25-5-2011 | Aus MONITOR 4/2011 Gedruckt am 24-04-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/13825
Thema: Infrastruktur und Security

Cloud Computing

Kostenklarheit in den Wolken

Cloud Computing liegt im Trend. Mit der Auslagerung von IT-Leistungen gelingt es Unternehmern Kosten und Ressourcen zu sparen. Aber wie kalkuliere ich eine Kosten- und Zeitersparnis im Vergleich zu einer klassischen Lösung?

Martina Grom

Microsoft Office 365 erlaubt Unternehmen Services wie E-Mail, Dokumentenaustausch, Webkonferenzen oder Online Kommunikation aus der Cloud zu nutzen. Mieten statt kaufen ist dabei die Devise, ein durchaus attraktiver Ansatz, da die Kosten im Voraus kalkulierbar sind und die Dienste jederzeit mitwachsen können. Der Nutzen von Cloud Computing ist relativ transparent, aber wie kalkuliere ich eine Kosten- und Zeitersparnis im Vergleich zu einer klassischen Lösung?

Als Betriebswirtin verwende ich zur Bemessung ein vom Unternehmensberater Gartner Inc. entwickeltes Abrechnungsverfahren: Total Cost of Ownership (TCO), mit dem ein wirtschaftlicher Vergleich möglich ist. Alle anfallenden Kosten wie Software, Hardware, Servicezeit, Dienstleistungen, Energiekosten und auch Betriebskosten sollen im Voraus abgeschätzt werden. Diese Kalkulation dient als Entscheidungsgrundlage einer zukünftigen Investition.

Welche Kosten fallen bei einer klassischen Lösung - also einer eigenen IT-Infrastruktur mit eigenen Servern und Personal - an? Einerseits direkte Kosten, also Hard- und Software, Kosten für Wartungsverträge und für Netzwerkinfrastruktur wie Strom, Kühlung und Leitungskosten. Anderseits Kosten, die der Betrieb der Services verursacht, sogenanntes Operating (Administration und Support). Auch Training und Schulung verursachen Kosten. Die indirekten Kosten sind schwieriger ermittelbar, sie umfassen z. B.: unproduktive Nutzung von Services und Leistungen, Kosten, die für die Erstellung von Verträgen anfallen, Facility Management, usw.

Welche Kosten fallen im Gegenzug bei Cloud Computing an? Einerseits die direkt messbaren Kosten, in Form der monatlichen Nutzungsgebühren. Außerdem Kosten für Operating und Administration, denn auch die Benutzung eines gemieteten Services benötigt ein gewisses Maß an IT-Betreuung für Einrichtung und lokale Betreuung.

Cloud Computing lohnt sich in TCO-Vergleichen ebenso für kleine als auch für große Unternehmen. Folgend zwei Beispiele, berechnet anhand eines typischen österreichischen KMU mit 20 Mitarbeitern und anhand eines größeren Unternehmens mit 1.000 Mitarbeitern.

Beispiel 1: KMU - Total Cost of Ownership (TCO) mit und ohne Cloud Computing

Cloud Computing für KMU

Zur Analyse verwende ich ein standardisiertes TCO-Berechnungstool, welches folgende Faktoren über einen Zeitraum von sechs Jahren berücksichtigt:

  • Lizenzkosten
  • Hardwarekosten
  • Gemittelte Operationskosten von rund 12%
  • Deploymentkosten

Das Ergebnis für 20 User für Office 365, die jedoch nur E-Mail in Form von Exchange Online verwenden wollen: Eine Kostenersparnis von 36 %. Interessant in dieser Berechnung ist, dass keine Kosten für Backup und Gateway mitkalkuliert sind - was bei einer eigenen E-Mail Infrastruktur Lösung immer dazu gehört. (Siehe Grafiken Beispiel 1)

Cloud Computing für große Unternehmen

Bei einem großen Unternehmen mit 1.000 Usern nehmen wir andere Daten als Grundlage. Unser Beispielunternehmen nutzt alle Dienste von Office 365, nicht nur den E-Mail Dienst. Hier ergibt sich eine Kostenersparnis von 21 % - gemessen an einem Zeitraum von sechs Jahren.

Ein weiteres Beispiel: Bei einem Unternehmen mit 1.000 Benutzer, haben 500 keinen eigenen PC (Kiosk-Mitarbeiter). Diese Mitarbeiter haben nur eine kleine Mailbox und nutzen damit nur den Online-Zugang. Somit sind auch diese Kiosk-Worker integriert, die sonst nicht in die Unternehmenskommunikation einbezogen sind. Mit Office 365 liegt die Ersparnis über sechs Jahre bei 56 %. (Siehe Grafiken Beispiele 2 und 3)

Beispiel 2: Unternehmen mit 1.000 Mitarbeitern - TCO mit und ohne Cloud Computing

Beispiel 3: E-Maildienste für 1.000 Mitarbeiter - TCO mit und ohne Cloud Computing

Kostenklarheit gewinnen und gezielt investieren

Bei der wirtschaftlichen Entscheidung Dienste aus der Cloud zu nutzen, sollten Sie sich immer genau ansehen, welche Kosten entstehen. Ein TCO-Kalkulator kann hierbei ein wichtiges Hilfsmittel sein, um einen Eindruck über alle anfallenden Kostenfaktoren zu erhalten. Erst damit lässt sich valide beurteilen, welche Lösung Sinn macht und eingesetzt werden sollte. Es ist empfehlenswert, sich alle Kosten darlegen zu lassen. Das kann mithilfe des internen Controllings oder über einen externen Beratungspartner erfolgen.

Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, in die Berechnung nur Hardware- und Softwarekosten als Einmalinvestition einzubeziehen!

Quelle Tabellen & Grafiken: www.atwork.at,
verwendetes TCO-Tool zur Kalkulation: Piedmont Consultants
; www.piedmontconsultants.com

  • Artikel bookmarken
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb

Userkommentare

DISQUS ist ein Service von disqus.com und unabhängig von monitor.at - siehe die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

comments powered by Disqus