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IT-Lösungen f. d. Industrie

Interview

CO2-Reporting

Interview mit Jürgen H. Daum, Chief Solution Architect, Executive Value Network, bei SAP Deutschland

„Ökologische Maßnahmen müssen sich für Wirtschaftsunternehmen rechnen.” Jürgen H. Daum, SAP Deutschland (Bild: SAP)

Welche Kennzahlen sind überhaupt geeignet, damit Unternehmen den Bereich Nachhaltigkeit mit der Finanzplanung konkret verknüpfen können?

Vorausetzung für ein sinnvolles Kennzahlsystem ist die Existenz einer Nachhaltigkeitsstrategie, die klar definiert, was in welchen Bereichen erreicht werden soll und wie sich dies auf den Geschäftserfolg - um den geht es schließlich in jedem kommerziellen Unternehmen - auswirken soll. Kennzahlen sollen ja ein Ergebnis messen. Das ist aber nur möglich, wenn vorher Ziele definiert werden.

Wie könnte das mit Blick auf die Unternehmen konkret aussehen?

Nehmen wir das Beispiel eines typischen Nischenweltmarktführers, zum Beispiel im Maschinenbau: Für das langfristige wirtschaftliche Überleben in der Nische spielt der Erhalt der Wettbewerbskraft eine entscheidende Rolle. Hierfür benötigen Sie eine passende Geschäftsstrategie, und Sie müssen entsprechend Maßnahmen planen, beispielsweise den kontinuierlichen Ausbau von Forschung und Entwicklung, das Stärken der Innovationsfähigkeit in allen Abteilungen im Unternehmen, aber auch im erweiterten Partnernetzwerk, die Verkürzung der "Time-to-Market", etc.

Erst dann kann man auch Ziele im sozialen Bereich und im Umweltbereich definieren, die die Geschäftsstrategie sinnvoll ergänzen und die so für ein kommerzielles Unternehmen nach außen glaubhaft wirken sowie auch intern zu Akzeptanz und zu Unterstützung seitens der Führungskräfte und Mitarbeiter führen und damit auch die Sparrunde beim nächsten Konjunkturabschwung überleben. Das können beispielsweise Maßnahmen sein, die die Ökobilanz des Unternehmens verbessern und gleichzeitig auch Kosten einsparen helfen sowie über die Verbesserung der Reputation den Zugang zu wichtigen strategischen Märkten, Geschäftspartnern und - über ein verbessertes Employer-Branding - auch zu hoch qualifizierten potenziellen neuen Mitarbeitern verbessern.

Welche Rolle spielt die Reduktion des ökologischen Fußabdrucks in der Wertschöpfungskette und wie können Softwaretools hier unterstützen?

Die Reduktion des CO2-Footprints wie auch die Reduktion des Energieverbrauchs stehen heute ganz oben auf der Agenda und in einer Reihe von Unternehmen werden derzeit entsprechende kennzahlbasierte Controlling-Konzepte eingeführt. SAP bietet dafür integrierte Lösungen an, die es z.B. dem Operator in einem Chemiewerk erlauben, den Verbrauch von Strom und Dampf über alle Anlagen hinweg, für die er verantwortlich ist, zeitnah zu überwachen und auf Basis der definierten Ziele zu steuern. Das senkt nicht nur die Energiekosten, sondern auch die CO2-Emission.

Ein anderes Beispiel ist ein Kunde aus dem Bereich Consumer Products. Hier wird der Carbon Impact auf Produktebene für die gesamte Produktpalette monatlich neu durchgerechnet und mit den ambitionierten Energie- und CO2-Emmissions-Reduktionszielen abgeglichen. Das Ziel besteht darin, Kosten zu sparen, aber vor allem dem neuen Bewusstsein und Bedarf der Konsumenten an nachhaltigen Produkten gerecht zu werden - und so die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Wie gelingt die Umsetzung erfolgreich?

Ökologische Maßnahmen müssen sich für Wirtschaftsunternehmen rechnen - entweder durch Kosteneinsparung oder durch die Generierung von mehr Geschäft und damit Umsatz. Um das dann tatsächlich zu erreichen, sind die entsprechenden Maßnahmen mit Zielgrößen zu versehen, zu planen und nachzuverfolgen. Und dafür sind auch entsprechende Kennzahlen erforderlich. Ein kennzahlbasiertes Nachhaltigkeitscontrolling kann somit ein wichtiger Erfolgsfaktor nicht nur zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele selbst sein, sondern auch für das Einfahren der Ernte aus wirtschaftlicher Sicht.

Kennzahlensets zur Datenerhebung in der Nachhaltigkeit

Ökonomie und Gesellschaft: Betriebswirtschaftliche Größen (Umsatzentwicklung, Eigenkapital, Subventionen, Steuern etc.), Corporate Governance, Corporate Citizenship, Verbraucherorientierung und Kundeninformation.

Ökologie: Standortkriterien (Umweltbilanz, Ressourcenverbrauch, Abfallbeseitigung und Recycling, Produkt- und Sortimentgestaltung), Energieverbrauch, Logistik und Verkehr, Klimaschutz/CO2-Emissionen, Schadstoffemissionen in die Luft und Lärmemissionen, Produktions- und Transportunfälle einschließlich Freisetzung von Chemikalien, Kraftstoffen und Ölen, Ökologische Verträglichkeit der Produkte.

Mitarbeiter: Gesundheitsmanagement, Work Life Balance, Betriebliche Altersvorsorge und Kapitalbeteiligung, Arbeitszufriedenheit und Mitarbeiterbindung, Aus- und Weiterbildung, inklusive Schulungen zu Fragen wie menschenrechten oder Antikorrpution).

Lieferanten: Lieferantenstruktur, Verteilung des Auftragsvolumens, Audit-Ergebnisse.

Quelle: Wesustain/LL

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MONITOR-Autoren
Dr. Manfred Wöhrl

Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. ..mehr..

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