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Strategien

Internet World, München2011

Onlinebranche: Auf der Jagd nach dem Kunden

Die Onlinebranche ist weiter auf Wachstumskurs. Wie der Kunde am besten gefunden, gehalten oder wiedergewonnen wird, war ein wichtiges Thema auf der diesjährigen Internet World in München.

Arno Laxy

Der Blick von oben auf die Fachmesse: Durch den Zuwachs an Fläche haben die Besucher mehr Platz (Bild: Laxy)

Die Internet World fand heuer am 12. und 13. April in München statt und bot erneut eine Mischung aus Konferenz und Fachmesse. Als Konferenz für die Internetbranche gestartet, hat sie vor einigen Jahren einen Strategiewechsel eingeleitet, der mittlerweile von den Besuchern angenommen wird. Das zeigt die um 35 % gewachsene Zahl der Aussteller und die entsprechend größere Ausstellungsfläche. Mit knapp 6.000 Fachmessebesuchern und 152 Ausstellern war die Internet World nach Angaben des Veranstalters die erfolgreichste der letzten Jahre.

Konferenz und Fachmesse

"Die Internet World mit ihrem Konzept aus Konferenz und Fachmesse hat sich fest in unserem Veranstaltungsfahrplan etabliert. Sie adressiert nicht nur sehr erfolgreich den süddeutschen Raum, Österreich und Südtirol, sondern stellt auch ein lokales Gegengewicht zur dmexco im September dar. Mit ihrem breit gestreuten Angebot spricht sie allerdings eher mittelständische Anbieter und Interessenten an. Wir haben auf jeden Fall wieder einige interessante Gespräche geführt", äußert sich Philipp von Stülpnagel, Geschäftsführer des Spezialisten für Suchmaschinenoptimierung Sumo aus Köln.

"Wir haben auf der Internetworld viele Kontakte gemacht, auch wenn das Entscheiderpotenzial geringer als bei dmexco ist. Es waren zwar weniger große Onlineshops zugegen, aber dafür hatten wir gute Kontakte zu Mittelständlern aus der Region. Außerden hatte ich das Gefühl, dass sich bei der diesjährigen Internet World sehr viel um Payment gedreht hat. So viele Stände warben mit E-Payment, sicheren Bezahlvorgängen und Abrechnungssystemen", bemerkt Christin Brandt, Marketingleiterin des Retargeting-Anbieters Xplosion interactive.

Diesen Eindruck konnte tatsächlich schnell gewinnen, wer durch die Fachmesse lief und seinen Blick schweifen ließ. Aber erste Eindrücke können täuschen. Nach Angaben des Veranstalters lagen die Schwerpunkte der Fachmesse auf Online Marketing, Social Media, E-Commerce-Lösungen, E-Payment, Usability und Technik des Internet. Also eher ein breites Sammelsurium an Themen als ein alles beherrschendes Thema?

Tatsächlich ist die Fachmesse eine der ganz wenigen Veranstaltungsformate im deutschsprachigen Raum, die das gesamte Spektrum der Internetwirtschaft abdeckt. Im Gegensatz zur dmexco, die sich stark auf Onlinemarketing fokussiert, bietet sie damit eben auch den Anbietern von E-Payment-Systemen eine Möglichkeit, ihr Portfolio zu präsentieren. Darin liegt denn auch die Erklärung für die so sehr ins Auge fallende Präsenz dieser Firmen.

Den Kinderschuhen entwachsen

E-Commerce ist, so der Tenor allenthalben, den Kinderschuhen entwachsen. Retargeting, Webanalyse, Usabiliy und Konsolidierung stehen auf der Tagesordnung. Nach Jahren des Aufbaus ist das Optimieren vieler Onlineshops angesagt. Der Kunde soll nun (endlich) mit einem optisch ansprechenden Angebot bedient werden. Die Technik ist nicht mehr das A und O. Auch kleinere Shopbetreiber wollen ihre Seiten kundenfreundlicher gestalten.

Das liegt auch an Veränderungen in den Kriterien für die Suchmaschinen. Die Erkenntnis, dass ein Schlüsselwort, das nur dank guter Suchmaschinenoptimierung ganz oben steht, nicht immer dasjenige ist, das von den Anwendern am meisten angeklickt wird, führt zum Umdenken. Wenn die Klickrate erkennbar macht, dass Keyword Zwei oder Drei viel beliebter ist, dann sollte sich das auch im Ranking widerspiegeln. Das Nutzerverhalten wird wichtiger im Suchmaschinenranking und in der Folge müssen Webshops ansprechender werden.

Hinzu kommen die durch Social Media hervorgerufenen Neuerungen. "Google und Bing versuchen zudem, die so genannte Social Search mit in ihre Algorithmen zu integrieren. Wenn jemand eine Digitalkamera sucht, dann verweist Bing zukünftig in den Suchergebnissen auch auf die Empfehlung eines Facebook-Freundes. Die Absicht dabei ist, soziale Informationen aufzunehmen und damit die Suchergebnisse mehr auf den Suchenden zuzuschneiden", so von Stülpnagel von Sumo.

Denn die Jagd nach dem Kunden wird immer wichtiger. Wer einmal einen Webshop verlassen hat, ohne etwas zu kaufen, soll zurückkommen. Das auf der Messe ebenfalls diskutierte Retargeting kann aber nur dann Sales-Erfolge verbuchen, wenn die Usability im Shop gegeben ist und der zurückgeholte User beispielsweise nicht überfordert an der Kasse aufgibt.

"Wir sind einer der wenigen Anbieter, die conversion-basiert (CPL, CPO, Revenue Share) mit unseren Kunden abrechnen. Unser Fokus liegt also nicht auf dem Klick, sondern auf sinnvollen, dosierten und nutzenstiftenden Retargeting-Maßnahmen, die den User zum Abschluss bewegen. Wir geben den User dennoch maximal auf der Produktdetailseite ab - der Abschluss liegt dann in den Händen des Shopbetreibers, egal wie effektiv wir den User mit unserer Kampagne erreicht haben. Deshalb freue mich immer darüber, wenn sich unsere Kunden mit der Usability ihrer Shops beschäftigen", erläutert Christin Brandt.

Retargeting steht am Anfang

Unter Retargeting, so die Definition von Wikipedia, "versteht man eine Targetingform im Online-Marketing, bei der Besucher einer Webseite, üblicherweise ein Webshop, markiert und anschließend auf anderen Webseiten mit gezielter Werbung wieder angesprochen werden sollen. Ziel von Retargeting ist es, einen Nutzer, der bereits ein Interesse für eine Webseite oder ein Produkt gezeigt hat, erneut mit Werbung für diese Webseite/Produkt zu konfrontieren. Hierdurch soll die Werberelevanz und somit die Klick- und Konversionsrate (z.B. Bestellquote) steigen."

Allerdings steht das Retargeting noch am Anfang. Advertiser äußern sich skeptisch, da sie fürchten, dass es deren Kunden nicht schätzen, "wiedererkannt" zu werden. Diese Skepsis muss wohl noch überwunden werden, um das Marktpotenzial von fünf bis acht Prozent im Onlinemarketing auszuschöpfen. Aktuelle Erhebungen legen immerhin den Schluss nach, dass die meisten Anwender damit wenige Probleme haben.

Apropos Kundenfreundlichkeit. Hier hat die InternetWorld gute Arbeit geleistet, sind doch viele Aussteller voll des Lobes. Hervorgehoben wird der Service für die Aussteller, das Catering und ähnliche Randbedingungen. Ein zweifellos wichtiges Feedback für die Organisatoren der Fachmesse und Konferenz, die auf dem Wachstumspfad bleiben wollen. Angesichts dessen, dass die Branche weiter und wieder verstärkt Umsatzsteigerungen aufzuweisen hat, dürfte diese Absicht mit dem derzeit so erfolgreichen Konzept den Konferenz- und Messemachern auch im Jahr 2012 gelingen.

www.internetworld-messe.de

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MONITOR-Autoren
Mag. Dominik Troger

Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. ..mehr..

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