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IT-Lösungen f. d. Industrie

Interview mit Pier Manenti, EMEA Research Director IDC Manufacturing Insights

iPads für die Fabriken

Pier Manenti, EMEA Research Director IDC Manufacturing Insights, über die neue Offenheit der IT-Systeme in Fabriken, Enterprise Manufacturing Intelligence, Gefahren wie Viren sowie den Einzug von iPads und Co. in die Werkshallen.

Alfred Bankhamer

„Den Wettbewerb mit Herstellern aus Ländern wie China können europäische Produzenten sicher nicht auf der Kostenseite gewinnen.” Pierfrancesco Manenti, EMEA-Leiter für die Forschungsabteilung IDC Manufacturing Insights

Die IT in den Fabrikhallen und Büros wächst mehr und mehr zusammen. Zuerst dominierten fixe Verkabelungen. Nun kommen verstärkt die kabellosen Technologien. Welche Auswirkungen hat all das?

Es gibt sicherlich einige massive Veränderung. Ein besonderer Punkt dabei ist, dass die Fabriken offener werden. In der Vergangenheit wurden spezielle, proprietäre und geschlossene Netzwerktechnologien verwendet. Nun gibt es echte Verbindungen zwischen den Fertigungsbereichen und dem Rest des Unternehmens. Erhöht hat sich auch die Sichtbarkeit, das Geschehen in den Fabriken kann nun direkt von den Büros aus beobachtet werden. Mittlerweile ist IP Mainstream, auch das ganze Automatisationsequipment bietet IP-Kompatibilität. Alles ist viel offener geworden.

Und wie sieht es mit WLAN aus?

Wireless bietet nun noch mehr Offenheit und Flexibilität und ist zugleich auf der Kostenseite viel günstiger. Denn diese Technologien sind mehr konsumenten-orientiert und allein schon wegen der hohen Stückzahlen, die davon produziert werden, billiger.

Birgt diese neue Offenheit nicht auch Gefahren?

Diese Entwicklungen bringen zuerst einmal viele Vorteile, aber auch Herausforderungen und Bedrohungen. Es ist essentiell, dass Fabriken gut angebunden sind und eine höhere Sichtbarkeit in der sich rasch ändernden globalen Welt bieten, wenn Unternehmen ihre Fertigungsstätten über viele Länder verteilt haben. Die offene Infrastruktur ermöglicht es beispielsweise mit Echtzeitdaten aus einer Fabrik in China zu arbeiten.

Und die Gefahren?

Die größte davon ist die Security in den Maschinenhallen. Vor rund einem halben Jahr sorgte das Virus Stuxnet für Aufsehen, das ein iranisches Atomkraftwerk infiziert hatte. Das ist schon eine sehr besorgniserregende Angelegenheit. Das Virus wurde entwickelt, um Siemens Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS bzw. PLC Programmable Logic Controller) anzugreifen. Systeme werden also nicht nur über die Netzwerke, sondern auch über die Software von Windows über Scada bis zur PLC attackiert. Besonders schlimm ist, dass es nun Viren gibt, die PLCs neu programmieren können. Wenn so etwas beispielsweise in einer chemischen Fabrik passiert, könnte es fatale Folgen haben.

Deshalb glaube ich, dass diese neue Sicherheitsbedrohung den Trend zu den offenen Technologien verändern wird. Es könnte sein, dass Unternehmen wieder mehr auf geschlossene Netzwerkprotokolle und Ausrüstung setzen.

Welche Trends gibt es generell im IT-Equipment für so raue Umgebungen wie Industriehallen?

Wenn man sich heute die Arbeitsumgebung in der Industrie besonders in der westlichen Welt ansieht, gleicht sie eher Büros. Die durchschnittliche Autofabrik ist absolut sauber. Viele haben noch das Bild einer Fabrik im 19. Jahrhundert vor Augen. Natürlich hängt es auch von der Industrie ab. Die Stahlindustrie hat sicher andere Anforderungen. Aber in der Automotive-, Chemischen-, Nahrungsmittel- und Hightech-Industrie geht es sehr sauber und sicher zu. Das hat auch den Erfolg von IP-Networking gebracht.

Kommt nun auch das iPad für die Fabrik?

Die Diskussion, die im Netzwerkbereich begonnen hat, bewegt sich derzeit hin zu den mobilen Geräten. Warum sollen Unternehmen spezielle, besonders für raue Umgebungen gebaute Gegenstände kaufen, wenn ein iPad oder Smartphone auch genügt? Ein ruggedized Tablet kostet 3.000 bis 4.000 Euro pro Stück. Es hat auch 3 bis 4 Kilo Gewicht. Für den Preis kann man 5 bis 6 iPads kaufen, die nur 700 Gramm wiegen. Und wenn einmal eines kaputt geht, nimmt man ein Neues.

Die Diskussion hat letztes Jahr mit der iPad-Revolution begonnen. Normale Windows-PCs fahren langsam hoch und sind umständlich zu handhaben. Das iPad ist sofort verfügbar, mobil und sehr einfach zu bedienen. Ich erwarte dieses Jahr erste Installationen. Aber hier spielen auch die erwähnten Sicherheitsfragen eine Rolle.

Wie stark sind heute die ERP- und Steuerungssysteme der Fabriken schon verbunden?

Dieses Thema steht auf der Prioritätenliste der Unternehmen ganz oben. Man will die Zentralen besser mit der Produktion, also ERP, MES und den Automatisationssystemen, vernetzen. Da sind wir in der Implementierungsphase. Neben der Integration geht es nun auch um Enterprise Manufacturing Intelligence, eine neue Klasse von Applikationen. Das ist eine Art BI für die Produktionshallen. Dabei handelt es sich nicht nur um ein rein transaktionelles System, das den Finanzbereich und Reporting abdeckt, sondern um Realtime-Analysen, womit sich fast in Echtzeit mit ERP, PLM, SCM arbeiten lässt. Diese neue Technologie ist besonders für Unternehmen mit mehreren Fabriken wichtig.

Wie wird die Fabrik der Zukunft aussehen, wird es nur mehr Roboter in den Hallen geben?

Wir erwarten, dass Unternehmen mehr Fertigungsstellen als heute haben werden. Heute geht es vor allem um Massenproduktion. Das wird sich ändern. Unternehmen müssen bei der zunehmenden Globalisierung in vielen Ländern stärker auf die Konsumentenwünsche eingehen. Die Produkte müssen angepasst werden. Das bedeutet, dass es ein Netzwerk kleiner, näher am Markt befindlicher Fabriken geben muss, die auch flexibler sind. Da Menschen flexibler als Maschinen sind, wird es nicht dazu kommen, dass nur mit Robotern automatisiert wird.

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MONITOR-Autoren
Dunja Koelwel

Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. ..mehr..

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