Was nicht funktioniert, ist der kommerzielle Aspekt dahinter und damit das langfristige Überleben - trotz teilweise enormer Investitionen (SugarCRM z. B. hat fast 50 Mio. US-Dollar an Risikokapital bekommen) kann bis heute meines Wissens nach kein einziges Projekt wirklich als profitabel bezeichnet werden und Börsegänge sind in weiter Ferne (einzige Ausnahme: RedHat mit RedHat Enterprise Linux).
Open Source Software wie sie von der OSI (Open Source Initiative) definiert wird, darf unter zwingender Beibehaltung der jeweiligen Lizenz verändert und weitergegeben (kopiert) werden, was eine finanzielle Abgeltung für die Software selbst nahezu unmöglich macht - Wozu soll ich für etwas bezahlen wenn ich es auch kostenfrei haben kann? Die jeweiligen Lizenzen (GPL, AGPL als die bekanntesten Vertreter) vermeiden das Wort "gratis" allerdings wie der Teufel das Weihwasser und in diversen Kommentaren kommt dann immer (mehr oder weniger süffisant): "Natürlich dürfen Sie für OSS Geld verlangen." Und unausgesprochen: "Aber finden Sie zuerst einmal einen Trottel."
Der feine Unterschied
OSS kommt aus dem Infrastrukturbereich und dort ist die Welt ja vergleichsweise simpel: Techniker 1 findet ein Problem und (stark vereinfacht gesagt) behebt es ganz einfach. Und weil er darauf so stolz ist, spricht er darüber mit Techniker 2. Wenn dann die richtigen zusammen finden, ist ein Projekt geboren. Getragen von dem Wunsch, die Dinge mit denen man selbst täglich umgeht besser, schöner und technisch eleganter zu machen. Geld steht da nicht notwendigerweise im Vordergrund, eher Gemeinnützigkeit und letztendlich Anerkennung mittels einer Erwähnung im Nachspann. Dass diese Projekte über offene Lizenzen vor skrupellosen Geschäftemachern geschützt werden müssen ist klar, liegt aber nicht zuletzt auch in den handelnden Personen begründet.
Aber wie sieht es im Bereich Firmenanwendungen aus - wie viele Buchhalter, Verkäufer oder Logistiker gibt es, die nach Dienst unbezahlt über einem ERP, CRM oder SCM brüten? Und wie viele haben zu ihrer Fachkenntnis auch noch Ahnung von Datenbanken und Programmiersprachen? SugarCRM als das wahrscheinlich bekannteste Produkt in diesem Bereich hat fast 315.000 registrierte Forumsmitglieder, aber Antworten oder konstruktive Beiträge (also etwas das man im weitesten Sinne als "Mitarbeit" verstehen könnte) gibt es von weniger als einem Promille und das nur sehr sporadisch. Der Kostenvorteil einer Entwickler Community existiert damit nicht mehr, die Ansprüche an die Software und an den Vertrieb bleiben aber. Nur eben mit wenig bis gar keinem Umsatz.
Warum gratis?
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Der Open Source Ansatz ist eine fantastische Sache und bringt eine ganz neue Qualität in den Umgang mit (Software-) Produkten. Benutzer (die Community) diskutieren und werden auch gehört, Fehler oder Verbesserungen werden offen besprochen und der so genannte "Vendor Lock In", also die zwangsweise Verwendung eines Herstellers oder Lieferanten, wird durch den quelloffenen Code beseitigt. Aber bitte warum eine Open Source Lizenz und somit (de facto) gratis?
Ein offenes Basisprodukt könnte z. B. über "geduldiges" Geld vorfinanziert werden und dann über Wartungsgebühren oder bezahlte Erweiterungen (App Stores?) mittel- und langfristig Geld bringen. Warum sollte ein Kunde nicht eine Erweiterung finanzieren und dann genau nach dem gleichen Modell möglicherweise sogar davon profitieren? Ist es so schlecht, wenn Mitarbeit von finanziellen Interessen getragen wird? Und wer sagt, dass Open Source (im Sinne von quelloffen) nicht kommerziell lizenziert werden kann?
Ich arbeite seit mittlerweile über fünf Jahren im Bereich OSS, und ich weiß, dass Firmenkunden bereit sind, für Leistung Geld auszugeben, immerhin ist das ja auch die Grundlage ihres eigenen Geschäfts. Und was ich auch weiß: Wenn Qualität, Service und Kontinuität stimmen, bevorzugen die meisten quelloffene Produkte. Selbst wenn diese richtiges Geld kosten.
Der Autor Robert Laussegger ist ein Business Solutions Veteran mit über 20 Jahren Erfahrung im Bereich ERP und CRM. Die Beschäftigung mit Sugar begann bereits 2006 und diente ursprünglich nur dem Eigenbedarf. In der Zwischenzeit gehört Robert Laussegger zu den Top 5 Postern im weltweiten Sugar Forum und ist seit Anfang 2008 auch für die deutsche Sprachversion und das deutsche Benutzerhandbuch von SugarCRM verantwortlich.
Herstellung und Verlag: BOD Verlag
ISBN 978-3-8391-0945-8, Paperback, 232 Seiten
http://iscon.at/index.php/sugarcrm-sprachdateien-bestellen





1/2012
8/2011
7/2011


