21-4-2011 | Aus MONITOR 3/2011 Gedruckt am 18-09-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/13738
IT-Lösungen f. d. Industrie

Interview mit Peter Gallistl, Dataphone

Mobile Prozesse

Lösungen für die Lagerlogistik und den Außendienst bilden das Portfolio der Dataphone. MONITOR sprach mit Geschäftsführer Ing. Peter Gallistl über aktuelle Trends.

Dominik Troger

Bei Eurogast sind in einer ersten Ausbaustufe 300 Motorola MC3190 im Einsatz. (Bild: Eurogast Österreich)

Außendienst und Lagerlogistik mit IKT-Unterstützung sind keine neuen Themenfelder. Die Ablöse einer internen "Zettelwirtschaft" durch eine durchgängige IKT-Lösung mit digitaler Datenweitergabe birgt ein Optimierungspotenzial, das von vielen größeren Unternehmen schon rege genutzt wird.

Solche Lösungen reichen von der mobilen Hardware über den Einsatz von Barcode bis zur GPS-gestützten Routenplanung und optimieren die Kommunikation zwischen Außendienst und Zentrale. Die Daten können in "Echtzeit" verbucht werden, die Außendienstmitarbeiter, aber auch die Kunden sind dadurch immer am aktuellen Stand.

Standardsoftware für die Logistik

Das Angebot der Dataphone umfasst vier große Bereiche: Lagerlogistik, Außendienstlösungen, Filiallogistik und "Track and Trace", ein web-basierendes Sendungsverfolgungs-System. Eine wichtige Rolle spielt dabei "Logis", eine Standardsoftware zur Prozesssteuerung für Lager- und Produktionslogistik in verschiedenen Branchen.

"Damit lässt sich beispielweise der Warenfluss unter Verwendung der Barcode-Technologie und der Funkvernetzung von mobilen Arbeitsplätzen aus steuern. Das System baut auf einer bestehenden Lagerverwaltung auf und übernimmt daraus Daten auf einen zentralen Logistikrechner", erläutert Ing. Peter Gallistl, der seit Ende 2009 zusammen mit Mag. Ernst Müller die Dataphone-Geschäftsführung inne hat.

Die mobile Auftragsbearbeitung im Außendienst sorgt für die papierlose Auftragsbearbeitung beim Kunden vor Ort. Zusätzlich sind Daten wie Liefertermine, Lagerbestand, Kundenrabatte vom Außendienstmitarbeiter vor Ort abrufbar. Hardwareseitig arbeitet man ausschließlich mit Technologien anerkannter Marktführer wie Datalogic, Zebra sowie Honeywell und ist als Motorola "PartnerSelect business partner" seit zwei Jahren größter Partner von Motorola Enterprise Mobility Solutions in Österreich.

Lagerlogistik

Ing. Peter Gallistl, Geschäftsführer Dataphone (Bild: Dataphone)

Ein gutes Beispiel für die Dataphone-Expertise in der Lagerlogistik ist die Lösung, die mit dem Sportartikelspezialisten SPORT 2000 realisiert wurde. "SPORT 2000 hat gleichzeitig mit der Implementierung eines neuen ERP-Systems ein neues Logistikzentrum in Regau mit insgesamt 20.000 m² in Betrieb genommen", erläutert Gallistl. "Neben der Schnittstelle zum neuen ERP-System mussten die gesamten Logistikprozesse neu aufgesetzt und organisiert werden. Die Umsetzung des Projektes umfasst Hardware und Software sowie einen langjährigen Wartungsvertrag."

Die komplette Lagerlösung umfasst eine WLAN Funkinfrastruktur bestehend aus 14 Access Points Motorola AP-5131 und 22 mobilen Motorola MC7090. Die drahtlosen Motorola-AP-5131-Zugangspunkte lassen sich laut Gallistl einfach implementieren und bieten flexible WLAN-Vernetzungsfunktionen nach 8011a/b/g-Standard. Die Motorola-MC7090-Geräte sind Mobiltelefon, PDA, Computer, Scanner und Imager in einem Gerät. Die Dataphone eigene Software Lösung Logis Online wurde an die speziellen Anforderungen des Kunden angepasst, um alle Prozesse abbilden zu können und die Schnittstelle zum ERP-System wurde realisiert.

Mobiler Außenhandel

Bei Eurogast, einem Zustell-Großhandel für Gastronomie und Großverbraucher, wurde ein mobiles Internet-Bestellsystem implementiert. Das von Eurogast den Gastronomen kostenfrei zur Verfügung gestellte System eurogast Best.Friend! ist ein mobiles Barcodebestellsystem für die sichere Bestellung bei Eurogast. In einer ersten Ausbaustufe befinden sich 300 Motorola MC3190 im Einsatz, die Aufstockung auf rund 1000 Geräte ist geplant.

Als Software kommt Logis Mobile zum Einsatz. Die Software gibt einen flexiblen Rahmen vor, der Erweiterungen und Spezifikationen gemäß Kundenanforderungen zulässt, und geht dabei speziell auf die Bedürfnisse eines mobilen Anwenders ein. "Das Eurogast-Projekt ist ein Außendienst-Projekt mit besonders vielen Geräten, wobei jedes Gerät bei den Eurogast-Kunden in eine andere IT-Infrastruktur eingebunden ist", betont Gallistl die Komplexität der Anwendung.

Welche Rolle spielt RFID?

Um das Hypethema RFID (Radio-Frequency Identification) ist es in der letzten Zeit ruhiger geworden. RFID, das doch einiges an Mehrkosten verursacht, ist laut Gallistl dort interessant, wo geschlossene Kreisläufe existieren: Paradebeispiele sind die Automobilindustrie oder die Dokumentation von Kühlketten in der Nahrungsmittelindustrie. "Aber im Normalfall reicht der Einsatz von herkömmlichem Barcode aus", betont der Spezialist.

Voice-Anwendungen in der Logistik beispielsweise in Verbindung mit Multiorder-Kommissionierung und Gabelstapler-Leitsystem oder für den Versandhandel kämen in Österreich nur punktuell zum Einsatz.

KMU als neue Zielgruppe

Für Dynamik im Markt sorgt derzeit die Verbreiterung der Anwendergruppe. "Seit zwei Jahren ist das Thema auch bei den KMUs angekommen", so Gallistl. Auch für Unternehmen mit nur drei bis vier Mitarbeitern im Außendienst rechne sich bereits eine kleine Lösung.

Was KMUs dabei beachten sollen? Gallistl empfiehlt auf professionelle Hardware zu setzen, die auch für die Beanspruchung im Außendienst ausgelegt ist: "Mobilcomputer unterscheiden sich in einer Vielzahl von Kriterien wie Scanner, Funk, Griff, Tastatur, Batteriehandling, Robustheit etc. Hier braucht es eine erfahrene Beratung. Wer für professionelle mobile Anwendungen auf klassische Consumergeräte setzt, wird nicht glücklich werden."

Die benötigte Software sollte modular aufgebaut und leicht adaptierbar sein. Ganz wichtig sei es, nach Referenzen zu fragen und sich zumindest eine Referenzinstallation auch persönlich anzuschauen.

Marktentwicklung

Dataphone wurde Ende 2009 im Zuge eines Management Buyouts von Ing. Peter Gallistl und Mag. Ernst Müller übernommen. Zu den früheren Schweizer Eigentümern der Dataphone Holding AG, die mit dem Unternehmen nach wie vor in der Schweiz, Deutschland und der Slowakei präsent ist, besteht aber nach wie vor enger Kontakt. Für die Abwicklung großer Projekte stehen hier auch Ressourcen zur Verfügung.

Gallistl: "Wir waren bisher sehr erfolgreich tätig und die Aussicht, Unternehmer in einem wachsenden Markt, wie das Mobility Business, zu werden, hat uns sehr gereizt. Die Erfolge im ersten Jahr als Unternehmer haben uns sehr motiviert." Das Unternehmen erzielte 2010 einen Umsatz von 3,7 Mio. Euro und stockte von 12 auf 14 Mitarbeiter auf. Ziel für 2011 ist es, von Wien aus über Partner auch stärker im Westen Österreichs Fuß zu fassen.

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