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Strategien

Ergonomie

Usability-Check für die Webseite

Auch wenn eine Webseite auf den ersten Blick noch so umwerfend aussieht - folgt sie nicht einem Mindestmaß an Usability-Kriterien, wird sie auf Dauer kaum Besucher überzeugen. Ein Abgleich der eigenen Webseite nach diesen Kenndaten ist dabei kein Hexenwerk.

HotGloo ist ein englischsprachiges Online-Tool, mit dem man in einem flash-basierten Editor interaktive Wireframes und Clickdummys erstellen kann. (www.hotgloo.com)

Der Begriff Usability bezeichnet ganz allgemein die Eignung eines bestimmten Produktes, dem Benutzer zu helfen, ein gewisses Ziel möglichst schnell, effizient und problemlos zu erreichen. Dafür gibt es sogar eine eigene Normierung, nämlich ISO 9241. Überträgt man diesen Ansatz auf das Internet, spricht man speziell von Web Usability.

Web Usability dabei allein mit Bedienerfreundlichkeit oder gar technischer Verfügbarkeit zu übersetzen, wäre aber nicht korrekt, weil es die Faktoren Benutzungseffizienz und den Grad der Zufriedenstellung nicht berücksichtigen würde.

Web Usability stellt dabei klare Anforderungen an eine Webseite, etwa hinsichtlich der Navigation, der Präsentation der Informationen, der Barrierefreiheit, der Suchmaschinenoptimierung oder auch der bestmöglichen Nutzbarkeit durch Senioren. Je nach Art des Webangebotes kommen noch weitere Kriterien hinzu. So ist es bei einer Shop-Lösung zum Beispiel wichtig, wie übersichtlich das Warenangebot ist, wie gut es zu durchsuchen ist, wie gut die Zielgruppe angesprochen wird oder auch wie schnell die Ladezeit der Seite ist.

Wer nun selbst anhand eines Kataloges testen möchte, wie es um die Usability der eigenen Website bestellt ist, sollte sich von den vier Kriterien Zugänglichkeit bzw. Layout, Identifizierung, Navigation und Content leiten lassen.

Zugänglichkeit beziehungsweise Layout

Der erste Aspekt, der potenziellen Besuchern auffällt, ist die Ladezeit, die nicht länger als drei Sekunden dauern sollte. Längere Wartezeiten beim Aufbau einer Webseite sind für 40 % der von den US-Marktforscher von Forrester Research im Rahmen einer Usablity-Studie befragten Online-User nicht akzeptabel.

Auch das Layout trägt wesentlich zur Usability bei. Unter Layout ist hier vor allem Typografie, Zeilenabstand und Farbgestaltung zu verstehen. Die meisten Webdesigner sind deutlich jünger als die Zielgruppe, die die von ihnen gestalteten Webseiten besuchen soll, unterstellen dieser aber, dass sie ihre Designvorlieben und Sehfähigkeit teilen. Das Layout sollte sich aber immer an die anvisierte Zielgruppe richten, abgesehen davon, dass auch die Qualität der Monitore stark schwankt und deswegen ein klares Layout nicht von Nachteil ist.

Wegen der starken Wirkung von Farben auf die menschliche Aufmerksamkeit, sollte man diese eher sparsam und mit System einsetzen. Weiß aufgehellte Farben, so genannte Pastellfarben, oder verhältnismäßig dunkle Farben eignen sich hierbei eher für den Hintergrund, intensive Farben für wichtige Details und eher kleine Elemente, die der Aufmerksamkeit bedürfen. Außerdem wird warmen Farben wie Rot eher Beachtung geschenkt als kalten. Nutzer sollten ganz grundsätzlich durch einen einheitlichen Stil und ein einheitliches Farbschema wissen, dass sie immer noch auf derselben Seite sind. Unterschiedliche Layouts, Schriften und Farbbedeutungen mögen zwar trendig erscheinen, verwirren aber Otto-Normal-User.

Der Webdienst Google Browser Size (browsersize.googlelabs.com) legt ein farbiges Raster über die im Hintergrund angezeigte Webseite der eingegebenen URL und informiert so darüber, was Nutzer ohne zu scrollen sehen.

Die Meinungen über die passende Schriftgröße gehen auseinander, aber auf der sicheren Seite ist man eher mit einer etwas größeren Schrift. Amerikanische Studien haben beispielsweise herausgefunden, dass Senioren im Web die Schriftgröße 14 bevorzugen und serifenlose Schriften wie Arial oder Verdana Serifenschriften wie Times New Roman vorziehen. Serifenschriften sollten zudem größer dargestellt werden als Schriften ohne Serifen, da sie mehr typografische Details enthalten, deren kleinere Darstellung die Lesbarkeit verschlechtert.

Weiterer Aspekt in Sachen Usability im Layout ist die Zeilenlänge. Sie sollte zwischen 60 und 80 Zeichen pro Zeile liegen. Je mehr Zeichen eine Zeile dabei enthält, desto deutlicher sollte der Zeilenabstand ausfallen, da sonst das Auge den Sprung vom Ende einer Zeile zum Anfang der nächsten nur schlecht bewerkstelligen kann.

Blocksatz sollte ein Unternehmen auf seiner Webseite tunlichst vermeiden, da dieser in seiner Darstellungsqualität stark abhängig ist von der verwendeten Schrift, Schriftgröße und seiner variablen Ausdehnung. Kein Webseitenbetreiber kann sich darauf verlassen dass die durch den Stylesheet empfohlene Schrift zum Einsatz kommt und das Ergebnis auf den Monitoren der User entsprechend aussieht.

Bis vor wenigen Jahren galt der Verzicht auf einen Scroll-Balken als wichtiges Kriterium für eine gute Usability, doch das hat sich geändert. Aktuelle Studien zeigen, dass es für die meisten User inzwischen kein Problem darstellt, wenn sie Webseiten scrollen müssen - doch dieses sollte horizontal, nicht vertikal möglich sein.

Identifizierung

Die erste Frage, die sich ein Besucher einer Webseite intuitiv stellt, ist: "Wer steckt dahinter?" Diese Frage sollte sich schnell beantworten lassen, etwa indem Logo und Markenname sofort erkennbar sind. Der beste Platz hierfür ist - nach den Erwartungen der meisten Besucher - die obere linke Ecke des Bildschirms. Weiters kann auch ein Slogan sinnvoll sein, der das Ziel eines Unternehmens beziehungsweise einer Organisation prägnant auf den Punkt bringt. Dieser Slogan sollte aber nicht mit Fachtermini brillieren, sondern für jedermann verständlich sein.

Dies gilt auch ganz grundsätzlich für die Sprache einer Webseite. Experten sprechen hier oft von der so genannten fünf Sekunden Regel: Ein Besucher sollte in fünf Sekunden die Kernbotschaften einer Webseite verstanden haben, denn Internetnutzer sind sprunghaft, haben wenig Ausdauer und sollten deswegen schnell verstehen, um was es auf einer Seite geht.

Navigation

Sobald ein Besucher eine ungefähre Vorstellung hat, mit wem er es zu tun hat, müssen klare Pfade die Navigation erleichtern. Seit es Webseiten gibt, hat dabei jede Seite ein Hauptmenü, das leicht zu finden sein sollte. Will ein Unternehmen mehrere Menüs nutzen, sollten die Unterschiede deutlich erkennbar sein. Kernpunkt eines jeden Menüs sind weiters die Navigationsbegriffe. Diese sollten klar, präzise und kurz sein und sich auch Fachfremden einfach erschließen. Wichtig ist ebenfalls ein klarer Pfad zur Unternehmens-und Kontaktinformation. Denn auch wenn dies möglicherweise altmodisch erscheint, schätzen User den direkten und schnellen Kontakt, den man am besten als Text auf die Seite stellt, da sich auf diese Weise auch Suchmaschinen leichter tun.

Die Anzahl der Buttons sollte sich ebenfalls in einem überschaubaren Rahmen bewegen, da Studien ergeben haben, dass mehr als sieben Menüpunkte eher verwirren als orientieren.

Das Logo sollte mit der Homepage verlinkt sein, denn Nutzer sind es gewohnt, dass sie durch einen Klick auf das Logo wieder auf die Startseite zurückgeführt werden. Links sollten immer gleich und leicht zu erkennen sein. Der Standard für Links ist dabei, dass sie blau und unterstrichen sind.

Content

Eine Webseite steht und fällt mit einem organisierten und leicht zu überfliegenden Inhalt. Hauptüberschriften sollten daher deutlich erkennbar sein und inhaltliche Abschnitte trennen, da die meisten Menschen im Internet nicht lesen, sondern einen Text nur überfliegen.

Wichtiger Inhalt gehört für Usability-Experten dabei über den Fold, also der Linie, durch die eine Seite durch das Ende des Bildschirmes abgeschnitten wird. Inhalt unter dieser Linie wird oftmals nicht mehr gelesen.

Die Sprache sollte grundsätzlich klar und einfach sein und Keywords an den richtigen Stellen verwenden - wobei aber die Überschriften, allen Suchmaschinenvorlieben zum Trotz - keine Aneinanderreihung von Schlüsselbegriffen sein sollten.

Fazit

Web Usability hat mehr zu bieten als reine Benutzerfreundlichkeit und sie ist auch keine Samaritertat am Internetnutzer. Sie stellt den Besucher in den Fokus, ganz nach dem Marketingslogan "Der Kunde ist König" und das trägt wesentlich zur Zielgruppenakzeptanz bei. Wer das ignoriert, läuft Gefahr, seine Zielgruppe auf den Seiten der Mitbewerber wieder zu finden - während das eigene Webangebot im digitalen Nirwana verstaubt.

Bücher zum Thema

Don't make me think! Web Usability: Das intuitive Web

Steve Krug - ISBN 3-8266-15995-6 - 24,95 Euro

Das Besondere an Steve Krugs Buch ist, dass er nicht nur Prinzipien erklärt, Tipps und Empfehlungen abgibt, was eine gute Website ausmacht , sondern dem Leser auch zeigt, wie einfach und schnell sich Benutzertests durchführen lassen. Denn nur ein Benutzertest kann Sicherheit und Erkenntnisse liefern, ob ein Entwurf eine hohe oder schlechte Usability hat.

Krug zeigt, dass für den Benutzertest kein Usability-Labor, keine Statistik, keine Marktforschung, keine speziellen Benutzer und auch keine besonderen Kenntnisse erforderlich sind. Es geht viel einfacher. Steve Krug beschreibt dazu das praktische Vorgehen, nennt auch Zahlen und gibt Tipps worauf es wirklich ankommt.

Ein Mankos allerdings macht sich in dem Buch bemerkbar: Krug vermeidet gängige Begrifflichkeiten und Normen. Dies ist einerseits erfrischend, weil so der Inhalt kompakter dargestellt werden kann. Anderseits muss man sich dabei im Klaren sein, dass Kollegen teilweise in einer anderen Sprache kommunizieren.


Suchmaschinenoptimierung & Usability - Website-Ranking und Nutzerfreundlichkeit verbessern

Steven Broschart - ISBN 978-3-7723-7449-4 - 39,95 Euro

Dieses Buch will zeigen, wie SEO und Usability zusammenhängen und wie man seine Website auf beiden Feldern entscheidend voranbringt. Es beginnt mit der Suche nach den richtigen Keywords, die zur Website und zum Unternehmen passen. Hohe Platzierungen in den Ergebnislisten der Suchmaschinen sind nämlich der erste Schritt, aber der Besucher muss dann auf der Webseite finden, was er sucht, damit er Kunde wird und bleibt.

Steven Broschart stellt Methoden vor, mit denen man untersuchen kann, ob die Benutzerführung der Website optimal ist und wo Schwachstellen liegen. Der Autor zeigt, welche subjektiven und objektiven Kriterien es für gute Web Usability gibt. Darüber hinaus führt er in die Mousetracking-Methode ein, die die Mausbewegungen von Benutzern einer Website aufzeichnet.


Website-Konzeption: Erfolgreiche Websites planen, umsetzen und betreiben

Jens Jacobsen - ISBN: 978-3-8273-2851-1 - 39,95 Euro

Die Konzeption ist für den Erfolg von Web-Projekten und Multimedia-Anwendungen entscheidend. Nur wenn Zielgruppe und Kommunikationsziel klar definiert sind und eine sinnvolle Struktur und Gestaltung umgesetzt werden, stimmt das Ergebnis.

Dieses Buch zeigt, wie man interaktive Projekte so angeht, dass der Aufwand möglichst gering ist, der Erfolg aber möglichst groß. Schritt für Schritt wird gezeigt, wie man das Konzept entwickelt, alle Beteiligten sinnvoll einbindet, die Umsetzung plant und durchführt.

Auch das Thema Usability (Benutzerfreundlichkeit) ist ausführlich behandelt. So kann man von Anfang an sicherstellen, dass die Besucher der Site mit dieser klar kommen und zurückkehren. Das Buch zeigt weiter, wie man den Internetauftritt barrierefrei machen und gleichzeitig den Wartungsaufwand verringern kann. Konzepter und Entwickler erfahren, was sie zu "Web 2.0" wissen müssen, wie sie Blogs oder Podcasts sinnvoll einsetzen, Nutzer an der Inhaltsproduktion beteiligen und damit soziale Netzwerke schaffen.

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MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

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