Investiert wird vor allem in die Entwicklung neuer Software, das zeigt die IT-Trends-Studie 2011, für die Capgemini im Oktober 2010 die IT-Verantwortlichen von 173 Großunternehmen im deutschsprachigen Raum befragte.
CIOs in Österreich wählten die Integration von Standard- und Individualanwendungen zum wichtigsten Thema des Jahres, danach folgen Virtualisierung, Unified Communications, Master Data Management und Risikomanagement. Erst auf den hinteren Plätzen der Liste der 32 Top-Trends stehen unternehmensinterne Blogs, Public Clouds, Social CRM, Google Apps und unternehmensinternes Microblogging.
Web 2.0 wird wichtiger
Web 2.0-Elemente werden bei den befragten CIOs jenseits des allgemeinen Hypes erst in den nächsten 24 Monaten an Bedeutung gewinnen. Vor allem Social CRM, Unternehmens-Wikis, -Blogs, Rich Internet Applications, Foren und internes Microblogging werden dann aus Sicht der IT-Leiter wichtiger. In der Zwischenzeit wird in den kommenden zwölf Monaten daran gearbeitet, das Nutzungserlebnis auf Portalen sowie Web-Applikationen zu verbessern und damit den Außenauftritt und den Kundenservice zu optimieren. Darüber hinaus entwickeln die Befragten mit Hochdruck Applikationen für mobile Endgeräte.
„Die kreative Seite der IT war in den letzten Jahren selten gefragt, außer im Zusammenhang mit Kostensenkungen. Im Vordergrund standen Effizienzsteigerung, Standardisierung und Controlling. Das ändert sich jetzt, die IT ist wieder als innovative Kraft im Unternehmen gefordert. Dafür wurden zum ersten Mal seit langem auch die Budgets erhöht“, kommentiert DI Bernd Bugelnig, Vice President bei Capgemini in Österreich. „Trotz wachsender Aufmerksamkeit auf Web 2.0 stehen aber derzeit noch andere Themen deutlich im Vordergrund.“
IT-Eigenleistung wieder gestiegen
Nachdem viele Unternehmen angesichts der Finanzkrise und der unsicheren wirtschaftlichen Lage ihre Eigenleistung Ende 2009 drastisch gesenkt hatten, teilweise um bis zu 20 Prozentpunkte, hat sich dieser Trend Ende 2010 wieder umgekehrt: Die Eigenleistung wurde erhöht, wenn auch im IT-Infrastruktur- und im Applikations-Management nur leicht (jeweils plus zwei Prozentpunkte). Die unternehmensinterne Softwareentwicklung zog kräftig an, sie stieg im Schnitt im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozentpunkte.
„In diesem Jahr geht es für die IT-Abteilung darum, die Standardservices kostengünstig und flexibel zu erbringen und gleichzeitig Innovationen zu entwickeln. Dabei handelt es sich im Gegensatz zu früher nicht nur um Neuerungen für Primärprozesse und Infrastruktur, sondern um Innovationen, auf deren Basis Unternehmen neue Geschäftsideen entwickeln und Umsatz generieren“, erklärt Bernd Bugelnig.
Outsourcing in erster Linie nach Zentraleuropa
Trotz leicht gestiegener Eigenleistung lagern Unternehmen nach wie vor viele IT-Arbeiten aus. Der größte Teil der Aufträge (im Schnitt 65 %) geht an Auftragnehmer in Zentraleuropa. Indische Dienstleister erhalten nur etwa 15 % des Gesamtvolumens, darunter überproportional viele Softwareentwicklungsprojekte.
Durchschnittlich implementiert jedes Unternehmen 6,7 innovative Software-Applikationen pro Jahr; Hardware und neue IT-Services werden jeweils nur rund halb so häufig eingeführt. Unternehmen mit 500 Mio. bis 5 Mrd. Euro Umsatz sind in Sachen Innovation am produktivsten, sie entwickeln insgesamt pro Jahr etwas mehr als 13 Neuerungen. Konzerne mit mehr als fünf Mrd. Euro Umsatz schaffen lediglich etwas mehr als elf. Kleinere Unternehmen mit bis zu 500 Mio. Euro Umsatz liegen bei der Zahl der Innovationen im Mittelfeld, agieren damit aber in Relation zu ihren Budgets sehr effektiv. Bei ihnen bescheinigt der IT-Leiter der Geschäftsleitung ein gutes Technologieverständnis und behauptet von sich selbst, viel vom Markt und vom wirtschaftlichen Umfeld zu wissen. Die Nähe von Business und IT scheint einer der Erfolgsfaktoren für eine innovative IT-Abteilung zu sein.
Die vollständige Studie im PDF-Format: www.at.capgemini.com/it-trends



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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 