Ob die "Wolke" wirklich alle glücklich macht, wird die Zukunft zeigen. Aber der Zug in die Cloud ist abgefahren. "Die Cloud markiert einen Paradigmenwechsel, der unser Verhältnis zur IT maßgeblich verändert", analysiert Microsoft Österreich Geschäftsführerin Petra Jenner und verweist auf die neue "Cloud-Ökonomie mit ihren Skaleneffekten" wie Anwendungsflexibilisierung, Kostenreduktion und bessere Ressourcenausnützung - und Office 365 ist ein wichtiger Baustein in dieser Strategie, mit der Microsoft hierzulande vor allem bei kleinen- und mittleren Unternehmen punkten könnte.
Für Alexandra Moser, die die Business Group Information Worker bei Microsoft Österreich leitet, unterscheiden sich die grundsätzlichen Anforderungen von KMUs nicht wesentlich von Großunternehmen, sie besitzen aber nicht deren technische und personelle Ressourcen. Die Cloud soll hier Abhilfe schaffen. Das beweist nach ihren Aussagen schon die limitierte Beta-Phase: "70 % der Betriebe, die sich für den Beta-Test angemeldet haben, hatten nicht mehr als 25 Beschäftigte. Offensichtlich treffen wir mit Office 365 den Nerv der ‚Kleinen'. Sie verfügen über den vollen Leistungsumfang professioneller Lösungen, ohne sich mit einer komplizierten Infrastruktur zu belasten. Das kommt gut an."
Office 365
Office 365 kombiniert die bereits bekannte Office Professional Desktop Suite mit den Office Web Apps und den Online-Versionen von Microsofts Kommunikations- und Kollaborationsservices: Exchange Online, SharePoint Online und Lync Online. Hinter dem neuen Lync verbergen sich Office Live Meeting und Office Communications Online, die zu einem einzigen Dienst für Sofortnachrichten und Onlinebesprechungen zusammengefasst wurden.
Microsoft hat in Office 365 seine langjährigen Cloud-Erfahrungen einfließen lassen und im Wesentlichen auf der Business Productivity Online Suite (BPOS) aufgesetzt - allerdings mit zahlreichen Verbesserungen, den aktuellen Produktversionen inklusive einem marktnäheren Lizenzierungsmodell. Die Administration wurde vereinfacht, flexible Abrechnungsoptionen und Zugriff ohne Client-Anmeldung stehen zur Verfügung sowie eine verbesserter Unterstützung für Smartphones und unterschiedliche Browser.
Das Lizenzierungsmodell wurde an die Bedürfnisse kleiner Unternehmen und Selbstständige, Unternehmen des Mittelstandes sowie Großkunden angepasst und kann jetzt auch Mitarbeiter ohne festen Computerarbeitsplatz (Kiosk-Mitarbeiter) unterstützen. Außerdem können für Projekte zeitlich begrenzte Lizenzen "dazugekauft" werden.
Der Mietpreis richtet sich nach dem gewählten Funktionsumfang und startet bei 5,25 Euro pro Anwender und Monat. Die Produkte können einzeln oder im Paket bezogen werden. Office 365 kann auch gemischt mit Onpremise-Anwendungen betrieben werden.
Startschuss für Office 365 Marketplace
Nach Ablauf der Public Beta-Phase steht den testenden Unternehmen ihre Office 365-Umgebung weitere 30 Tage kostenfrei zur Verfügung. Innerhalb dieses Zeitraums warnt Office 365 vor dem Ablauf der Nutzungsdauer und bietet den nahtlosen Wechsel von der Beta-Version in den bezahlten Live-Betrieb an. So sind weder Daten zu übertragen, noch ist die Einrichtung zu wiederholen. Mit dem offiziellen Start ins neue "Office 365"-Zeitalter wird noch im Juni gerechnet.
Parallel zum Public Beta-Test eröffnet der neue Office 365 Marketplace seine Pforten. Der Store ist die zentrale Vertriebsplattform für die ergänzenden Lösungen und Dienste der etwa 16.000 Cloud-Partner. Zur Eröffnung kann aus 40 Anwendungen und mehr als 400 Services gewählt werden. Über den Office 365 Marketplace sollen Anwender passende Lösungen finden, um ihren "Cloud Service" individuell zu erweitern. Interessierte finden Microsoft Office 365 Experten unter http://office365.pinpoint.microsoft.com
Die Cloud als Risiko?
Microsoft gibt die Verfügbarkeit von Office 365 mit 99,9 % an. In Europa werden für europäische Kunden in Dublin und Amsterdam je ein nach SAS 70 und ISO 27011 zertifiziertes, redundantes Rechenzentrum betrieben. Bei Microsoft geht man davon aus, dass man hier Unternehmen einen Sicherheitslevel bietet, den beispielsweise KMUs aufgrund mangelnder Ressourcen selber kaum erreichen können.
Das enthebt allerdings Unternehmen oder ihre IT-Dienstleister nicht der Verantwortung, sich sehr genau zu überlegen, welche Anwendungen aus der Cloud bezogen werden und wie businesskritisch die damit verbundenen Daten sind.




1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 