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Informationsmanagement

Enterprise 2.0 & Co

Chance und Risiko im Wissensmanagement

Nein, Wissensmanagement ist nicht tot! Ganz im Gegenteil: Wissensmanagement erlebt derzeit in der Wirtschaft unter den Vorzeichen von Web 2.0 erneut einen spürbaren Aufschwung. Doch das bringt auch Gefahren mit sich.

Werner Schachner, Anita Griesser

Dr. Werner Schachner ist Geschäftsführer der Succon Schachner & Partner KG und Mitglied im Programmkomitee, Organisator des Praxisforums der I-KNOW. (Bild: Succon)

Insbesondere zwei Größen sind es, die den spürbaren Aufschwung von Wissensmanagement unabhängig voneinander antreiben: Die aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit Web 2.0 sowie die gezielte Kombination von Wissensmanagement mit anderen Managementdisziplinen in Unternehmen.

So hilfreich Web 2.0 dem neuerlichen Fußfassen von Wissensmanagement in der Wirtschaft ist, so gefährlich können die im Web 2.0 aktuell beobachtbaren Entwicklungen der nachhaltige Etablierung von Wissensmanagement als anerkannte, eigenständige Managementdisziplin in der Wirtschaft werden.

Die Einführung neuer Web 2.0-Technologien verursacht heute, getrieben durch Open Source Software und Software as a Service (SaaS), meist keine großen Investitionen mehr. Derartige Technologien können in der Regel auch sehr rasch einsatzfähig gemacht werden. Diese Tatsache ist unter anderem ausschlaggebend dafür, dass sich aktuell unter dem Stichwort "Enterprise 2.0" der vermehrte Einsatz von Wikis, Blogs und Social Software-Anwendungen nach dem Muster von Facebook und XING im Geschäftskontext beobachten lässt.

Von all diesen Anwendungen wird erwartet, dass sie im Sinne von Wissensmanagement wirken, viele von ihnen laufen auch offiziell unter dem Titel "Wissensmanagement".

Technologieorientierung nimmt zu

Mag. Anita Griesser ist als studierte Betriebswirtin Assistentin der Geschäftsführung der Know-Center GmbH und Organization Chair für die I-KNOW 2011. (Bild: Succon)

Mit dieser Entwicklung hat im Wissensmanagement die Technologieorientierung wieder eindeutig an Gewicht gewonnen. Die in der Einführung neuer Web 2.0-Technologien aktuell gewählten Vorgehensweisen erinnern dabei sehr an die ebenfalls technologiegetriebenen und von Datenbanklösungen dominierten Anfänge im Wissensmanagement.

Wie damals wird auch heute häufig auf eine saubere Konzeption vergessen oder es wird bewusst darauf verzichtet. Wie damals entstehen so Lösungen im Wissensmanagement, die zwar technisch bestens funktionieren, jedoch auf Seiten der User weder das nötige Verständnis, noch die nötige Akzeptanz erreichen. In Folge verfehlen diese Lösungen - wie damals - auch ihre erhoffte Wirkung.

In der anfänglichen Entwicklung im Wissensmanagement war ein kosten- und zeitintensiver Lernprozess nötig, ehe der Mensch mit seinen Bedürfnissen und später auch die Organisation mit ihren Rahmenbedingungen, Strukturen und Strategien in den Mittelpunkt der Überlegungen zu Wissensmanagement rückten. In den Zeiten von Enterprise 2.0 & Co werden all diese mühsam erarbeiteten Erkenntnisse rund um Wissensmanagement vielerorts wieder ignoriert. Eine Vielzahl der aktuellen, webbasierten Wissensmanagementinitiativen sind damit in Unternehmen zwar rasch gestartet, leider aber auch rasch wieder zu Ende. Und das stellt für den eingangs erwähnten, aktuell spürbaren Aufschwung von Wissensmanagement in jedem Fall eine echte Gefahr dar.

Zielsetzung nicht aus Augen verlieren

Bleibt nur zu hoffen, dass sich Unternehmen in ihren Web 2.0 Bemühungen sehr rasch darauf besinnen

  • mit neuen Technologien vorrangig dort anzusetzen, wo sich im Sinne von Wissensmanagement und im Hinblick auf den Geschäftserfolg nachweislich positive Wirkung erzielen lässt. Und das muss nicht zwingend dort sein, wo aktuell die meisten Web 2.0-Technologien zum Einsatz kommen!
  • den Technologieeinsatz so zu planen, dass dabei eine bestmögliche Integration in den Arbeitsablauf erreicht wird. Nur wenn neue Tools keinen wesentlichen Mehraufwand verursachen und nicht vom gewohnten Arbeitsprozess ablenken, werden sie auch entsprechend genutzt!
  • für den Einsatz neuer Technologien eine umfassende Konzeption, Zielsetzung und laufende Erfolgsmessung durchzuführen. Ohne Zielsetzung und ohne Erfolgsmessung fehlt es an Orientierung. Ohne Orientierung ist es einzelnen nahezu unmöglich, den Nutzen von Web 2.0 Anwendungen für sich selbst, für Teams oder auch für das gesamte Unternehmen zu erkennen und dementsprechend "planmäßig" und im Sinne von Wissensmanagement zu agieren!

Dass es der Wirtschaft in breitem Maße gelingen wird, Web 2.0-Technologien erfolgreich, geschäftssteigernd und damit auch für die Etablierung von Wissensmanagement vorteilhaft zum Einsatz zu bringen, ist sicher. Dass dies relativ rasch und ohne große Rückschläge von statten geht bleibt nur zu hoffen!

Denn: Etwaige Rückschläge im Zusammenhang mit Enterprise 2.0, Social Software oder auch Social Media werden sich in jedem Fall auch auf das generelle Image von Wissensmanagement negativ auswirken. Und ob sich Wissensmanagement von einem neuerlichen "Absturz" noch einmal erholen kann, ist fraglich.

www.i-know.at

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WEB 2.0, Social Media
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Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. ..mehr..

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