Bereits im ersten Quartal 2011 stieg der Produktionswert um 17,3% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Wachstum der großen Sparten lag in diesem Zeitraum zwischen 9% bei langfristigen Anlagegütern, wie Motoren und Generatoren, und 26% bei elektronischen Bauelementen.
Mit der steigenden Kapazitätsauslastung erhöhte sich auch der Personalbedarf der Unternehmen. 2010 waren um 1.878 mehr Personen (+3,3%) beschäftigt als im Jahr 2009, im 1. Quartal 2011 stieg die Zahl der Beschäftigten gegenüber dem 1. Quartal 2010 um +2,9%. „Bedrohlich“ ist für Ederer daher der akute Fachkräftemangel. In sieben in einer aktuellen Blitzerhebung befragten EEI-Unternehmen werden derzeit 375 Techniker gesucht.
Wachstum kommt aus dem Export
Ausschlaggebend für die erfreuliche Entwicklung sind die starken Wachstumsimpulse aus den Exportmärkten. Die Ausfuhren stiegen 2010 um 17,5%. Über 80% der Aufträge in der Elektro- und Elektronikindustrie kommen mittlerweile aus dem Ausland. Die EU ist mit knapp 66% Exportanteil der wichtigste Handelspartner. Die Unternehmen haben 2010 in erster Linie vom Konjunkturaufschwung in Deutschland profitiert. Im ersten Quartal setzte sich der Anstieg fort (+17,2%). Es wurden um 12,7% mehr Güter in den EU-Raum exportiert als in den ersten drei Monaten 2010. An zweiter Stelle der Handelspartner liegt seit Jahren konstant Asien mit einem Anteil von 14% (+23,5% im 1. Quartal 2011). Insgesamt werden mehr als 70% der Güter der Elektro- und Elektronikindustrie exportiert. Besonders stark nachgefragt sind Produkte, Systeme und Komponenten für innovative Umwelt-, Klima- sowie Informations- und Kommunikationstechnologien.
Die Zukunft wird grün
Für Ederer steht fest, dass die Elektroindustrie in den nächsten Jahren eine Schlüsselbranche und Wegbereiter für Innovationen, Wachstum und Wohlstand ist. Insbesondere die Megatrends wie Globalisierung, Urbanisierung, Megacities, Energie- und Klimaschutz sowie die Alterung der Weltbevölkerung werden den technischen Fortschritt und damit das Wachstum der Branche vorantreiben. „Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass der nächste Kondratjew-Zyklus durch grüne Technologien eingeleitet wird. Auch für die österreichische Elektro- und Elektronikindustrie würde das einen wirtschaftlichen Aufschwung für viele Jahre bedeuten, denn dank ihrer hohen Innovationskraft sind viele unserer Unternehmen bereits heute in den genannten Bereichen Technologieführer und brillieren auf den internationalen Märkten“, prognostiziert die FEEI-Präsidentin. Kurzfristig ist ein weiterer Anstieg des Produktionswertes jedenfalls fix. „Die Auftragsbücher der Unternehmen sind gut gefüllt. Im 1. Quartal 2011 verzeichneten wir um 7,4% mehr Auftragseingänge als im Vorjahreszeitraum.
Zukunftsbranche und trotzdem Fachkräftemangel
Für die Realisierung der langfristigen Vision ist neben industriefreundlichen Rahmenbedingungen die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Mitarbeitern eine notwendige Voraussetzung. „Als rohstoffarmes Land ist das Know-how der Beschäftigten die einzige Ressource, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Industrie sichert“, erklärt Ederer. Doch genau da ist der Haken.
Obwohl die Elektro- und Elektronikindustrie mit ausgezeichneten Karrierechancen, der Möglichkeit Zukunftsthemen mitzugestalten oder auch dank hoher Bezahlung zu den attraktivsten Arbeitgebern zählt, können derzeit laut einer aktuellen Blitzumfrage allein in sieben EEI-Unternehmen 375 Technikerstellen nicht besetzt werden. Auch das AMS meldet österreichweit 419 freie Positionen im Bereich Elektrotechnik, Elektronik. „Insgesamt gehen wir von rund 1.000 fehlenden Fachkräften in der EEI aus. Um einen Techniker ins Unternehmen zu holen tun die Betriebe fast alles“, beschreibt FEEI-Geschäftsführer Lothar Roitner die schwierige Situation.
Die Personalsuche erstreckt sich meist über Monate, längst wird international rekrutiert, attraktive Löhne und Sozialleistungen oder das Angebot von außergewöhnlichen Entwicklungsperspektiven sollen die Gesuchten anlocken. Kurzfristig kann der Mangel mit Leihpersonal, innovativen Arbeitszeitmodellen oder mit verstärkten Weiterbildungsmaßnahmen abgefedert werden. Bessert sich die Situation aber nicht nachhaltig „müssen Projekte abgelehnt werden. Die Lieferfähigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit leiden. Schlimmstenfalls droht die Verlagerung der Produktion ins Ausland“, so Roitner.
Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie vertritt in Österreich die Interessen von rund 300 Unternehmen mit knapp 59.000 Beschäftigten und einem Produktionswert von 11,5 Milliarden Euro (Stand 2010).



1/2012
8/2011
7/2011


Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 