Jedesmal, wenn Steve Jobs in der letzten Zeit ein neues Produkt aus dem Hut zaubert, hält die IT-Branche den Atem an: Diesmal war es das iPad 2, eine durch und durch verbesserte Version des Original-iPad, der in diesem Segment ohnehin bereits die Gangart vorgegeben hat.
Das neue Gerät ist dünner, hat eine nochmals verbesserte Benutzeroberfläche und einen stärkeren Prozessor und trifft anscheinend auch sonst den Geschmack der potentiellen Kundschaft, den euphorischen Reaktionen nach zu schließen. Außerdem ist die Preispolitik des neuen iPad denkbar schlau: Statt den Ladenpreis zu erhöhen, hat Apple ihn gleichbehalten - eine Verlockung für jeden iPad-Neuling, gleich zum neuen Produkt zu greifen. Apple ist hier ziemlich selbstbewusst, wie der freche Werbeslogan zeigt: "iPad 2 - egal was wir sagen, ihr kauft es ohnehin."
Ist Steve Jobs also der perfekte Innovator und Vermarkter? Man muss, auch wenn man Apple nicht wie so viele andere Techno-Freaks bedingungslos verehrt, den Hut vor diesem Mann ziehen.
War es vorher der Standard in der Welt der mobilen Computer, dass man die Geräte mit Funktionen überladen hat, die daumendicke Bedienungsanleitungen erforderten, kommt man als User beim iPad und vielen anderen Apple-Produkten fast gänzlich mit Intuition aus. Und so meint auch Steve Jobs, dass das Geheimnis von Technologieinnovation die "radikale Vereinfachung" sei - wie es ja auch viele Consulter immer wieder den Firmen empfehlen, aber dies leider meist nicht zu Ende denken.
Apple schafft im Gegensatz zu anderen Firmen den Spagat, die Technologie-Verliebtheit von Ingenieuren mit der Idee zu verbinden, dass Geräte heute so einfach zu bedienen sein sollten wie ein Getränkeautomat. Mit anderen Worten: Was hinter dem User-Interface steckt, kann so kompliziert sein wie es sein muss. Nur das Interface selbst gehört so einfach bedienbar wie nur möglich gestaltet, der menschlichen Intuition und nicht dem Rasterdenken der Ingenieure verpflichtet.
Um das in einem Produktionsprozess zu erreichen, muss nichts weniger als der ganze Kreativitätsprozess in einem Unternehmen neu definiert werden, und das gelingt auch nur, wenn an der Spitze jemand steht, der herkömmliches Denken auf den Kopf zu stellen weiß - wie eben Steve Jobs. Der Mitbewerb muss an diesem Punkt noch arbeiten.



1/2012
8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 