Provisionssätzen, neuen Leistungsprämien, einem umfassenden Schulungs- und Zertifizierungsprogramm sowie einem Finanzierungsprogramm für Marktentwicklungsmaßnahmen (Market Development Funding - MDF).
Auch unsere Produktenwicklung stützt diesen Weg. Infor hat in den vergangenen Monaten Infor ION, Infor Workspace und Hunderte von Produktverbesserungen veröffentlicht. Infor ION ist eine neue Interoperabilitätsplattform, mit der Kunden über mehrere Anwendungen hinweg einheitliche Funktionalitäten in den Bereichen Reporting und Analyse, Workflow, Business Monitoring und Ausnahme-Benachrichtigungen bereitstellen können. Infor Workspace stellt eine einheitliche Benutzeroberfläche zur Verfügung. Damit bieten wir Endanwendern basierend auf Microsoft Sharepoint Technologie neue Möglichkeiten effektiv zu arbeiten. Funktionalitäten wie Single Sign On, Aufgabenlisten und Einbindung fremder Applikationen erleichtern ihre täglichen Arbeitsabläufe.
Welche Ziele und Wachstumspläne haben Sie speziell für Österreich?
Knapp ein Drittel der österreichischen Unternehmen haben eine an der Geschäftsstrategie ausrichtete IT-Strategie, das ergab eine aktuelle Umfrage unter IT-Entscheidern. Nichtsdestotrotz rangiert ERP unter den wichtigsten Themen aus der Sicht des Business. Bei der Bereitschaft zum Umstieg auf neue IT-Systeme verhalten sich österreichische Unternehmen eher ambivalent.
Tendenziell zeigen sich unsere Kunden aber aufgeschlossen für neue Ansätze. Gefragt sind in erster Linie Vereinfachung und Flexibilisierung der Systeme. Es geht darum, die bestehende IT-Infrastruktur flexibler auszurichten, etwa durch Customizing oder einen modularen Aufbau. Oft soll auch die Effizienz der Mitarbeiter gesteigert werden, die jeweilige Anwendung näher ans Tagesgeschäft zu rücken. Diesen Themen begegnen wir mit aktuellen Entwicklungen wie Infor ION und Infor Workspace.
Und beim Thema Cloud Computing?
Infor hat international ein starkes Wachstum mit seinen Cloud-basierten Anwendungen erzielt: Mehr als 500.000 Anwender nutzen bereits Infor-Lösungen in einer mehr-mandantenfähigen Cloud-Umgebung. In Österreich ist Cloud-Computing in der öffentlichen Verwaltung längst ein wichtiges Thema. Ein großer Teil der IT-Entscheider übt sich hier aber noch in Zurückhaltung.
Eines steht aus meiner Sicht fest: Die Zukunft der IT liegt in der Cloud, aber auf dem hiesigen Markt bleibt man gern mit beiden Beinen am Boden. Eine Befragung des Beratungsunternehmens IDC vom Anfang dieses Jahres hat ergeben, dass bereits jetzt mehr als 50 % der befragten Unternehmen eine Cloud-Lösung im Einsatz haben. Für diesen Paradigmenwechsel in Bereitstellung und Nutzung von IT und IT-gestützten Services sind wir bestens gerüstet.
Herzlichen Dank für das Gespräch.



1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 