Alle paar Jahre wird abwechselnd Outsourcing oder Insourcing als Antwort auf sämtliche Probleme von Unternehmen gehandelt. Outsourcer seien günstiger, effizienter und garantieren einen Erfüllungsgrad. Wer entsprechende Corporate Governance walten ließe, könne von Outsourcing-Verträgen nur profitieren, so die gängige Meinung. Auf der anderen Seite argumentieren Unternehmen, die vormals Ausgelagertes wieder zurück unters eigene Dach holen, dass Innovation wieder eine größere Rolle spielen würde und man besser und rascher auf den Markt reagieren könne. Welches Risiko solche Entscheidungen mitunter beinhalten können, zeigt Apples Schritt, die CPU-Entwicklung für sein iPad selbst in die Hand zu nehmen. Kosten sowie die Gefahr, zu scheitern, schienen für Apple zweitrangig. Was zählt ist die Überzeugung sich mittels eigenem Chip einen Marktvorteil herausspielen zu können.
In einer Studie mit dem Titel "Costs of Outsourcing - Uncovering the Real Risks" (Die Kosten von Outsourcing - Die wirklichen Risiken aufgedecken) räumt die britische Society of Information Technology Management (kurz Socitm) mit der Meinung auf, dass Outsourcing automatisch zu Kosteneinsparungen führt. Socitm bezieht sich mit seinen Erkenntnissen zwar auf den öffentlichen Bereich, doch die Botschaft klingt verdächtig universell. Tenor: Alles, was ein Outsourcer anbietet, könne im eigenen Unternehmen billiger erledigt werden. Socitm geht noch weiter. Wer es nicht schafft, selbst günstiger zu sein, muss die Probleme vor allem in den eigenen Reihen suchen. Und: Wie will jemand, der sein eigenes Unternehmen nicht im Griff hat, einen Outsourcing-Vertrag effizient managen.
Outsourcing-Nachfrage stabil
Der deutlichen Botschaft von Socitm zum Trotz, bleibt die Anzahl der Outsourcing-Deals seit Jahren stabil. Die Sourcing-Berater der TPI Information Services Group schätzen das Gesamtvolumen der 2010 unterschriebenen Verträge auf über 62 Mrd. Dollar. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Deals an. Dies lässt zwar vermuten, dass das Volumen der einzelnen Verträge leicht sinkt. Dennoch war 2010 auch ein Jahr der Superdeals, die jeweils eine Mrd. Dollar oder mehr betrugen.
Die Wahrheit des Markes liegt irgendwo dazwischen, zumal die Bewegung in beide Richtungen stattfindet. Zunächst schaffen es vor allem aufsehenerregende Insourcing-Deals in die Zeitung, kleinere nur selten. Dieser Trend macht sich auch in den Zählungen der Marktbeobachter bemerkbar. Hinzu kommt, dass Insourcing von vielen Unternehmen als Möglichkeit wahrgenommen wird, die eigene Strategie zu überdenken: gewissermaßen bei Null zu beginnen und sich im Anschluss gleich wieder für Outsourcing zu entscheiden, jedoch mit anderen Partnern und verändertem Projektumfang.
Tatsächlich nehmen Unternehmen verstärkt bestehende Outsourcing-Deals unter die Lupe. Eine ganze Reihe darunter entscheidet sich, Teile wieder zurück ins eigene Unternehmen zu holen. Die Gründe reichen von unzulänglicher Service-Qualität bis zum Verfehlen von Business-Zielen.
Lego baut wieder selbst
Einer jener Insourcing-Deals, über den Europa staunte, ging bei der Lego Group über die Bühne. Der dänische Kunststoffbauklotzhersteller hatte seine Produktion 2005 an Flextronics outgesourct. Das Unternehmen ist ein erfahrener OEM-Dienstleister, der unter anderem für Microsoft die Spielekonsole Xbox und Xbox 360 produziert. Umso überraschender schienen die Gründe, die Lego für seine Entscheidung angab: mit den Kosteneinsparungen und Synergieeffekten sei es nicht so weit her gewesen wie gehofft. Zwar verzeichnete Lego mehr Nachfrage nach seinen Bausteinen und die Umsätze legten zu. Dennoch entschied sich das Unternehmen sein Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen.
Einige Jahre davor schrammte Lego knapp am Bankrott vorbei. Die Idee von Erlebnisparks war ebenso schief gegangen wie die Einführung neuer Produkte, darunter eine Action-Figur samt Fernsehserie namens Galidor, schreibt das Magazin Harvard Business Review in einer Case Study. Im heute schrumpfenden Spielzeugmarkt legt Lego wieder zu. Der Turnaround ist aber nicht dem Insourcing zu verdanken. Vielmehr rettete sich Lego mit Outsourcing über die schlimmste Durststrecke in seiner Unternehmensgeschichte. Wieder Boden unter den Füßen, soll nun eine runderneuerte Corporate Governance den Erfolg ausbauen. Innovation wird bei Lego inzwischen strategisch koordiniert. Eine Gruppe innerhalb des Unternehmens übersieht die gesamten Aktivitäten, vom Pricing bis hin zur Vermarktung in den Channels.
Kapsch CarrierCom fertigt in Wien
In Österreich ließ zuletzt Kapsch CarrierCom mit seiner Entscheidung aufhorchen, einen Teil seiner Produktion von China nach Wien zu verlagern. Damit soll nicht nur die Zulieferung sicherer werden, sondern auch eine, laut Aussendung des Unternehmens, "schnellere und direktere Kunden-Feedback-Schleife" entstehen.
Konkret wird die Fertigung von GSM- und GSM-R-Systemen, die bisher vom ehemaligen Nortel Joint Venture GDNT übernommen wurde, in die Bundeshauptstadt verlegt. "Das haben wir im Zuge einer Konsolidierung unseres Zulieferernetzwerkes beschlossen (...)", so Ingolf Planer, CFO von Kapsch CarrierCom. Weiters wird der Leiterplattenbau vom chinesischen Suzhou nach Wien zu Kapsch Components verlegt, einer Tochter von Kapsch TrafficCom. Ganz auf China zu verzichten, darum geht es dem Unternehmen nicht. "Für große Teile der Fertigung nutzen wir aber auch weiterhin die Kostenvorteile Chinas", so Planer. Abgeschlossen soll das Projekt im zweiten Halbjahr 2011 sein.




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8/2011
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Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 