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Veranstaltungsbericht

Domain pulse 2011

Rund 400 Besucher, 30 nationale und internationale Vortragende und Diskutanten, zahlreiche Diskussionspanels und Vorträge gab es auf der Domain pulse 2011 in Wien.

Richard Wein, nic.at bei der Stabübergabe an Sabine Dolderer, Vorstand DENIC und Urs Eppenberger, Leiter Internet Domains SWITCH. (Bild: nic)

Der Domains pulse ist die bedeutendste Veranstaltung für aktuelle Themen, Tendenzen und Trends rund um Domain-Namen im deutschsprachigen Raum. Gemeinsam mit DENIC (Registry Deutschland) und SWITCH (Registry Schweiz und Liechtenstein) führte nic.at (Registry Österreich) nach 2005 und 2008 die Fachtagung Domain pulse bereits zum dritten Mal in Wien durch.

Die heurige Veranstaltung stand ganz im Zeichen von zwei aktuellen Themen: Die geplante Einführung der neuen Top Level Domains (TLD) sowie die Diskussion um Staat und Internet. Zu diesem Thema diskutierte am ersten Veranstaltungstag eine internationale Expertenrunde (Christian Singer, BMVIT, Hubert Schöttner, BMWI, Thomas Schneider, BAKOM und weitere) rund um Moderator Prof. Wolfgang Kleinwächter. Trendforscher Nils Müller warf bei seinem Vortrag einen Blick in die Zukunft des Internet. Am zweiten Tag vom Domain pulse stellte Hans Peter Lehofer vom Verwaltungsgerichtshof die unterschiedlichsten Aspekte von Internetrecht vor, Dirk Krischenowski erläuterte die Vorteile der neuen Top Level Domains und führende Entwickler wie Craig Labovitz un Michiel van Eeten gaben einen technischen Einblick hinter die Kulissen des Internet.

Wie viel Staat braucht das Internet?

„Wie viel Staat braucht das Internet?“ war der Titel des Diskussionspanels am ersten Domain pulse Tag. Experten aus dem deutschen (Hubert Schöttner, BMWI), österreichischen (Christian Singer, BMVIT) und Schweizer Regierungsumfeld (Thomas Schneider, BAKOM) sowie aus dem privatwirtschaftlichen Umfeld (Verizon, Nokia Siemens Networks) verglichen mit Moderator Prof. Wolfgang Kleinwächter, Universität Aarhus die unterschiedlichen Zugänge zur regulativen Rolle des Staates im Internet.

Die politischen Vertreter waren sich dabei, trotz unterschiedlicher Rechtslagen der einzelnen Länder, einig: Internet Governance darf nicht den Staaten alleine überlassen werden. Österreich sei hier – durch die Kombination von Staat und Privat, ein so genannter Mulit-Stakeholderansatz – ein internationales Vorzeigemodell. Theresa Swinehart, Verizon, ermahnte in diesem Zusammenhang, dass Entwicklungen zur Regulierung transparent, unter Einbindung aller, und nicht schleichend passieren dürfen.

Im Rahmen des an das Panel anschließenden Hintergrundgesprächs mit Prof. Wolfgang Kleinwächter (Universität Aarhus), Prof. Viktor Mayer-Schönberger (University of Oxford) und dem nic.at Geschäftsführer Richard Wein wurde über die Rolle von Internet Governance weiterdiskutiert.

Mayer-Schönberger dazu: „Internet Governance steckt in der Krise, weil ihr die Vision für die Zukunft fehlt.“ Angesichts der aktuellen, politischen Entwicklungen sei es dringend notwendig, Internet Governance neu zu denken. Kleinwächter betonte, dass das Thema Internet Governance nun wieder in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt ist: „Nach Wikileaks, Google Street View, Facebook und der Rolle des Internet bei den arabischen Aufständen kommt der Konflikt mit voller Wucht zurück auf die Agenda der Weltpolitik“. In Österreich funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Regierung und Domainverwaltung jedoch bestens, wie Richard Wein ergänzte: „Hierzulande haben wir ein sehr erfolgreiches Modell, um das uns viele Länder beneiden. nic.at verwaltet die .at-Zone in enger Kooperation mit allen Beteiligten: der Regierung, der RTR sowie Vertretern der Local Internet Community wie Provider, Rechtsexperten und Medien. Da alle relevanten Gruppen involviert sind, findet dieses Modell breite Zustimmung und Akzeptanz.“

Top Level Domains: Vorteile für Regionen

Dirk Krischenowski, Initiator von .berlin erläuterte in seinem Referat, wieso Top Level Domains gerade für Metropolen in Zukunft unverzichtbar sein werden: „Berlin ist nicht nur die größte Stadt Deutschlands, sie ist eine Marke. Schon heute gibt es über 150.000 Domains, die ‚Berlin‘ in ihrem Namen haben – ein Zeichen dafür, wie stark die Regionalisierung im Internet voranschreitet. Die neue Top Level Domain .berlin ist nur eine logische Antwort auf die Bedürfnisse im Netz.

Während des Domain pulse wurden konkrete Vorhaben für neue Top Level Domains thematisiert. Axel Schwiersch, Geschäftsführer der dotversicherung und der dotreise GmbH, stellte die Pläne für .versicherung und .reise vor. Eine völlig andere Vision hingegen verfolgt die Charity-Initiative .hiv, die die neue Top Level Domain als Mittel im Kampf gegen Aids einsetzen will.

Benny Lipsicas, von der israelischen Registry ISOC-IL berichtete in seinem anschließenden Referat vom großen Erfolg kürzlich eingeführter hebräisch sprachiger Domains unter .il und erläuterte weitere Herausforderungen, die sich zukünftig in der Gestaltung des WWW und neuer Top Level Domains stellen werden: die Berücksichtigung unterschiedlicher Schriftarten oder auch Schreibweisen, wie Hebräisch, das von rechts nach links geschrieben wird.

www.domainpulse.at/de

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Dr. Christine Wahlmüller

Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. ..mehr..

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