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Netz & Telekom

Cloud Computing

Segensreiche Wolke

In der IT spricht zurzeit alle Welt über die "Cloud". Das Thema "Wolke" erfasst fast alle technischen Aspekte der Infrastruktur, von Servern über Storage bis hin zu Netzwerken. Was also bedeutet "Cloud"? Wieso steht die "Wolke" so im Mittelpunkt?

Bob Plumridge, Glyn Bowden

Referenzmodell: Nutzung eines Data Storage Interface aus Client-Sicht (Bild: SNIA)

Die Antwort liegt in den Vorläufern des Cloud-Gedankens: Utility Computing, IT as a Service (ITaaS) und Computing on Demand. All diese Vorformen der Cloud laufen im Wesentlichen auf Dasselbe hinaus: bedarfsgenaue Nutzung - und Bereitstellung - von IT.

Heutige "Wolken" sind bloß Erweiterungen dieses Konzepts. Mit einem entscheidenden Unterschied: Früher waren verschiedene Serviceprovider die treibende Kraft. Als Entwickler von Cloud-Umgebungen diktierten sie diese Modelle und konzentrierten sich hauptsächlich auf ihre Technologie. Mittlerweile jedoch werden Clouds nicht mehr von ihren Entwicklern, sondern überraschenderweise von der Allgemeinheit forciert.

Neue Tarifmodelle

Die massive Einführung von Geräten, mit denen sich ohne teure Infrastruktur vielfältigste Dienste, Produkte oder Medien nutzen lassen, katapultierte den Nutzwert von IT ins Bewusstsein der Verbraucher. Das Ergebnis waren neue Preismodelle, die sich an bedarfsgenauer Nutzung und beanspruchten Diensten statt an alleinigen Hardwarekosten orientierten. Letztere werden oft sogar heruntergespielt, um Konsumenten die Nutzung noch schmackhafter zu machen.

Solche Tarifmodelle sind meist einfach und transparent, um möglichst weltweit die Vielfalt nationaler Verbraucherschutzgesetze zu erfüllen. Verbrauchsbasierte Preise sind zudem sehr kalkulierbar. Das macht sie besonders attraktiv für große IT-Infrastrukturen von Unternehmen, die verbesserte Kosten-Leistungskontrolle anstreben. Doch wie kam dieser Paradigmenwechsel im Technologieverständnis zustande?

Technologisch zumindest blieb der Wandel überraschend klein. Treibend war vielmehr der finanzielle Druck aufgrund weltwirtschaftlicher Entwicklungen der letzten Jahre. Diese verlangten neue innovative Maßnahmen-, Einsatz- und Geschäftsszenarien. Da etwa der Return on Investment (ROI) immer wichtiger wurde, müssen IT-Verantwortliche nun jede Investition rechtfertigen und deren Mehrwert beweisen. Motto: Mehr Leistung mit weniger Aufwand. Der Paradigmenwechsel liegt also nicht in der Technologie, sondern in der Art und Weise, wie sie gedacht und eingesetzt wird.

Im Zuge dessen mussten sämtliche Technologieanbieter ihre Geschäftsmodelle ändern, und auch die Technologie reflektiert die neuen Anforderungen auf subtile Weise. Im Mittelpunkt stehen nun Effizienz, Sicherheit und die Gewähr, dass eine einzige Infrastruktur eine Vielzahl an Mandanten unterstützen kann. Ebenso muss sie verlässlich prognostizierbar sein, wie messbare Leistung und Skalierbarkeit sicherstellen. Begleitende Toolsets und Bezahlmodelle stellen diese transparente Messbarkeit sicher.

Einfach und effizient

Doch wie profitieren Unternehmen von dieser Revolution? Hauptvorteil ist wohl die Trennung von Technologie und Geschäftsanforderungen. Genau hierin liegt auch die eigentliche Idee der Cloud: Als generische Plattform liefert sie flexibel und bedarfsgenau die jeweils geforderten "Verbrauchsmengen" an EDV und Speicherung, samt Netzwerklösungen für deren standardisierte Bereitstellung.

Durch Einsatz neuer Standards wie dem von SNIA entwickelten Cloud Data Management Interface (CDMI) wird der physische Speicherort logisch abstrahiert - Metadaten und Bezüge beschreiben Storage-Daten hinreichend. Damit werden die Technologie und physische Infrastruktur der Daten transparent und lassen sich - dank CDMI-Abstraktionsschicht - austauschen, ändern, oder verschieben, ohne bereitgestellte Services zu schmälern.

Diese Einfachheit erlaubt es Unternehmen und Entwicklern, die neue Plattform optimal einzusetzen: Ohne sich um Basistechnologien und deren Verwaltung kümmern zu müssen, können sie ganz ihrer Kernaufgabe - Umsatzwachstum - nachgehen. Dank Cloud lassen sich mit Service Level Agreements (SLA) und Leistungskatalogen transparente Tarifmodelle schaffen, wie sie Endverbraucher schon lange schätzen. Kunden wie Anbietern erleichtert diese Transparenz erheblich die Budgetierung und Kostenkontrolle.

Derartig klare Tarife helfen, IT-Kostenstrukturen zu straffen und wettbewerbsfähiger zu werden. Vor allem erlauben es diese Cloud-basierten Modelle, eine komplexe interne IT-Abteilung mit externen Dienstleistern zu vergleichen, um etwa Make-or-Buy-Entscheidungen zu treffen und Skalierungsvorteile zu nutzen. All dies eröffnet kosteneffiziente Alternativen zu hohen IT-Investitionen samt Supportaufwand.

Sonnige Aussichten auch für die IT

Auch interne IT-Abteilungen profitieren von cloud-basierten Geschäftsmodellen. Die spezifischen Anforderungen einzelner Fachabteilungen treten in den Hintergrund, da Ressourcen flexibel und anforderungsgerecht zuteilbar sind. Die tatsächlich von den Fachabteilungen benötigten Dienste und Applikationen setzen auf dieser für sie vollkommen transparenten Infrastruktur auf - Abteilungen werden zum internen Kunden ihrer IT.

Für Aufbau und den Betrieb dieser Infrastruktur kann das IT-Team aber die Lösungen wählen, mit denen die meiste Erfahrung vorliegt und für die bereits bestehende Zertifizierungen vorliegen. Entscheidungen werden also in die Geschäftsbereiche verlagert, die spezifisch die höchste Kompetenz aufweisen (im alten Modell wollen Kunden beim Umlegen des Lichtschalters, dass der Strom aus einem bestimmten Umspannwerk kommt). Außerdem haben IT-Teams nun dank Cloud die Flexibilität, ihre gesamte Infrastruktur als eine einzige, hoch verfügbare Einheit zu managen, ohne sich Sorgen über vielfältig ausufernde Infrastruktursilos zu machen.

Ausgereifte Schlüsseltechnologien wie durchgängige Virtualisierung und CDMI-Standards haben all dies ermöglicht: Sie verschweißen die gesamte IT-Infrastruktur aus Servern, Speicherung und Netzwerken zu einem konsistenten Ganzen. Höhere Speichereffizienz (Thin Provisioning, Deduplikation, Thin Replication, hoch effiziente Sicherung) haben zudem die Kosten für Datenspeicherung selbst im Petabytebereich gesenkt. Ähnliches zeichnet sich in der Datensicherung ab.

(Bild: SNIA)

Auf Wolke Sieben von Erfolg zu Erfolg

Der Begriff "Cloud" entspringt dem Bild eines komplexen Netzwerks, meist des Internets. Dessen grafische Darstellung als Wolke verdeutlichte nur allzu gut, dass es nicht darauf ankam, zu wissen, was in dieser "Wolke" genau passierte. Also wurde die Cloud zugleich Synonym und Maske der Komplexität.

„Die Cloud verlangt grenzenlose Kapazitäten aus begrenzten Ressourcen.” Bob Plumridge, SNIA Europa (Bild: SNIA)

Im Netzwerk allerdings speichern wir keine Daten - Storage auf der Kabelinfrastruktur ist nicht unser Ansatz. Auch die Server kommen hierfür nicht in Frage, da ihre Technologie noch kein "Kollektivbewusstsein" erreicht hat, in dem jeder Speicherknoten vollständig alle Daten erfassen könnte.

Als Katalysator der gesamten Cloud-Technologie verdient Storage höchste Aufmerksamkeit: Außer hoch verfügbar, hoch gesichert und hoch performant muss er vor allem hoch effizient sein. Das Speichern multipler Datenkopien, ohne multiple Kapazität zu benötigen, ist zur Kostensenkung und optimalen Auslastung absolut erfolgskritisch.

Die Aufregung um die Cloud wurzelt im enormen Erfolg von Flickr oder Facebook und dergleichen - ohne Speicherung ließen sich diese Endverbraucherdienste nicht nutzen. Jüngste Zahlen belegen, dass im Sommer 2011 bereits 100 Milliarden Fotos auf Facebook liegen! Pro Monat werden es 6 Milliarden mehr!

Dasselbe Cloudprinzip treibt nun auch die Geschäftswelt voran - dort fordern Nutzer für ihre Arbeitsumgebungen dieselbe Hochverfügbarkeit und scheinbar grenzenlose Kapazität, die sie von externen Diensten wie Flickr oder Facebook gewohnt sind.

Dieser Herausforderung müssen sich Storage-Teams heutzutage stellen - die Cloud verlangt grenzenlose Kapazitäten aus begrenzten Ressourcen. Bislang wurden solche Ansprüche als überzogen belächelt. Doch nun wissen wir, dass das bislang Unmögliche tatsächlich machbar ist. Hält Ihre Storage mit?

Mehr über CDMI finden Sie auf: http://snia.org/cdmi

Die Autoren: Bob Plumridge ist SNIA Europe Chairman sowie Director, Technical Marketing EMEA, Hitachi Data Systems, UK; Glyn Bowden ist Mitglied des SNIA Europe UK Country Committees und Enterprise Infrastructure Architect bei NetApp.

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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