Sie sind seit fast zehn Jahren nun an der Linzer Uni, was gab es da für Sie an Entwicklungen und Veränderungen?
Es gab insofern eine große Veränderung für mich, weil sich meine Tätigkeit von der Lehre und Forschung nun viel mehr in den Forschungs-Management Part verschoben hat. Da geht es vor allem um langfristige strategische Planung, um Unterstützung für die Institute, um Einbringen und Entwickeln von Projektanträgen, aber auch Netzwerken steht bei mir im Mittelpunkt. Das kommt wiederum der Forschungstätigkeit oder Entwicklung von neuen Forschungsprojekten zugute.
Sie sind auch Vizerektorin für Frauenförderung, welche Maßnahmen setzen Sie denn an der Linzer Uni?
Das Thema Gleichstellung ist mir wirklich sehr wichtig. Ich wünsche mir, vielen Mädchen zu zeigen, dass man als Frau gerade im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich und in der Informatik einen tollen, wunderbaren Job haben kann. Derzeit haben wir in der IT an der Linzer Uni einen Frauenanteil von nur 15 %, das finde ich total unbefriedigend. Wir setzen da natürlich eine Reihe von Maßnahmen. Zum Beispiel gehen regelmäßig Studentinnen in die Schulen, um zu informieren. Leider hören wir aber des öfteren von der Schulleitung ein: "Nein, ein Besuch ist nicht notwendig, weil unsere Mädchen interessiert das eh nicht". Das ist schade, da geht sicher viel Potential verloren.
Dann gibt es Schnuppertage an der Uni, wir haben auch Tutorinnen und weibliche Lehrkräfte und für AHS-Absolventinnen gibt es spezielle Vorbereitungskurse. Für weibliche Studierende haben wir eine Kooperation mit der Uni Salzburg, unter dem Titel "Karrierlink" werden Frauen in der Phase des Doktorrats bis zur Habilitation mit einem speziellen Ausbildungsprogramm unterstützt. Seit fünf Jahren haben wir auch spezielle Gender-Stipendien für Forscherinnen. Außerdem haben wir 20 zusätzliche Postdoc-Stellen für Frauen an der Uni Linz vom Ministerium genehmigt bekommen, die sich über alle Fachbereiche ziehen.
Wie sehen da aktuell ihre Forschungsschwerpunkte aus?
Kotsis: Telekooperation hat mich schon lange fasziniert, wir versuchen vor allem sinnvolle Anwendungen oder integrierte Lösungen zu finden, die nicht nur für einen, sondern für eine Gruppe bzw. ein Team Vorteile und Arbeitserleichterungen bringen. Ein wirklich spannender Bereich ist aktuell Mobile Computing, vor allem durch die vielen neuen Endgeräte und die rasante Entwicklung. Ich muss ja gestehen, ich bin Endgeräte-verliebt. Ein Problem bei Meetings, wo mehrere mobile Endgeräte zusammenkommen oder bei Videokonferenzen ist oft die Datensynchronisation. Zweitens geht es bei den mobilen Geräten auch immer mehr um eine Erweiterung der Sinne. Neben Hör-, Seh- und Tastsinn machen wir jetzt z. B. Experimente mit dem Geruchssinn. Die Frage ist, welche Aufgabe lässt sich mit welchem Sinn oder Reiz am besten lösen.
Ein großer Schwerpunkt liegt auch in der semantischen Modellierung von Informationssystemen. Das heißt, wie kann man welche Bedeutung in welches System hineinbringen und Informationen gut und schnell transportieren. Etwa machen wir gemeinsam mit der Asfinag ein Projekt, wo es darum geht, kritische Verkehrssysteme frühzeitig zu erkennen. Ein anderes Beispiel ist die Entwicklung eines Pilotenassistenzsystems: Nur zwingend notwendige, relevante Informationen sollen dem Piloten angezeigt werden.
Spannend finde ich auch den großen Bereich der Multimedia und Internet-Applikationen: Hier haben wir einige Projekte, wo wir daran arbeiten, die Performance zu verbessern. Gemeinsam mit der TU Wien, mit Prof. Gerti Kappel, haben wir ein FWF-Projekt namens TROPIC bis 2012 im Laufen, wo wir uns mit Model Driven Engineering (MDE) und Transformationsprozessen im Detail befassen.
Sind Sie auch an internationalen Projekten beteiligt?
Wir haben einige sehr gute Kontakte und Kooperationen mit ausländischen Unis, etwa mit einigen Unis in Skandinavien, mit dem GET in Paris, mit dem IIT Madras/Indien, mit der Uni in Kuala Lumpur oder der University Surrey/UK. Das wichtigste bei internationalen Forschungsvorhaben ist aber immer, die Leute zu kennen. Man muss zuerst seine Partner kennen lernen und daraus kann dann ein Projekt entstehen.
Es wäre schön, wenn es mehr Forschungsförderung für Projekt- und Anbahnungsfinanzierung geben würde. Ich sehe da leider den umgekehrten Weg: Es werden eher schon bestehende große Forschungs-Konsortien gut gefördert, Gelder für Anbahnungsfinanzierung sind massiv gekürzt worden. Auch die nationale Forschungsförderung ist eher mager. Ich glaube nicht, dass das der richtige Weg ist. Ich finde daher, es sollte mehr über Forschungs-Förderung und -finanzierung nachgedacht werden.
Wie sehen Ihre Ziele für das kommende Jahr 2011/2012 aus?
Der Betrieb für die nächsten drei Jahre ist einmal gesichert. Wir haben derzeit vier Forschungsstellen, die vom Ministerium gezahlt werden und vier, die ich aus Drittmitteln bzw. durch Projekte finanziere. Das ist für ein technisches Institut ganz gut, damit bin ich zufrieden. Langfristig will ich diese Größenordnung halten können. Im kommenden Jahr müssen wir wieder beginnen, neue Projekte anzubahnen. Auf alle Fälle wird es ein neues EU-Projekt im Bereich Mobile Computing geben. Außerdem wünsche ich mir eine verstärkte Kooperation mit dem asiatischen Raum, mit der Uni in Kuala Lumpur haben wir da schon einen guten Kontakt.




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 