Was sind die aktuellen Herausforderungen an ein modernes Rechenzentrum?
Wie man die höchstmögliche Verfügbarkeit, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit unter Wahrung aller Normen und Vorschriften sicherstellt: Das beinhaltet nicht nur technische Rahmenbedingungen wie zum Beispiel für die Energieeffizienz, Verfügbarkeit und Klimatisierung, sondern auch standortspezifische Parameter, wie die räumliche Lage, die Kommunikationsanbindung und die Energiezufuhr sowie allgemeine Überlegungen zur zukünftigen IT-Strategie eines Unternehmens und zur Erfüllung rechtlicher Auflagen.
„Fehler, die in der Konzeptionsphase gemacht werden, sind zu einem späteren Zeitpunkt häufig nur mit extrem hohem Aufwand zu korrigieren.” Harald Köfler, Geschäftsführer von proRZ Austria (Bild: proRZ)
Am Anfang steht immer die Analyse, ein Rechenzentrumsaudit, das dem Kunden produktunabhängig Aufschluss über die bestehende IT-Infrastruktur gibt. Dieses reicht von der Grundlagenermittlung, über die Bewertung der IST-Situation bis hin zu einer Grobkostenkalkulation.
Darüber hinaus ermitteln wir alle Risiken, die für eine Neuplanung oder auch für die Optimierung eines bestehenden Rechenzentrums relevant sind und dokumentieren diese in einem sogenannten Lastenheft. Letzteres beinhaltet sowohl die grundsätzlichen Anforderungen und Besonderheiten des Projektes, als auch alle technischen Rahmenbedingungen.
Es folgt die Erstellung eines Konzeptes und eines Pflichtenheftes: Dieses dient als Übergangspunkt von der reinen Konzeption zur tatsächlichen Planung. Hier sind sämtliche Maßnahmen und Vorschläge enthalten, die für den Kunden und dessen Rechenzentrum ausgearbeitet wurden. Alles in allem stellen wir damit bereits eine detaillierte Lösung vor. Wenn der Kunde möchte, übernehmen wir anschließend die eigentliche Planung und Realisierung, die wir ebenfalls aus einer Hand bieten.
Worauf sollte man dabei achten?
Fehler, die in der Analyse- und Planungsphase gemacht werden, sind zu einem späteren Zeitpunkt häufig nur mit extrem hohem Aufwand und Kosten zu korrigieren. Eine frühe Einbindung eines Rechenzentrumsspezialisten ist daher von Vorteil. Auf diese Weise wird eine interdisziplinäre Betrachtung und somit eine von Grund auf wirtschaftliche Planung und Realisierung im Sinne des Kunden gewährleistet.
Aus meiner Sicht ist es auch sehr wichtig, dass der Prozess der Planung und der Umsetzung als Ganzes betrachtet und nach Möglichkeit auch von ein und demselben Unternehmen realisiert beziehungsweise in der Umsetzung überwacht wird.
Die Fragen nach der Energieeffizenz und der optimalen Kühlung von Rechenzentren werden derzeit heiß diskutiert. Was ist Ihre Meinung dazu?
Wir legen im Rahmen unserer Planung besonderes Augenmerk auf die neuesten Entwicklungen in den Bereichen Kühlung, Strommanagement und Monitoring. Darüber hinaus findet eine ganzheitliche Betrachtung des Gesamtverbrauchs statt, damit Rechenzentren gemäß der Optimierung der Energieeffizienz und auch des PUE-(Power Usage Effectiveness)-Wertes umgesetzt werden können. Patentrezepte gibt es hier aber keine, vielmehr muss für die spezifischen Projekte und Gegebenheiten ein individueller Produktmix gewählt werden, der neben geeigneten Klimatisierungssystemen auch Strommanagement-Lösungen, bzw. Smart Grids sowie moderne Hardware beinhaltet.
Wie schaut ein "ideales" Kühlkonzept aus?
Ein Kühlkonzept muss sich grundsätzlich an die Gegebenheiten anpassen. Mal ist beispielsweise eine Kaltgangeinhausung die ideale Wahl, mal eine rackbasierte Kühllösung. Hier gibt es eine Reihe von Lösungsansätzen wie beispielsweise Brunnenbohrungen, Freikühlung, Wärmetauscher- bzw. Wärmerückgewinnung, die im Einzelnen betrachtet werden müssen. Abgesehen von diesen Möglichkeiten lohnt sich ab einer bestimmten Größenordnung unter Umständen der Einsatz von Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungen. Umluft-Lösungen lassen sich in der Regel flexibler einsetzen als zum Beispiel Konzepte, die auf Wasserkühlung basieren.
Welche Unternehmen adressieren Sie mit Ihrem Angebot?
Zu unserem Kundenkreis zählen sowohl große Unternehmen, Behörden und Housing-, bzw. Hosting-Dienstleister als auch der Mittelstand. Im Mittelstand realisieren wir überwiegend maßgeschneiderte Rechenzentren, angefangen bei einer Größe von einem Quadratmeter. Im Schnitt umfassen unsere Projekte jedoch Areale zwischen 10 bis 70 Quadratmeter.
Im Grunde ist jedes Unternehmen, das ein modernes Rechenzentrum mit hoher bzw. höchster Verfügbarkeit benötigt, ein potentieller Kunde. Für kleinere Anwendungen besteht die Möglichkeit, ein sogenanntes Mini-DataCenter zu betreiben. Hierbei handelt es sich um eine IT-Sicherheits-Schranklösung, die sich auf Basis von Standardisierungen für kleine Anwendungen anbietet. Wichtig ist uns, dass bei jedem Projekt die richtige Alternative für die jeweilige Kundenanforderung gefunden und bereitgestellt wird.
Die proRZ Rechenzentrumsbau GmbH wurde 2005 in Deutschland von ehemaligen Mitarbeitern der Firma Lampertz gegründet.
Das Unternehmen hat sich auf das Bewerten, Planen und Bauen von Rechenzentren beziehungsweise Rechner- oder Serverräume spezialisiert. Dazu gehören Consulting-Dienstleistungen, die Übernahme der Generalunternehmerschaft, das Bereitstellen von IT-Service-Management u. a. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 100 Mitarbeiter.
Nach Österreich expandierte das Unternehmen 2010. In Leoben betreibt man ein eigenes Network Operation Center (NOC) sowie ein Hochsicherheitsrechenzentrum, das namhafte Kunden aus der Industrie und Wirtschaft betreut. Mit Rechenzentrumsaudits ermöglicht man eine neutrale Analyse und einen Security-Check des Ist-Zustandes von Rechenzentren.




1/2012
8/2011
7/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 