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IT-Lösungen f. d. Industrie

Über "spielerische" Ansätze in der Robotik und deren wirtschaftliche Positionierung

"Bottom-up" in der österreichischen Robotik

Wenige wissenschaftliche Forschungsthemen werden derart vielschichtig wahrgenommen wie die Robotik - von der Kunst, über die Materialwissenschaften und Mechanik, bis zu den Informationstechnologien. Medien berichten in schöner Regelmäßigkeit von den neuesten Maschinenspielereien, von wissenschaftlichen Studien bis zu ernsthaft verwendbaren Haushaltsrobotern, den rezenten Geräten der "Consumer-Range" für den gepflegten Rasenschnitt oder ein selbstorganisiertes Staubsaugertum.

Mini Sumo Roboter auf der RobotChallenge (Bild: INNOC)

Wenn das nicht notwendig ist, da man sich für niedrige Tätigkeiten gerne Menschen leisten möchte, dann kann es auch der NAO von Aldebaran sein, der laut Peter Kopacek, emeritierter Robotik-Professor an der TU Wien und mehrfacher österreichischer Europa- und Weltmeister im Roboter-Fußball, bis zu 12.000 Euro kosten kann - sozusagen dann der High-End-Freund für die gediegene Roboterszene. Die Liga der "Advanced Toy Robots" beginnt aber nach Kopacek schon bei 600 US-Dollar für einen Bausatz, damit auch der Mittelschicht ein Gefallen getan ist.

Spielwiese für Informatiker

„Die Informatik, die ja oft recht unsexy ist, kann durch den Roboter sichtbar gemacht werden.” Peter Kopacek, TU-Wien

Auffällig ist, dass es kaum einen anderen Bereich gibt, bei dem der Spaßfaktor eine so große Rolle spielt. Sogar in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung merkt man den spielerischen Umgang allerorts. Vielleicht auch deshalb, weil hier die Informatiker, die schon lange das Feld maßgeblich mitbereiten, eine Spielwiese gefunden haben.

Für Peter Kopacek ist die Robotik für Programmierer deshalb interessant, weil "die Informatik, die ja oft recht unsexy ist, durch den Roboter sichtbar gemacht werden kann." Kopacek grenzt aber für Europa ein, dass die asiatische Konkurrenz, vor allem in Japan und Korea, in der Entwicklung weit voraus sei, weil sie bereits eine spezialisierte Industrie besitzt und dadurch die notwendigen spezialisierten Entwickler. Wo aber die Europäer durchaus mithalten können, oder sogar voraus sind, ist die Hardware-Entwicklung, die aus der langen europäischen Maschinenbautradition herrührt. Das war laut Kopacek auch das Geheimnis des Sieges bei den Roboter-Fußballern.

Auch wenn wir keine FIFA-Fußball-Weltmeisterschaften mit Robotern gewinnen, ist Österreich kein Niemandsland in der Robotik. Die heimischen Stärken liegen (auch) im Eventbereich. Mit den Veranstaltungen "Robot-Challenge" (www.robot-challenge.at) und "Roboexotica" (www.roboexotica.org) finden zwei hochkarätige Robotik-Veranstaltungen in Österreich statt und beide bereits seit vielen Jahren (Robot-Challenge seit 2004 und die Roboexotica bereits seit 1999). Dort tüfteln Teams aus ganz Europa um Nikes Gunst, bei der Robot-Challenge in verschiedenen Kategorien des robotischen Kampfsports und der Geschicklichkeitsrennen, und bei der Roboexotica werden von Robotern Cocktails gemixt und die Bar-Gesprächigkeit von Robotern getestet. Beide Veranstaltungen sind jedoch Benchmarks im internationalen Vergleich.

Als ich letztens ein Buch über wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Fernsehserie "Simpsons" las (1), hat der US-amerikanische Autor fast eine ganze Buchseite über die Roboexotica in Wien geschrieben, übrigens ohne, dass es die österreichischen Veranstalter des Events wussten - ich fragte beim Veranstalter Magnus Wurzer nach!

Die Robot-Challenge ist überhaupt in der obersten Liga angekommen und der Erfinder und Veranstalter, Roland Stelzer vom INNOC.at (www.innoc.at), ist bereits mehrfacher Weltmeister in der Disziplin der autonom navigierenden Roboter-Segelboote. Auch eine Spielerei denkt man sich - mitnichten: Das INNOC ist, basierend auf den eigenen Vorarbeiten, zusammen mit der Oregon State University, Teil eines internationalen Forschungsprojekts mit fast einer halben Million Euro Gesamt-Dotation, um ein autonom navigierendes Segelboot für die maritime Forschung zu entwickeln. Wer sagt denn, dass Roboter nicht schwimmen können!

Lust an der Sache

NAO von Aldebaran Robotics (Bild: Aldebaran Robotics)

Entgegen der Annahme, dass Robotik und damit eng verwoben die Informationstechnologien, immer strenge Projektpläne und Controller benötigen, sind hier Innovationen erst einmal aus der Lust an der Sache entstanden und haben sich erst später formalisiert. Beide Robotiker sind natürlich gute Informatiker. Das tiefe Verständnis von Steuerungsprozessen und Informationsverarbeitung kommt eben von dort, sonst wären die Elaborate ja nur mechanische Exponate, wie die alten Blechroboter es waren, bunt beleuchtet, aber eben nur gerade aus bis gegen die Wand.

Es verwundert daher auch nicht, dass die beiden erwähnten Veranstaltungen neben den eigentlichen Events auch wissenschaftliche Symposien und Tutorials anbieten. Dabei waren die Anfänge für beide Veranstaltungen denkbar unterschiedlich. Während für Magnus Wurzer (www.SHIFZ.org) als Initial für die Roboexotica ein quasi künstlerisch-lukullischer Ansatz vorherrschte - "eine natürliche Entwicklung vor dem Hintergrund des eigenen Wirkens in der digitalen Kunst, wo bereits vorher Maschinen, das Schaffen von Atmosphäre und verabreichte Flüssigkeiten zusammenkamen" - war es bei Roland Stelzer und seiner Robot-Challenge eher das Verlangen, sich aus der reinen Theorie zu emanzipieren und greifbare Ergebnisse zu bringen und zu fördern. Eines haben aber beide Ansätze also gemeinsam: Sie machen Leistungen der Informationstechnologien erlebbar, so wie das auch der Peter Kopacek sieht.

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MONITOR-Autoren
Dr. Manfred Wöhrl

Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. ..mehr..

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