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Thema: Business Software

Top-Trend mobile BI

Tablet und Smartphone statt Desktop

Bis 2013 wird ein Drittel aller Business Intelligence-Funktionalitäten über mobile Geräte genutzt, prognostiziert das renommierte Gartner-Institut in einer brandneuen Studie. "Wir sehen einen starken Trend zur Mobilität", sagte auch Carsten Bange, Geschäftsführer des deutschen BARC-Instituts, im Gespräch mit dem MONITOR.

Der Mobile World Congress Mitte Februar in Barcelona hat es gezeigt: Smartphones und Tablets gehört wohl die Zukunft. Eine der besten Neuvorstellungen, das Samsung Galaxy S II mit Dual-Core-Prozessor, wird als überaus ernstzunehmender Konkurrent zu Apples iPhone gehandelt. Drei spektakuläre neue Tablets mit dem Betriebssystem Android 3.0 waren zu bewundern: Das "Galaxy Tab 10.1" von Samsung, das Motorola "Xoom" sowie LGs "Optimus Pad". All diese Neuvorstellungen zeigen eines: Es wird zunehmend attraktiv, auch kompliziertere Vorgänge und Prozesse, egal ob im Privatleben oder auch im Business, mobil werden zu lassen.

Wenn laut Gartner bis 2013 rund ein Drittel aller BI-Funktionalitäten über mobile Geräte genutzt wird, dann werden die Anwendungsbereiche rasch über die Erstellung von Berichten und Dashboards hinausgehen und spezielle Aufgaben und Analysefunktionen erfüllen, so die Prognose. Darüber hinaus werden laut Gartner in den nächsten drei Jahren rund 30 % aller BI-Systeme über In-Memory-Funktionen verfügen. Als dritten entscheidenden Einflussfaktor nennt Gartner die Zunahme von nutzerseitig angestoßenen Initiativen und externen Informationsquellen sowie die zunehmende Integration von unstrukturierten Daten. Diese Veränderungen werden zusammengenommen dafür sorgen, dass rund 40 %der gesamten BI-Ausgaben künftig nicht mehr in Software, sondern in die Systemintegration investiert werden. Viertens schließlich wird es sich laut Gartner innerhalb der nächsten 18 Monate bei 15 Prozent der BI-Einsätze um eine Kombination von BI, Collaborations- und Social-Software handeln, die unmittelbar in die Entscheiderebene eingebunden wird.

Herausforderung Security

"2011 werden das iPhone und Android Devices zu integralen Bestandteilen der alltäglichen IT-Aktiväten werden", traf Andrew Brown, Analyst bei Strategy Analytics auf dem Mobile World Congress eine ganz klare Aussage. Wer mehr darüber wissen will, sollte sich Browns Report "New Frontiers: Ten Trends that will shape the Wireless Enterprise in 2011" näher ansehen. Insbesondere auf die IT-Abteilungen kommt damit auch eine Menge Arbeit zu: Denn die mobilen Endgeräte erfordern eine gänzliche Neuordnung der Unternehmens-IT, insbesondere im Hinblick auf Security, sowohl was Endgeräte als auch Applikationen betrifft. "Bring your Own Device (BYOD) wandelt sich vom Experiment zur Unternehmensnorm, weil Smartphones und Tablets am Arbeitsplatz Eingang finden, jedes mit seiner eigenen mobilen Anwendungsumgebung. BYOD ist der Treiber für die Einführung von sicheren konvergenten Fixed Mobile Zugangslösungen (4G, WiFI and Femtocell), erklärte Brown.

Qlikview: iPad Manufacturing (Foto: Qliktech)

Den Trend zur mobilen BI bestätigt auch Carsten Bange, Geschäftsführer des deutschen BARC-Instituts (Business Application Research Center www.barc.de). Im neuen "BARC-BI Survey 9" kommt er zum Ergebnis, dass rund 25 % der Unternehmen künftig den Einsatz mobiler Geräte für Business Intelligence einsetzen wollen. Allerdings erst 6 % der Unternehmen haben sich für "mobile BI" entschieden und diese auch realisiert. Demgegenüber planen knapp 70 % derzeit keine mobilen Endgeräte für BI einzusetzen. "In den Unternehmen, wo es genutzt wird, greift etwa 10 % der User mobil zu", erläutert Bange. Bei den vier großen BI-Anbietern Microsoft, Oracle, SAP und IBM sieht Bange eine "geteilte Strategie". Während sich SAP voll zur Mobilität bekenne und auch bei IBMs neuer Suite "Cognos 10" klare Tendenzen erkennbar seien, wäre das bei Microsoft und Oracle derzeit "noch nicht so stark im Fokus". Bei den kleineren Anbietern, die auf mobile BI setzen, nannte Bange vor allem Microstrategy, Qliktech sowie Cubeware.

MicroStrategy: Basisversion ist Freeware

Bereits im Juli 2010 hat MicroStrategy die allgemeine Verfügbarkeit von MicroStrategy Mobile bekannt gegeben, einer Plattform für den Einsatz von BI-Applikationen auf iPhone und iPad. Nick Forde, Chef für die Mobil-Strategie bei MicroStrategy sagte Ende Februar auf der ITWeb BI Summit in Johannesburg: "BI auf mobilen Devices ist besser als BI auf traditionellen Plattformen wie etwa Desktop PCs".

Der 1989 gegründete US-Hersteller hat bereits auf den Boom reagiert: Derzeit werden jedem Kunden 25 "Mobil-Lizenzen" kostenlos zur Verfügung gestellt. "Es gibt damit keinen Kunden, der mobile BI nicht zumindest andenkt", sagt der deutsche MicroStrategy Pressesprecher Christian Langmayr. Außerdem gibt es für alle eine dauerhaft kostenlose Mobile BI-Software zum Download auf der Microstrategy Website, "einerseits als Einstiegsdroge, andererseits durchaus als Werkzeug für KMUs oder Departments geeignet", betont Langmayr, der auch einen Trend zur massiven Ausweitung der Anwenderzahl sieht: So plant etwa der Microstrategy Kunde Herbalife künftig jedem Außendienst Mitarbeiter, das sind rund 1,9 Mio. Personen weltweit, einen mobilen BI Zugriff zu ermöglichen.

SAP: Große Mobilitäts-Kampagne

Rechzeitig auf den Mobilitäts-Zug aufgesprungen ist auch der deutsche ERP-Gigant SAP. Die Deutschen haben vor allem durch die Übernahmen von Sybase im Februar 2010 gut an Terrain gewonnen. Für den Mittelstand hat SAP das Produkt "Business by Design" auf den Markt gebracht, damit können SAP-Lösungen als On-Demand-Lösung genutzt werden (Cloud Lösung).

Für größere Unternehmen ist die IT-Plattform Sybase Afaria gedacht: Sämtliche mobile Daten und Anwendungen werden damit zentral verwaltet, auch die Entwicklung eigener Applikationen ist damit möglich. Neu gelauncht wurde im Februar SAP Business Objects BI 4.0. Zu den großen Neuerungen gehören Echtzeit-Analysen mit Hilfe der In-Memory-Technik und leistungsfähige BI-Funktionen auf vielen mobilen Endgeräten. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Auswertung von Unternehmensdaten und Daten aus sozialen Netzen.

Bei SAP wurde übrigens laut Eigenaussage "in Rekordzeit von 70 Tagen eine In-Memory Datenbank entwickelt ("HANA"), die beim ersten Testkunden, dem Bohrerhersteller Hilti, für große Zeitersparnis sorgt: Die Auswertung der Kundendatenbank mit 9 Mio. Einträgen dauert statt drei Stunden jetzt nur mehr drei Sekunden. "Überall dort, wo man schnell auf neue Situationen reagieren muss, bringt In-Memory große Vorteile. Außerdem reduziert es die Gesamtkosten von BI-Plattformen massiv", betont SAP-Österreich-Chef Andreas Muther.

QlikTech

Auch der von Gartner im "BI Magic Quadrant 2011" als "Leader" eingestufte BI-Anbieter QlikTech (wie u.a. MicroStrategy und SAP) setzt auf In-Memory-Technologie und Mobilität. Die Lösung QlikView ermöglicht es, die BI-Daten auch via iPhone, iPad, Android-Geräten und BlackBerry abzurufen. "Die eigentliche Berechnung erfolgt auf dem zentralen Server, die Informationen stehen aber überall und jederzeit zur Verfügung", erläutert Jürgen Klein, verantwortlich für die DACH-Region bei QlikTech, der auf "BI-Self Service" setzt: "Die Mitarbeiter können mit wenigen Schritten selbst eine Anwendung erstellen, die zu ihrer Fragestellung passt".

Auch die Zusammenarbeit im Team wird leichter: So ist es möglich, eine QlikView-Analyse über Sharepoint einer großen Gruppe von Anwendern zur Verfügung zu stellen oder über entsprechende Schnittstellen Excel-Tabellen zu befüllen.

Cubeware

Es ist nicht gerade überraschend, dass BI auf der letzten CEBIT eines der Top-Themen darstellte. Der deutsche BI-Anbieter Cubeware präsentierte die Cubeware Mobile Service Architecture. Sie ermöglicht es, die mit Cubeware erstellten Berichte und Dashboards auf mobile Endgeräte zu bringen, von Apples iPhone und iPad über BlackBerry, HTC bis zu Palm.

Die aktuelle Version Cockpit V6pro kann somit etwa als Web-Client via Safari Browser auf dem iPad genutzt werden. Außerdem können Berichte und Dashboards an die unterschiedlichsten Apps angebunden werden.

Nützliche "Apps"

Last but not least wollen sich auch die großen Netzanbieter den Markt nicht entgehen lassen. Neben vielen nützlichen "Apps" für Privat- und Business-Alltag bietet etwa die Telekom Austria auch "Mobility for ERP/CRM" (SAP, Microsoft CRM, Applus). Zu den TA-Kunden gehört hier etwa Kuhn Ladetechnik oder Rosenbauer. Die TA setzt bei der Realisierung dieser Lösungen auf spezialisierte Solution Partner, die wichtigsten sind Genoa, Schiffl, LG Nexera, IT Pro, mobildata sowie TNS.

Der Markt kommt allerdings erst in Schwung, denn viele Unternehmen nutzen noch alte Handys oder warten vorsichtig erst einmal ab. Aber der Trend zur Mobilität ist da. "Die Zeit, die mit mobilen Devices verbracht wird, stieg 2010 um 28,2 Prozent und steigt schneller an als bei jedem anderen Medium", prognostiziert das Marktforschungsinstitut IDC, mobile BI "wird ein Schlüssel-Thema der nächsten Monate und Jahre werden."

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MONITOR-Autoren
Dunja Koelwel

Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. ..mehr..

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