Cloud Computing ist heute eines der größten Themen in der IT. Können Unternehmen öffentlichen Clouds trauen?
Wir erleben in der IT gerade wieder einen echten Wendepunkt. Vor 15 Jahren veränderte das Internet grundsätzlich die Art, wie Unternehmen operieren und Konsumenten agieren. Weitere 15 Jahre zuvor, in den frühen 1980er Jahren, hatte die PC-Revolution stattgefunden. Und nochmals 15 Jahre davor kamen mit dem Mainframe die ersten großen Computer auf den Markt.
Und nun steht die Cloud vor der Tür?
Genau. Cloud Computing ist kein Marketing-Schlagwort, es ist eine neue Realität. Die Wolke ist dabei an sich keine neue Technologie, sondern eine neue Möglichkeit, Technologie zu liefern, bereitzustellen und zu konsumieren. Früher hat es rund ein halbes Jahr gedauert, bis eine neue Lösung zur Verfügung stand. Nun greift man einfach über das Internet auf eine Applikation zu, die irgendwo auf einem Rechner liegt und sofort genützt werden kann - also frisch aus der Wolke kommt. Das Schöne daran: Man bekommt die Lösung sofort und zahlt nur für das, was wirklich benötigt wird.
Die neue Offenheit ist aber auch eine Herausforderung für die Sicherheit?
Gerade bei Cloud-Projekten muss zuvor klar definiert werden, welche Applikationen und Daten hochkritisch sind und welches Risiko und welche Kosten akzeptiert werden. Basierend darauf kann man entscheiden, ob gewisse Dienste von außen oder innen kommen. Bei der internen Variante lässt sich dann der herkömmliche Weg oder der Cloud-Weg beschreiten. Es wird also eine interne Wolke geschaffen. Das bedeutet, dass die eigene Umgebung virtualisiert wird und so fast die gleichen Möglichkeiten in Sachen Flexibilität geschaffen werden wie bei externen Cloud-Lösungen. Eine interne Cloud funktioniert wie ein interner Vertrag. Die IT-Kosten lassen sich damit ebenfalls klar zuordnen.
Lassen sich bei Bedarf auch einfach externe Dienste integrieren?
Sicherlich, das ist eine Frage der Strategie. Ich kann beispielsweise für das Weihnachtsgeschäft schnell auf externe Ressourcen in der öffentlichen Cloud zugreifen. Studien sprechen von enormen Einsparungen durch Cloud Computing.
Was ist erforderlich, um das Maximum aus der Wolke herauszuholen?
Das hängt von der Tiefe der Implementierung der Cloud-Technologien ab. Wenn man in Richtung Cloud geht, muss zuerst die Virtualisierung der Server, der Daten und in einem nächsten Schritt der Desktops in Angriff genommen werden. Die Einsparungen hängen von der Stärke der Virtualisierung der IT-Umgebung ab.
In welcher Höhe sind Einsparungseffekte möglich?
Es geht hierbei um ein langfristiges Projekt. Die Einsparungen fallen nicht auf einmal an. Wichtig ist zuerst die Evaluierung der eigenen Systeme. Man kann die IT nicht automatisieren, wenn zuvor keine Virtualisierung durchgeführt wurde. Software as a Service ist dann sicher die ultimative Lösung im Rahmen des Cloud Computings. Wir helfen unseren Kunden bei der Suche nach dem richtigen Weg.
Alles auf einmal zu machen ist also nicht unbedingt die beste Lösung?
Das geht nur, wenn man wirklich von Null an mit einem Geschäft starten kann. Da wird man keinen Server mehr kaufen, sondern einfach die Services von Google, Microsoft oder anderen Anbietern nutzen. Dazu kommen noch Accounting-, Sales- und Order-Lösungen über ein SaaS-Modell. Der Schlüssel zum Erfolg ist, die neuen Technologien zu implementieren und alle IT-Assets so schnell wie möglich zu automatisieren. Die Einsparungen fallen unter anderem direkt bei den IT-Kosten sowie den - durch die Automatisierung -reduzierten IT-Ausfällen an. Sie lassen sich in allen Bereichen erzielen. Die durchschnittliche Auslastungsrate von Servern liegt in Unternehmen bei weniger als 25 %. Virtualisierung meint, dass man anstatt mit 1000 Servern nun mit 500 Servern auskommt und noch immer reichlich Reserven hat.
Wie wird Cloud Computing die IT- und Geschäftswelt in den nächsten fünf Jahren verändern?
Die IT-Welt wird nach der Cloud eine komplett andere sein. Es handelt sich um einen echten Meilenstein in der IT-Geschichte. Das Konzept ist sicher nicht völlig neu, wenn man auf die 90er-Jahre zurückblickt. Da kamen die ASPs auf (Application Service Provider). Aber die ASPs konnten nie wirklich abheben. Es fehlte die Bandbreite im Internet und die passende Software-Architektur. Mit der Wolke sind Unternehmen heute viel beweglicher, um Produkte deutlich schneller auf den Markt zu bringen.
In all diesen neuen, teils gemischten Echtzeit-Umgebungen, sind Datenmanagement- und Backup- sowie Storage-Strategien essentielle Punkte?
Zu dieser Diskussion ist die jüngste E-Cloud-Ankündigung von Apple ein gutes Beispiel. Anstatt Daten auf dem iPad oder Mac zu speichern, sorgt sich nun Apple um die zentrale Speicherung. Sicherlich, wenn der Dienst zuverlässig ist und die Daten immer verfügbar sind, dann werde ich diese Möglichkeit als Konsument nützen. Angewandt auf die Unternehmensebene: Wenn wir als IT-Unternehmen beispielsweise salesforce.com nutzen, dann sind alle unseren Daten, auch strategisch wichtige, außerhalb gelagert. Bei solchen Projekten geht es besonders auch um Verträge. Wie werden also die Dienste gestaltet und wie wird eine Vertrauensbasis geschaffen.
Welche Strategien zur Datensicherheit sind in Zeiten der Wolke nötig?
Das ist ein großes Thema. Für eine interne wie externe Datensicherheit ist generell ein gut geplantes Identity- und Access-Management erforderlich. Und vor allem ein klares Konzept zur Vermeidung von Datenverlusten. Ein aktuelles Beispiel ist der Fall Sony, wo sich jemand Zugang zu sensiblen User-Daten verschaffen konnte. Ein Data-Loss-Prevention-System kann so etwas verhindern. Zuvor müssen aber die eigenen Policies definiert und die Daten klassifiziert werden. Es genügt nicht, einfach eine Software zu nehmen.
"Mainframe against Server" ist eine lange Geschichte. Wird der Mainframe in den nächsten zehn Jahren aussterben?
Ich erinnere mich an die frühen 1990er, als Unix aufkam und Mitte der 90er die PCs und Intel-Server die Welt eroberten. Ein jeder hat damals prognostiziert, dass dies der Tod des Mainframes sei. Zwanzig Jahre später verweist IBM bei Mainframes auf ein zweistelliges Wachstum der verkauften Rechenleistung. Auch die Wolke wird den Mainframe nicht umbringen, er wird nur eine Evolution als eigene Plattform in der Wolke erfahren. Wir investieren kräftig in den Mainframe 2.0, für den wir ein neues, einfach zu bedienendes User-Interface entwickelt haben.




1/2012
8/2011
7/2011


Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 