Ob das so stimmt, darüber wurde bei einer Experten-Gesprächsrunde Ende April im Haus der Musik diskutiert. Mit dabei: Georg Petritsch, Accenture-Berater; Manfred Traumüller, HP Manager Technology Services Austria; Andreas Muther, Geschäftsführer SAP Österreich; Oliver Krizek, Vorstandsmitglied von Navax, sowie Gerald Klima, Geschäftsführer APA-IT.
Nach dem Effizienzfokus der letzten Jahre rücken innovative Business-Enablement Themen in den Vordergrund. Mehr noch. "Die IT steuert auf eine Revolution zu", behauptete Accenture-Berater Georg Petritsch. Er nannte drei IT-Trends: Enterprise Analytics, Social Computing sowie User Experience.
Gerade der Bereich Business Intelligence oder Enterprise Analytics entwickelt sich zu Zeit explosionsartig. Dabei stehen nicht nur Reporting - der Blick zurück - sondern vielmehr Daten-Analyse, Ad-Hoc-Reports, Warnsignale, Prognosen und Planung immer mehr im Mittelpunkt.
Zweiter unübersehbarer Trend: Social Computing. Diese Entwicklung berge Chancen und Risken, gab Petritsch zu bedenken. Die rasante Entwicklung neuer Social Plattformen, allen voran Facebook und Twitter, vernetzt Menschen auf aller Welt und verstärkt die menschliche, elektronische Interaktion, im privaten wie im beruflichen Bereich. Hier liegt auch der Schlüssel für ein neues Kundenverhalten, denn Kunden vertrauen auf Empfehlungen, und Leser von Blogs kaufen mit rund ein Drittel höherer Wahrscheinlichkeit ein empfohlenes Produkt, legte Petritsch dar. Aber auch Risken bringt die neue Entwicklung mit sich: Die Kundeninteraktion werde fragmentiert, neue Kanäle entstehen innerhalb weniger Monate. Die neuen Machtverhältnisse - die User bzw. die Masse kommunizieren blitzschnell und ungestört - können einer Marke innerhalb weniger Stunden Schaden zufügen. Es sei daher auf alle Fälle wichtig, das Geschehen zu beobachten.
"Viel aufzuholen gibt es in Sachen User Experience bei den Unternehmen", sagte Petritsch zu Trend Nummer drei. "Die Millennials, die Jahrgänge 1977 bis 1997, erwarten die coole Technologie, die sie privat verwenden, auch am Arbeitsplatz. Das bedeutet für die IT-Abteilung wiederum eine große Herausforderung, vor allem in punkto Security. Zweitens: Anwendungen mit Kundeninteraktion erfüllen die technischen und fachlichen Anforderungen in der Regel nur ungenügend.
KMU haben gutes Innovations-Potenzial
Ob die Unternehmen diese drei Trends für sich nützen können, "hängt von ihrer Kraft bei der Investitionspriorisierung zusammen", folgerte Petritsch. Führende Unternehmen investieren 60 % in den bestehenden Betrieb und setzen 40 % für Innovation ein.
"Österreich ist da noch weit hinten und hat einen gehörigen Aufholbedarf, insbesondere bei der Sales Optimierung", gab Oliver Krizek, Vorstandsmitglied von Navax zu bedenken. Innovation berge aber auch eine Chance für Klein- und Mittelbetriebe (KMU): "Die sind viel flexibler und können schneller etwas Neues ausprobieren und visionär sein, weil sie eine flache Struktur haben", so Krizek. Dem widersprach Gerald Klima, Leiter der APA-IT: "Neue Innovationen zielen eher auf Großunternehmen ab, und große Unternehmen haben auch einfach mehr Geld", so Klima.
"Beide haben recht", gab sich Andreas Muther, Chef von SAP Österreich, diplomatisch. "Bei gewissen Techniken haben durchaus auch KMU eine Chance. Gerade in Zeiten der Krise 2009/2010 haben viele KMU kräftig in ihre IT und Innovationen investiert, wir haben das deutlich an unseren Umsätzen gesehen", zollte Muther den heimischen KMU Respekt. Wichtig ist, "dass die IT zunehmend lernt, auch die Business Prozesse zu verstehen", betonte Muther. Aber: "Dem Fachbereich darf man das Denken aber nicht total abnehmen", konterte Klima.
Innovation "benutzbar" machen
"Alles wird immer sehr technisch hochgezogen. Wichtig ist, die richtige Technik auszuwählen und dann dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter sie auch richtig verwenden", sprach Petritsch die menschliche Seite der IT an. Eine große Chance für Innovation bietet sich durch den Trend zur Mobilität und die neuen Endgeräte, vom Smartphone bis zum Tablet. "Ein Tablet kann in unterschiedlichen Branchen ganz etwas anderes bedeuten", gab Gerald Klima zu bedenken. IT muss Bedürfnisse erfüllen. "Wir haben für ein Krankenhausinformationssystem alle Apps jetzt Smartphone-fähig gemacht. Das ist der Renner", berichtete Manfred Traumüller.
Impulse für Innovation, da waren sich alle Diskutanten einig, würden vor allem von außen und von den Kunden kommen. Zur Zukunft befragt, war der Tenor: Es warten noch ungeahnte Möglichkeiten auf uns. "Toll wird sein, via Internet noch besser zusammen arbeiten zu können. Auch bei der Hardware wird es sicher noch eine enorme Leistungssteigerung geben", glaubt Gerald Klima. "Die User Experience wird sicher immer wichtiger, auch wegen der neuen Endgeräte wie iPad und Tablets. Wichtig wird die Selektion sein, das heißt, welche Apps beziehe ich?" meinte HP-Experte Traumüller.
"Der Schlüssel liegt bei der Verknüpfung: Wie verbindet man die neuen Technologien und Endgeräte mit dem klassischen Business", betonte SAP-Chef Muther, während Navax-Vorstand Krizek eher das mangelnde IT-Service anprangerte: "Wenn man etwas kauft, wird man immer weniger serviciert, in Zukunft geht es darum, wieder mehr Service zu den Menschen zu bringen". Auf den Boden der Realität zurück fand Accenture-Berater Petritsch: "Gesellschaftlich und organisatorisch kommt man derzeit ans Limit, bei dem, was alles angeboten wird. Die Unternehmen müssen die Innovationswelle jetzt erst einmal verdauen."
Starten Sie initiale "IT-Innovations-Workshops"
MONITOR im Gespräch mit Georg Petritsch, Berater bei Accenture.
Wie kann der Image-Wechsel vom Infrastruktur-Bereitsteller zum Dienstleister, zum Innovations-Motor und strategischen Asset im Unternehmen gelingen?
Wie jeder andere Image-Wechsel kann das nur mit sichtbaren Veränderungen und Aktionen gelingen. Dazu sollte ein dediziertes Projekt mit einer Initial-Serie an Business- und IT-Innovation-Workshops ins Leben gerufen werden, wo das Business seine Herausforderungen reflektiert, die IT neue relevante Technologien vorstellt und Pilot-Projekte zur Etablierung neuer Lösungen vereinbart werden. Danach muss ein Innovationsprozess etabliert werden, um den Dialog kontinuierlich zu gestalten.
Welche Ratschläge geben Sie den Unternehmen?
Starten Sie mit Business-Bereichen, die einen hohen Nutzen aus neuer Technologie ziehen können und holen Sie sich externe Verstärkung für die initialen Innovationsworkshops, um zusätzliches Know-how einzubringen und eine sichtbare Neupositionierung der IT voranzutreiben.
Muss die IT-Abteilung in Zukunft um Ihre Existenz bangen oder wird eher im Unternehmen schrumpfen, wenn immer mehr in die "Cloud" verlagert wird? Welche Entwicklung sehen Sie?
Was die Mitarbeiterzahlen betrifft, werden IT-Abteilungen in Zukunft eher schrumpfen, die Bedeutung aber wird wachsen und die Anforderungen und das Know-how auf der Business Seite steigen. Gleichzeitig muss eine übergeordnete Priorisierung und Steuerung der Lösungsumsetzung erfolgen, um die Stabilität und Sicherheit des Unternehmens zu gewährleisten. Die Aufgaben der IT-Abteilung werden sich in Richtung Strategieentwicklung, Geschäftsunterstützung und Architekturkompetenz (Prozesse und Systeme) verschieben, der Bau und Betrieb von Lösungen wird weiter zunehmend durch externe Partner erfolgen.





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